Marktrücksetzer 2026: Sechs Aktien mehr als 25 Prozent unter Allzeithoch
Inmitten des Marktabschwungs 2026 bieten sechs Qualitätsaktien massive Abschläge – zwei gelten laut Analysen als lehrbuchmäßig unterbewertet.

Wer langfristig Vermögen aufbaut, kauft starke Unternehmen mit Abschlag – doch in der Praxis zögern die meisten Anleger genau dann, wenn die Kurse tief im Minus stehen. Diese Instinktlücke trennt erfolgreiche Langfristinvestoren von jenen, die nur von der Seitenlinie zuschauen. Aktuell, inmitten des breiten Marktrückgangs im Jahr 2026, notieren sechs namhafte Unternehmen mehr als 25% unter ihren Allzeithochs. Laut unabhängigen Analysen fallen zwei davon in einen Bereich, den Warren Buffett als „lehrbuchmäßig unterbewertet" bezeichnen würde.
Das Jahr 2026 war bisher ein volatiles, technologiegeprägtes Jahr für die Märkte. Oberflächlich betrachtet wirken die großen Indizes relativ ruhig, doch darunter haben viele Qualitätsaktien herbe Verluste erlitten. Anfang Juni verzeichnete der Nasdaq seinen schlimmsten Tagesverlust seit über einem Jahr – ein Minus von mehr als 4% –, ausgelöst durch Befürchtungen hinsichtlich der Nachfrage nach KI-Chips. Selbst an Tagen, an denen der S&P 500 mit einem Rekordhoch flirtete, notierte die durchschnittliche Aktie im Index zweistellig unter ihrem eigenen 52-Wochen-Hoch.
Der Haupttreiber war eine marktweite Neubewertung von allem, was mit massiven Ausgaben für die KI-Infrastruktur zusammenhängt – Chips, Rechenzentren und große Cloud-Anbieter. Die Anleger wurden nervös, dass sich diese KI-Kapitalausgaben nicht schnell genug auszahlen könnten, woraufhin eine Verkaufswelle folgte. Genau diese Angst hat die Tür für potenzielle Value-Chancen geöffnet.
Microsoft und Meta: Die Schwergewichte mit KI-Rückenwind
Microsoft (NASDAQ: MSFT) wird bei rund 390 US-Dollar gehandelt und liegt damit etwa 27% unter seinem Hoch vom Oktober 2025 von rund 538 US-Dollar. Der Hauptgrund ist der massive Investitionsschub: Microsoft hat für dieses Geschäftsjahr Kapitalausgaben in Höhe von rund 190 Milliarden US-Dollar angekündigt – ein Sprung von etwa 61% –, während steigende Preise für Speicherchips zusätzliche Kosten von geschätzten 25 Milliarden US-Dollar verursachen. Die Wall Street reagierte nervös auf diesen Mittelabfluss.
Die andere Seite der Bilanz sieht jedoch stark aus. Die Umsätze mit Azure und Cloud-Diensten wuchsen um rund 40%, und die Run-Rate der KI-Umsätze von Microsoft erreichte etwa 37 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 123% gegenüber dem Vorjahr. Microsoft wird derzeit mit dem etwa 21-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, nahe dem unteren Ende seiner historischen Spanne. Morningstar hat die Aktie mit fünf Sternen und dem Prädikat „erheblich unterbewertet" eingestuft, bei einer Fair-Value-Schätzung von nahezu 600 US-Dollar.
Meta Platforms (NASDAQ: Meta) erzählt eine ähnliche Geschichte. Bei rund 583 US-Dollar liegt der Kurs etwa 26% unter seinem Hoch vom August 2025 bei fast 787 US-Dollar. Meta hob seine Capex-Prognose für 2026 auf eine Spanne von 125 bis 145 Milliarden US-Dollar an – fast das Doppelte des Vorjahres. Dennoch bleibt das Kerngeschäft mit Werbung hochprofitabel: Der Umsatz im ersten Quartal 2026 wuchs um 33%, das operative Ergebnis stieg um 30% und die operative Marge lag bei 41%. Meta wird mit dem etwa 18-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Morningstar bewertet die Aktie mit vier Sternen als „moderat unterbewertet", mit einer Fair-Value-Schätzung nahe 850 US-Dollar.
Sowohl Microsoft als auch Meta investieren massiv in den Aufbau der KI-Infrastruktur, aber beide tun dies aus einer Position finanzieller Stärke und nicht aus Verzweiflung.
