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McKinsey unter Druck: Karriere-Modell ins Stocken geraten

Weniger Beförderungen und prominente Abgänge belasten den Strategieberater.

McKinsey unter Druck: Karriere-Modell ins Stocken geraten

McKinsey, der weltgrößte Strategieberater, steht unter erheblichem Druck, da ein bislang erfolgreiches Karrieremodell ins Stocken gerät. Dies zeigt sich in einer deutlich geringeren Anzahl an Beförderungen, insbesondere zum Seniorpartner. Experten interpretieren dies als ein Anzeichen für tiefere Probleme innerhalb des Konzerns. Das Jahr 2023 war für McKinsey schwierig, mit international nur noch einstelligem Wachstum, stagnierender Mitarbeiterzahl und rückläufigen Gewinnmargen. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte musste McKinsey Mitarbeiter entlassen, auch in Deutschland.

Die Krise hat inzwischen auch das Topmanagement der Beratung erreicht. Recherchen des Handelsblatts zufolge wurde 2024 nur ein einziger Partner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Seniorpartner befördert. In den Vorjahren waren es noch bis zu zehn neue Seniorpartner in dieser Region. International berief McKinsey 2024 nur 54 neue Seniorpartner, im Vergleich zu 69 im Jahr 2023 und 80 im Jahr 2022. Eine solch geringe Anzahl an Beförderungen kann das gesamte Karrieremodell von McKinsey belasten, da Nachwuchskräfte auch durch kontinuierliche Karriereschritte motiviert werden.

Die Beförderung zum Seniorpartner bei McKinsey erfolgt durch eine globale Wahl und basiert auf erzielten Umsätzen und erfolgreicher Auftragsakquise. Zusätzlich fließen persönliche Beurteilungen von Kollegen, Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden ein, das sogenannte 360-Grad-Feedback. In diesem Jahr schaffte im deutschsprachigen Raum nur Sebastian Kempf den Aufstieg zum Seniorpartner. Er postete seine Wahl im Juni auf LinkedIn. Kempf ist im Bereich Mobilitäts- und Industriekunden tätig und berät Unternehmen bei Wachstumsstrategien, neuen Geschäftsmodellen und digitaler Transformation.

Fabian Billing, der Deutschlandchef von McKinsey, konnte in diesem Jahr nur einen neuen Seniorpartner in seinen Reihen begrüßen. Eine Sprecherin von McKinsey in Deutschland erklärte, dass die Wahl von 54 neuen Seniorpartnern ein Spiegelbild der anhaltenden Stärke und Besonderheit der globalen Firma sei. Branchenexperten wie Dietmar Fink sehen dies jedoch anders und interpretieren die geringe Anzahl neuer Seniorpartner als Krisensignal.

Der Abgang von McKinsey-Partnern zur Konkurrenz ist eigentlich die Ausnahme, doch Guido Höpfner entschied sich dennoch, zu Strategy&, der Beratungssparte von PwC, zu wechseln. Sein Abgang war bemerkenswert, da er erst zwei Jahre zuvor aus der Industrie in die Beratung gewechselt war. Auch bei anderen führenden Beratungen gibt es prominente Abgänge von Partnern.

Eine geringere Zahl an Beförderungen und prominente Abgänge gelten als nicht gut für Beratungen, insbesondere für eine Partnerschaft wie McKinsey. Das Beratungsgeschäft hängt stark vom Intellekt, Netzwerk und der Präsenz ihrer Topleute ab. Damit dieses Geschäftsmodell funktioniert, braucht es talentierten Nachwuchs und stetige Beförderungen. Wenn weniger Talente eingestellt werden und weniger Seniorpartner befördert werden, staut sich das System.

McKinsey hat nach den Rekordjahren 2020 und 2021 nur noch einstellig zugelegt, und die Zahl der Mitarbeiter stagniert seit 2022 bei rund 45.000. Das Image des Unternehmens hat nach zahlreichen Skandalen weltweit gelitten. Der Geschäftserfolg von McKinsey hängt stark von der wirtschaftlichen Lage ab. Die aktuelle Wirtschaftskrise schlägt sich auch bei den Beratern nieder, was sich in einer Zurückhaltung bei der Vergabe großer Strategieprojekte und einem Preisdruck zeigt.

Der deutsche Mittelstand setzt zunehmend auf spezialisierte Berater, die die spezifischen Bedürfnisse der mittelständischen Unternehmen verstehen. Die Wachstumsrate dieser Berater liegt deutlich über dem Marktdurchschnitt. Viele Topberatungen haben jedoch Schwierigkeiten, sich auf die Besonderheiten der mittelständischen Wirtschaftskultur einzustellen, was ihre Effektivität in diesem Segment einschränkt.

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