Meb Faber: 50% Kursrückgang bis 2030 wäre völlig normal
Cambria-CIO Meb Faber bleibt langfristig optimistisch für US-Aktien, warnt aber vor hohen Bewertungen und empfiehlt einen Blick ins Ausland.

Meb Faber, Mitbegründer und Chief Investment Officer von Cambria Investment Management, gilt als überzeugter Bulle für den US-Aktienmarkt – und das mit gutem Grund. Wer im Jahr 1800 einen Dollar in US-Aktien investiert hätte, säße heute auf über 4,2 Millionen Dollar. Das entspricht einer jährlichen Rendite von rund 9% über mehr als zwei Jahrhunderte. Zum Vergleich: Dieselbe Investition in den Rest der Weltmärkte hätte lediglich rund 51.000 Dollar eingebracht.
Diese beeindruckenden Zahlen bilden das Herzstück von Fabers neuem Buch Investing In America: The Rise of A 250-Year Bull Market, das den US-Aktienmarkt Jahrzehnt für Jahrzehnt von 1800 bis 2020 untersucht. Faber sagt, er sei während der Corona-Pandemie zum Schreiben inspiriert worden, als eine ganze Generation ihren Blick auf den Aktienmarkt richtete – aber von Diensten verführt wurde, die Interesse an Meme-Aktien weckten und bei jedem Handel „Konfetti in die Luft schossen".
Marktzyklen als Merkmal, nicht als Fehler
Trotz seines Optimismus warnt Faber vor einer gefährlichen Denkfalle: Anleger neigen dazu, ihre eigene Lebenserfahrung zu extrapolieren. Wer die letzten 15 Jahre an den US-Märkten erlebt hat, kennt nur steigende Kurse mit rund 15% pro Jahr. „Man kauft den Rücksetzer und es geht einfach durch die Decke", so Faber. Doch diese Phase hielt historisch nie ewig an.
Faber erinnert daran, dass ähnliche Boomphasen bereits in den 1920er Jahren, den 1950er Jahren und während des Internet-Booms existierten – und alle endeten abrupt. Es folgten die Weltwirtschaftskrise, die inflationären 1970er und 1980er Jahre, das Platzen der Dotcom-Blase und die Weltfinanzkrise 2008. Das Auf und Ab der Märkte bezeichnet Faber ausdrücklich als „Merkmal und keinen Fehler". Bärenmärkte und Rezessionen bereinigten schlechte Akteure und überschuldete Marktteilnehmer – und entlarvten, wie Warren Buffett es formulieren würde, jene, „die nackt schwimmen, wenn die Ebbe kommt".
Vor diesem Hintergrund hält Faber einen Kursrückgang von 50% zwischen heute und 2030 für „völlig normal" – eine Aussage, die für viele Anleger alarmierend klingen mag, historisch aber gut begründet ist. Sein Anlage-Gehirn beschreibt er selbst als halb Value und halb Momentum.
US-Aktien teuer wie zuletzt in den späten 1990ern
Die aktuelle Bewertungslage bereitet Faber durchaus Sorgen. Das CAPE-Verhältnis – das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis – für US-Aktien liegt derzeit im niedrigen 40er-Bereich. Historisch tendiert dieser Wert im Durchschnitt gegen 18, das Tief lag einst bei fünf. Zu Beginn dieses Jahres waren US-Aktien laut Faber zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen der teuerste Aktienmarkt der Welt – ein klares Warnsignal.
Hohe Bewertungen haben historisch stets zu gedämpften zukünftigen Renditen geführt. Faber betont jedoch, dass Anleger US-Aktien nicht zwingend nur über den S&P 500 oder marktkapitalisierungsgewichtet halten müssen.
Auslandsmärkte als attraktive Alternative
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Zur AktienanalyseWer über die hohen US-Bewertungen besorgt ist, dem empfiehlt Faber einen Blick über den Atlantik und in die Schwellenländer. Ausländische Schwellenmärkte weisen nach seinen Angaben völlig vernünftige Bewertungen auf – im niedrigen 20er- oder hohen Zehnerbereich. Das günstigste Länderpaket nach langfristigen Bewertungskennzahlen liegt sogar im niedrigen Zehnerbereich und erzielte im vergangenen Jahr eine Rendite von 55%.
Dass kaum jemand darüber spricht, erklärt Faber damit, dass ausländische Aktien im Vergleich zu US-Werten über viele Jahre hinweg deutlich schlechter abgeschnitten haben. Für langfristig orientierte Anleger könnte genau das jedoch eine Chance darstellen.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz ordnet Faber nüchtern ein: „Es gibt ständige Disruption." Das gelte für Computer, Mikroprozessoren, Kunststoffe, Eisenbahnen und Kanäle gleichermaßen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte Brennholz ein Viertel des US-Bruttoinlandsprodukts aus – ein Hinweis darauf, wie radikal sich Wirtschaft und Märkte immer wieder neu erfinden.