Nike und Lululemon: Konsumwerte mit tiefen Abschlägen
Nike (NYSE: NKE) notiert bei rund 44 US-Dollar – ein Rückgang von etwa 73% gegenüber seinem Allzeithoch von 2021 bei rund 179 US-Dollar. Der Rückgang wurde größtenteils durch die Schwäche in China vorangetrieben, wo die Umsätze um etwa 12% einbrachen, sowie durch eine langsamer als erhoffte Trendwende unter der neuen Führung. Erste Anzeichen für Fortschritte sind jedoch erkennbar: Der Umsatz in Nordamerika wuchs um etwa 3%, das Unternehmen übertraf im letzten Quartal die Gewinnerwartungen, und die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 stellt einen wichtigen Katalysator dar. Morningstar bewertet Nike mit vier Sternen als unterbewertet, wobei die Fair-Value-Schätzung mehr als doppelt so hoch ist wie der aktuelle Preis. Ein Vorbehalt: Ein Teil des Gewinnanstiegs im letzten Quartal resultierte aus einer einmaligen Zollerstattung, und die Prognose des Managements bleibt verhalten.
Lululemon (NASDAQ: LULU) ist nach traditionellen Bewertungskennzahlen einer der günstigsten Titel auf dieser Liste. Bei rund 118 US-Dollar liegt die Aktie etwa 77% unter ihrem Hoch von Ende 2023 bei fast 511 US-Dollar und wird nur mit dem 9- bis 10-fachen Gewinn gehandelt – weniger als die Hälfte des Multiplikators des S&P 500. Das Unternehmen hat seine Ganzjahresprognose gesenkt, Zölle setzen die Margen unter Druck und die Umsätze in Amerika waren mehrere Quartale lang schwach. Dennoch bleibt das zugrunde liegende Geschäft erstklassig: Bruttomargen von rund 55%, ein Nettoergebnis von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar, minimale Verschuldung und viel Spielraum für internationales Wachstum. Die Fair-Value-Schätzung von Morningstar liegt nahe 295 US-Dollar gegenüber einem aktuellen Preis von rund 118 US-Dollar.
Applied Digital und IREN: Spekulative KI-Infrastrukturwetten
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Zur AktienanalyseDiese beiden Namen repräsentieren die sogenannten „Schaufelverkäufer" des KI-Ausbaus – die Unternehmen, die die Rechenzentren und Rechenkapazitäten errichten, auf denen KI-Modelle laufen. Das potenzielle Aufwärtspotenzial ist groß, aber das Risiko ist es ebenfalls.
Applied Digital (NASDAQ: APLD) wird bei rund 34 US-Dollar gehandelt und liegt damit etwa 30% unter seinem Hoch vom Mai 2026 bei fast 50 US-Dollar. Das positive Szenario konzentriert sich auf seine Rolle beim Aufbau von KI-Rechenzentrumskapazitäten, einschließlich bedeutender Mietverträge mit CoreWeave und mehr als einem Gigawatt an vertraglich vereinbarter Kapazität. Das durchschnittliche Kursziel der Wall Street liegt bei rund 73 US-Dollar – mehr als das Doppelte des aktuellen Preises. Die Risikoseite ist jedoch erheblich: Das Unternehmen ist noch nicht profitabel und hat in einem einzigen Quartal rund 720 Millionen US-Dollar an Barmitteln verbraucht. Zudem konzentrieren sich etwa 69% der vertraglich vereinbarten Umsätze auf einen einzigen Kunden.
IREN (NASDAQ: IREN) notiert bei rund 39 US-Dollar, was einem Rückgang von fast 50% gegenüber seinem Hoch vom November 2025 bei rund 76 US-Dollar entspricht. Das Unternehmen begann als Bitcoin-Miner und richtet seine Infrastruktur nun auf KI-Cloud-Dienste aus, untermauert durch einen Nvidia-Cloud-Vertrag über 3,4 Milliarden US-Dollar. Die Aktie hat sich aufgrund mehrerer Faktoren in etwa halbiert: die Sorge, dass Metas Ausbau der eigenen KI-Cloud die Preise für kleinere Akteure unter Druck setzen könnte, eine große Aktienzuteilung an das Management, die auf Kritik der Aktionäre stieß, und die anhaltende Korrelation mit den Kursbewegungen von Bitcoin. Wie Applied Digital ist dies eine spekulative Position mit hoher Volatilität.
Ein sinnvoller Ansatz für diese sechs Titel ist das Denken in Kategorien, wobei die Positionsgröße an das Risiko angepasst wird. Microsoft und Meta stehen für solide Qualitätswerte mit KI-Rückenwind, Nike und Lululemon für Konsumwerte in der Trendwende, Applied Digital und IREN für hochspekulative Infrastrukturwetten. Das Buffett-Prinzip bleibt dabei der rote Faden: Was man für eine Aktie bezahlt und was sie tatsächlich wert ist, sind zwei verschiedene Dinge – und in der Lücke zwischen Preis und innerem Wert liegt die Chance.


