Matchwornshirt: Wie zwei Brüder mit Trikots Millionen verdienen
Bob und Tijmen Zonderwijk haben ein globales Auktionshaus für getragene Spielertrikots aufgebaut – mit 130 Mitarbeitern und 15 WM-Verbänden.

Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat Bob Zonderwijk ein Ticket für ein Viertelfinalspiel in Miami – zweite Juli-Woche. Heute schaut der 35-Jährige Fußball wieder hauptsächlich zum Vergnügen. Vor rund acht Jahren sah das noch ganz anders aus: Damals musste er nach Spielen oder in Halbzeitpausen persönlich in die Spielerumkleiden, um von den Zeugwarten der Vereine die frisch getragenen Trikots einzusammeln.
Diese Zeiten sind längst vorbei. Sein Unternehmen Matchwornshirt (MWS) beschäftigt heute rund 130 Mitarbeiter. Zonderwijk kann das WM-Viertelfinalspiel entspannt bis zum Abpfiff verfolgen – „hoffentlich mit Beteiligung der Niederlande", sagt er.
Vom Jurastudium zur Trikot-Auktion
Bob und sein älterer Bruder Tijmen Zonderwijk (38) sind beide ausgebildete Juristen. Ihre eigentliche Leidenschaft gilt jedoch dem Fußball – und die haben sie 2017 mit der Gründung von Matchwornshirt in Amsterdam zum Beruf gemacht. Das Unternehmen organisiert Online-Versteigerungen und den anschließenden Versand von getragenen, signierten Originaltrikots.
Der Ursprung der Idee ist dabei denkbar persönlich: Als ihr Vater 2015 als Schulleiter die Schule wechselte, wollten die Brüder ihm ein besonderes Geschenk machen – das Spieltrikot von Davy Klaassen, damals Kapitän von Ajax Amsterdam und Lieblingsspieler des Familienvereins. Doch sie stellten schnell fest: An ein authentisch spielgetragenes Trikot zu kommen, war extrem schwierig. Auktionen gab es zwar vereinzelt, aber nicht institutionalisiert, nicht regelmäßig und kaum für die breite Öffentlichkeit zugänglich.
Tijmen Zonderwijk brachte seinen Bruder schließlich mit einem Argument auf Kurs: „Ich würde lieber eines Tages mit dir im Altersheim sitzen und wissen, dass wir alles in diese Idee investiert haben, als jemand anderem dabei zuzusehen, wie er sie umsetzt." Bob bezeichnet sich selbst als den Konservativeren der beiden – das unternehmerische Mindset habe eindeutig sein Bruder.
Geschäftsmodell: 25 Prozent für MWS, Rest für die Vereine
Matchwornshirt kooperiert heute mit mehr als 400 Vereinen und Verbänden. Neben Fußball umfasst das Angebot inzwischen auch Basketball, Rugby und Radsport. Die Erlöse teilen sich MWS und der jeweilige Verein – im Schnitt behält Matchwornshirt 25 Prozent der Auktionseinnahmen. Ein Teil der Vereinserlöse fließt zudem an wohltätige Einrichtungen, die die Klubs selbst auswählen. Seit 2022 wurden auf diesem Weg mehr als 13 Millionen Euro an gemeinnützige Zwecke überwiesen.
Die Auktionen starten in der Regel mit dem Anpfiff und enden etwa eine Woche später. Typische Preise liegen zwischen einigen Hundert und wenigen Tausend Euro. Doch Ausnahmen gibt es: Das Trikot von Cristiano Ronaldo aus dem Länderspiel Portugal gegen Ungarn erzielte 62.600 Euro. Das Champions-League-Sieger-Trikot von Marquinhos (Paris St. Germain) aus dem Spiel gegen Inter Mailand 2025 brachte 55.200 Euro. Den absoluten Rekord hält jedoch der orangefarbene Anzug der niederländischen Eisschnellläuferin Jutta Leerdam, die bei den Olympischen Winterspielen 2026 Gold über 1000 Meter und Silber über 500 Meter gewann.
