Massiver Datendiebstahl bei deutschen Banken
Hackerangriff auf Majorel enthüllt Ausmaß: Auch ICBC und weitere Banken betroffen

Nach einem Cyberangriff auf den Kontowechsel-Dienstleister Majorel ist das gesamte Ausmaß des Datenlecks nun ans Licht gekommen. Hacker haben insgesamt mehr als 144.000 Datensätze von einigen der größten deutschen Privatkundenbanken erbeutet. Die vertraulichen Informationen wurden von Cyberkriminellen im Darknet veröffentlicht und konnten vom Handelsblatt eingesehen werden.
Die am stärksten betroffene Bank ist die Deutsche-Bank-Tochter Postbank, bei der rund 60.444 Datensätze kompromittiert wurden. An zweiter Stelle steht die ING Deutschland mit etwa 17.129 gestohlenen Datensätzen, gefolgt von der Deutschen Bank selbst, von der 13.179 Kundendaten entwendet wurden. Auch die Direktbanktochter Norisbank ist mit 5.222 betroffenen Datensätzen in den Daten aufgeführt.
Der Angriff auf Majorel, ein Luxemburger Unternehmen, ereignete sich im vergangenen Sommer und wurde von der Hackergruppe Cl0p durchgeführt. Die deutsche Majorel-Tochter Kontowechsel24.de, die den Bankkunden den Wechsel ihrer Bank erleichtert, war ebenfalls von diesem Angriff betroffen. Die gestohlenen Daten umfassen eine Exceltabelle mit Informationen zu Aufträgen aus den Jahren 2016 bis 2020, darunter die Vor- und Nachnamen der Kunden sowie ihre neuen Kontonummern.
Kontowechsel24.de operiert im Auftrag von Geldinstituten, weshalb die Kunden normalerweise nicht wissen, wer ihren Kontowechsel organisiert. Allerdings wurden die betroffenen Verbraucher von ihren Banken über den Datenraub informiert.
Die Hackergruppe Cl0p, die hauptsächlich aus dem russischsprachigen Raum agiert, verfolgt ein Ransomware-Geschäftsmodell. Sie dringen in IT-Systeme ein, kopieren die Daten und fordern dann Lösegeld. Wenn die Opfer nicht zahlen, veröffentlichen die Cyberkriminellen die gestohlenen Informationen im Darknet. Cl0p wird auch mit früheren Angriffen auf britische Unternehmen wie British Airways, die Rundfunkanstalt BBC und die Einzelhandelskette Boots in Verbindung gebracht.
In den letzten Tagen wurde auch die chinesische Großbank ICBC Opfer einer Ransomware-Attacke. Dies führte zu erheblichen Störungen im Handel mit US-Anleihen. Die Hackergruppe Lockbit, die ebenfalls Verbindungen nach Russland aufweist, soll hinter diesem Angriff stecken. Lockbit behauptet, dass die ICBC nach dem Angriff Lösegeld bezahlt hat.
Ransomware-Angriffe auf Unternehmen nehmen weltweit zu und werden immer teurer für die Opfer. Im ersten Quartal 2023 stiegen die Angriffe im Vergleich zum Vorjahr um 143 Prozent, und die erpressten Lösegelder erreichten in der ersten Jahreshälfte fast 450 Millionen Dollar, fast so viel wie im gesamten Jahr 2022.
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Zur AktienanalyseDer Angriff auf Majorel nutzte eine Sicherheitslücke in der Software "Move it", von der weltweit Hunderte von Behörden und Unternehmen betroffen sind. Majorel bestätigte den Angriff Mitte Juni und gab an, dass die Lücke sofort geschlossen und alle notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden.
Darüber hinaus wurde nun bekannt, dass auch die Oldenburgische Landesbank (OLB) mit 9.744 Datensätzen, die GLS-Bank mit 1.706 Datensätzen und die österreichische Bank99 mit 18.835 Datensätzen von dem Datenleck betroffen sind. Während die GLS-Bank die Zahlen des Handelsblatts bestätigt hat, teilte ein Sprecher der ING lediglich mit, dass "eine niedrige fünfstellige Zahl an Kundendaten betroffen" sei. Der Verband der Sparda-Banken geht davon aus, dass "eine höhere vierstellige Zahl betroffener Kundinnen und Kunden" betroffen ist.


