Market-Timing am Aktienmarkt: Warum nur 94 Tage alles entscheiden
Eine Analyse zeigt: Nur 94 von über 25.000 Handelstagen seit 1928 machen den gesamten Unterschied beim S&P 500.

Wer versucht, den perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt am Aktienmarkt zu finden, riskiert mehr als nur entgangene Gewinne. Eine aktuelle Analyse verdeutlicht mit eindrucksvollen Zahlen, warum Market-Timing selbst für erfahrene Anleger eine der gefährlichsten Strategien überhaupt ist.
Seit Anfang 1928 bis zum 12. August dieses Jahres gab es insgesamt 25.853 Handelstage am US-Aktienmarkt. Davon waren lediglich 94 Tage – das entspricht gerade einmal 0,36 Prozent aller Handelstage – für die gesamte positive Nettorendite des S&P 500 verantwortlich. Das bedeutet im Durchschnitt weniger als einen entscheidenden Tag pro Jahr über einen Zeitraum von fast einem Jahrhundert.
Die Konsequenz dieser Zahl ist verblüffend: Hätte ein Anleger diese 94 besten Handelstage verpasst, würde der S&P 500 heute nicht bei rund 7.800 Punkten stehen, sondern wäre auf dem Niveau des Jahresanfangs 1928 – bei lediglich 17,76 Punkten. Die gesamte Kursentwicklung von fast einem Jahrhundert wäre damit ausgelöscht.
Zwei Emotionen, die Anleger in die Falle locken
Hinter dem Drang zum Market-Timing stecken meist zwei gegensätzliche, aber gleichermaßen gefährliche Emotionen: die „Angst, etwas zu verpassen" – im Englischen als FOMO (Fear of Missing Out) bekannt – und die „Angst vor dem Markthoch". Beide können Anleger zu Fehlentscheidungen verleiten, die langfristig erheblichen Schaden anrichten.
Wer aus Angst vor einem Kursrückgang zu früh aus dem Markt aussteigt, läuft Gefahr, genau jene wenigen, aber entscheidenden Handelstage zu verpassen, an denen der Markt besonders stark zulegt. Denn die stärksten Kursgewinne treten häufig in turbulenten Marktphasen auf – also genau dann, wenn viele Anleger bereits verkauft haben oder zögern, wieder einzusteigen.
Was die Zahlen für deutsche Privatanleger bedeuten
Für deutsche Privatanleger, die häufig in ETFs oder Indexfonds auf den S&P 500 investieren, ist diese Erkenntnis besonders relevant. Der S&P 500 gilt als einer der wichtigsten Aktienindizes der Welt und ist Bestandteil vieler gängiger Weltportfolios. Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass eine Buy-and-Hold-Strategie – also das langfristige Halten von Positionen ohne aktives Handeln – historisch betrachtet dem aktiven Markttiming überlegen ist.
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Zur AktienanalyseDie Analyse zeigt zudem, wie asymmetrisch Renditen an der Börse verteilt sind. Nicht gleichmäßig über alle Handelstage verteilt, sondern konzentriert auf eine verschwindend geringe Anzahl von Ausnahmetagen, entsteht der Großteil des Börsenerfolgs. Diese Erkenntnis ist zwar in Fachkreisen bekannt, wird aber von vielen Anlegern in ihrer Tragweite unterschätzt.
- Nur 94 von 25.853 Handelstagen (0,36 %) sind für die gesamte positive Nettorendite verantwortlich
- Ohne diese Tage: S&P 500 bei 17,76 statt rund 7.800 Punkten
- Im Schnitt weniger als ein entscheidender Tag pro Jahr seit 1928
- Sowohl FOMO als auch die Angst vor Markthochs können zu Fehlentscheidungen führen
Die Botschaft für Anleger ist klar: Wer versucht, den Markt zu timen, geht ein erhebliches Risiko ein, die wenigen, aber entscheidenden Handelstage zu verpassen – mit langfristig gravierenden Folgen für die Gesamtrendite des Portfolios.