UV-C-Licht statt Waschmaschine
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal von Matchwornshirt ist die bewusste Entscheidung, die Trikots nicht zu waschen. „Das Gras, der Schweiß, der Matsch, die Tränen – das ist es, was die Trikots so wertvoll macht", erklärt Zonderwijk. Um dennoch hygienische Standards zu gewährleisten, arbeitet MWS mit einer Ausgründung der Technischen Universität Delft zusammen. Gemeinsam entwickelten sie ein Gerät, das Trikots mit UV-C-Licht bestrahlt – eine Technik, die etwa Fluggesellschaften während der Covid-Pandemie zur Oberflächenreinigung nutzten.
Die Methode hat dabei einen wichtigen Nebeneffekt in Bezug auf Datenschutz: „Dadurch wird die DNA zwar nicht zerstört", erklärt Zonderwijk, „sie kann jedoch nicht mehr einer bestimmten Person zugeordnet werden. Was übrig bleibt, ist ein anonymes DNA-Profil." Die Idee entstand während Cristiano Ronaldos Zeit bei Real Madrid – eine Vorgabe seiner Anwälte lautete damals, dass nichts mit der DNA eines Spielers das Vereinsgelände verlassen dürfe.
Schwieriger Start, globales Wachstum
Der Weg zum Erfolg verlief nicht reibungslos. Die erste Auktion 2017 enttäuschte. „Wir haben das Marketing unterschätzt", gibt Bob zu. „Wir dachten, die Kommunikation im Stadion reiche aus." Ab der zweiten Auktion änderten die Brüder die Strategie: Sie baten Spieler, auf ihren Social-Media-Kanälen für die Auktionen zu werben – und der Durchbruch kam.
Auch die Akquise der ersten Vereinspartner war mühsam. Feyenoord Rotterdam lehnte ab, mit dem Hinweis auf täglich rund 200 kommerzielle Anfragen. Die Brüder wurden kreativ: Sie verschickten Päckchen mit Miniaturfußbällen, auf denen ihre Geschäftsidee stand – zusammen mit niederländischen Stroopwafels. Der erste Klub, der angebissen hat, war FC Twente Enschede.
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Zur AktienanalyseHeute unterhält MWS sechs Büros: neben dem Hauptsitz in Amsterdam auch in Manchester, Istanbul, São Paulo, Melbourne und Dallas. Die höchsten Einzelgebote kommen aus Asien und den USA. Beim Gesamtvolumen liegen europäische Märkte wie Großbritannien, Deutschland, Belgien und die Niederlande vorn. Die USA gelten derzeit als der am schnellsten wachsende Markt.
WM 2026: 15 Nationalverbände als Partner
Für die laufende Fußball-WM hat Matchwornshirt deutlich an Reichweite gewonnen. Bei der WM 2022 in Katar kooperierte das Unternehmen mit lediglich zwei Nationalverbänden – beim aktuellen Turnier sind es bereits 15. Darunter befinden sich viele europäische Teams wie Deutschland, England, Portugal und die Niederlande sowie die drei Gastgeber USA, Mexiko und Kanada. „Für uns ist die WM schon jetzt ein großer Erfolg", sagt Zonderwijk.
Den genauen Umsatz von MWS hält Zonderwijk unter Verschluss. Dass das Geschäft floriert, zeigt jedoch das Investoreninteresse: 2022 holten die Brüder erste Anteilseigner an Bord, nachdem mehrere Risikokapitalgeber Interesse signalisiert hatten. Die Gründer halten nach wie vor deutlich mehr als 50 Prozent der Anteile.
Bob Zonderwijk wird die meisten WM-Spiele dennoch zu Hause verfolgen. Im Mai wurde er zum ersten Mal Vater – und möchte deshalb nicht viel reisen. Sein WM-Erlebnis: „Vor dem Fernseher, mit einem weinenden Baby im Arm."


