Mazda steigt trotz Russland-Rückzug auf Platz sechs
Neue Verschrottungsgebühren in Russland bescheren Mazda einen spektakulären Verkaufsanstieg – ohne Zustimmung des Herstellers.

Mazda hat sich im russischen Automarkt überraschend auf den sechsten Platz vorgearbeitet. Laut Daten der russischen Analyseagentur Autostat wurden im Zeitraum Januar bis Februar 2026 insgesamt 4.871 Mazda-Fahrzeuge verkauft – gegenüber lediglich 338 Einheiten im Vergleichszeitraum des Vorjahres ein explosiver Anstieg. Dabei geschieht dies ohne das Zutun des japanischen Herstellers, der sich 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine vollständig aus dem Markt zurückgezogen hat.
Besonders gefragt ist das SUV-Modell CX-5, das sich als Verkaufsschlager unter den importierten Fahrzeugen mit kleineren, leistungsschwächeren Motoren erwiesen hat. Der Grund liegt in einer Änderung der russischen Verschrottungsgebühr, die seit dem 1. Dezember 2025 gilt: Für leistungsstarke und teure Fahrzeuge, die von Privatpersonen importiert werden, stiegen die Abgaben um mehrere hundert Prozent. Kleinere Modelle wie der CX-5 sind davon deutlich weniger betroffen und damit für russische Käufer erheblich attraktiver geworden.
Grauimporte über Drittländer treiben die Zahlen
Die Fahrzeuge gelangen über sogenannte Parallelimporte ins Land – hauptsächlich über China und andere Drittstaaten – ohne Genehmigung oder Beteiligung der Originalhersteller. Mazda hatte bereits früher erklärt, dass solche Verkäufe über Dritte außerhalb seiner Kontrolle lägen. Reuters bat das Unternehmen erneut um eine Stellungnahme, erhielt jedoch zunächst keine Antwort.
Dieses Phänomen betrifft nicht nur Mazda: Zehntausende Fahrzeuge westlicher Marken, die Russland offiziell verlassen haben, fließen weiterhin über Umwege in den russischen Markt. Mazda verlor zudem im vergangenen Jahr das Recht auf den Rückkauf seiner 50-prozentigen Beteiligung an einem Fertigungs-Joint-Venture im russischen Wladiwostok – ein weiterer Beleg für den vollständigen Kontrollverlust über die Russland-Aktivitäten.
Russischer Automarkt wächst moderat
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseInsgesamt stiegen die Autoverkäufe in Russland im Februar 2026 laut Autostat um 2,5 Prozent im Jahresvergleich auf 80.027 Fahrzeuge. Die Top-Ten-Liste wird von chinesischen, russischen und weißrussischen Marken dominiert. Neben Mazda ist Toyota mit einem neunten Platz die einzige weitere westliche Marke in den Top Ten – ebenfalls über Grauimporte.
Für deutsche Anleger und Beobachter zeigt dieser Fall exemplarisch, wie geopolitische Rückzüge und regulatorische Änderungen in Drittmärkten unerwartete Marktdynamiken erzeugen können – und wie wenig Kontrolle Unternehmen über ihre Marken im Ausland mitunter behalten.


