Märkte unter Druck: Ölpreisschock und Big-Tech-Cash-Burn erschüttern Anleger
Europäische und US-Aktien gaben deutlich nach, während Ölpreise über 100 Dollar schossen und Tech-Giganten Milliarden verbrennen.

Europäische und US-amerikanische Aktienmärkte standen am Donnerstag massiv unter Druck. Der Anstieg des Ölpreises über die Marke von 100 Dollar pro Barrel sowie alarmierende Quartalszahlen zweier US-Technologiegiganten sorgten für erhebliche Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten.
Der S&P 500 verlor 1,2 Prozent, der technologielastige Nasdaq gab sogar 2,2 Prozent nach. In Europa büßte der breite Markt 1,3 Prozent ein, britische Aktien verloren 0,7 Prozent. Einzig asiatische Märkte zeigten sich widerstandsfähiger: Südkorea legte 4 Prozent zu, Japan immerhin 0,5 Prozent.
Alphabet und Tesla verbrennen Barmittel in alarmierendem Tempo
Besonders hart traf es die sogenannten „Magnificent 7"-Aktien sowie zyklische Konsumgütertitel, die zusammen rund 5 Prozent verloren – der stärkste Rückgang seit April des Vorjahres. Tesla brach um 15 Prozent ein, T-Mobile verlor 11 Prozent, Alphabet gab 7 Prozent nach und Amazon fiel um 5 Prozent. Nach Börsenschluss sorgten hingegen Lockheed Martin (+10 Prozent) und Intel (+12 Prozent) für positive Überraschungen.
Der Grund für den Tech-Ausverkauf liegt in den Quartalsergebnissen von Alphabet und Tesla, die nach Börsenschluss am Mittwoch veröffentlicht wurden. Beide Konzerne wiesen erstmals seit Jahren einen negativen freien Cashflow aus. Bei Alphabet war dies sogar das erste Mal seit dem Börsengang vor mehr als 20 Jahren. Tesla verzeichnete erstmals seit zwei Jahren einen negativen freien Cashflow. Einst für ihre hohen Margen und sprudelnden Barmittelzuflüsse bekannt, sind die Tech-Riesen nun auf Schulden und Aktienverkäufe angewiesen, um ihre massiven KI-Investitionen zu finanzieren. Die KI-Ausgaben der Branche sollen in diesem Jahr voraussichtlich 700 Milliarden Dollar überschreiten. Nächste Woche legen Microsoft, Meta Platforms und Amazon ihre Ergebnisse vor.
Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs – Zinsdruck wächst
Parallel zum Aktienmarkt brachen die Kurse von Staatsanleihen ein. Die Renditen für 2- und 10-jährige US-Anleihen markierten ein 18-Monats-Hoch, die 30-jährige Rendite nähert sich dem höchsten Stand seit 2007. Die reale Rendite der 30-jährigen US-Anleihen liegt bei fast 3 Prozent – der höchste Wert seit 2008. Zinshändler preisen nun Fed-Zinserhöhungen im Umfang von 60 Basispunkten bis April ein.
Auch am Devisenmarkt gab es markante Bewegungen: Der Dollar schoss gegenüber dem Yen in Richtung 164,00 – ein neues 40-Jahres-Hoch. Der Euro fiel auf ein Drei-Wochen-Tief, nachdem die Europäische Zentralbank ihre Zinsen unverändert ließ. Der südafrikanische Rand war mit einem Minus von 3 Prozent die weltweit schwächste Währung des Tages, ebenfalls nach einer unveränderten Zinsentscheidung der dortigen Zentralbank.
EZB hält Zinsen stabil – September-Schritt gilt als wahrscheinlich
Die Europäische Zentralbank ließ die Zinssätze am Donnerstag unverändert, signalisierte jedoch, dass eine Anhebung bei der nächsten Sitzung im September möglich sei. EZB-Präsidentin Christine Lagarde merkte an, dass ein Zinsschritt bereits heute diskutiert worden sei und das volle Ausmaß des laufenden Ölpreisschocks noch nicht vollständig spürbar sei. Zinshändler preisen eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für eine weitere EZB-Zinserhöhung im September ein und erwarten insgesamt eine Straffung um rund 75 Basispunkte im nächsten Jahr.
Die Lage in Europa wird zusätzlich durch die Energiepreise verschärft: Europäische Erdgaspreise sind im letzten Monat um 60 Prozent gestiegen und erreichten am Donnerstag den höchsten Stand seit kurz nach Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran.
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Zur AktienanalyseRobuste US-Wirtschaft gibt der Fed Spielraum
Trotz der Marktturbulenzen zeigt sich die US-Wirtschaft robust. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen in der vergangenen Woche auf 187.000 – den niedrigsten Stand seit dem Sommer 1969. Dies gibt der US-Notenbank Fed weiteren Spielraum für Zinserhöhungen, belastet jedoch gleichzeitig Verbraucher und Unternehmen. Benzin kostet in den USA bereits mehr als 4 Dollar pro Gallone, und die Zinsen für 30-jährige Hypotheken sind so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr – beide Größen steigen weiter an.
Am Freitag richten sich die Blicke der Märkte auf die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Japan, die Eurozone, Großbritannien und die USA für Juli sowie auf eine Rede von EZB-Chefökonom Philip Lane. Zudem legen American Express und Verizon ihre Quartalszahlen vor.


