Marinas als Investmentklasse: Private Equity entdeckt Yachthäfen
CVC, Blackstone und Stonepeak investieren Milliarden in Yachthäfen – eine neue, renditestarke Infrastruktur-Assetklasse entsteht.

Yachthäfen gelten in der Finanzwelt zunehmend als attraktive Infrastrukturinvestments. Im vergangenen Monat einigte sich der Private-Equity-Riese CVC darauf, die Marina-Gruppe D-Marin für rund 1 Milliarde Euro an die französische Beteiligungsgesellschaft InfraVia zu verkaufen. Auch die Konkurrenten Stonepeak und Blackstone haben ähnliche Deals abgeschlossen – ein klares Signal, dass Liegeplätze für Yachten zur begehrten Assetklasse avanciert sind.
Der Trend spiegelt einen breiteren Wandel im Infrastruktur-Investmentbegriff wider. Galten früher Straßen, Eisenbahnen, Brücken und Kraftwerke als klassische Infrastruktur, zählen heute alle Vermögenswerte dazu, die nur geringem Wettbewerb ausgesetzt sind, verlässliche Cashflows liefern und laufende Investitionen erfordern – von Chipfabriken und Krematorien bis hin zu Hühnerfarmen und Satellitenkonstellationen. Marinas erfüllen diese Kriterien in besonderem Maße.
Knappes Gut mit stabilen Einnahmen
Der entscheidende Vorteil von Yachthäfen liegt in ihrer strukturellen Knappheit. Küstenlinien sind endlich, Baugenehmigungen schwer zu bekommen. Jährlich werden laut McKinsey-Schätzungen rund 6.500 neue Yachten ausgeliefert, während neue Marinas – deren Realisierung fünf bis zehn Jahre dauern kann – im Schnitt lediglich 300 neue Liegeplätze beisteuern. Das Ergebnis ist ein chronischer Mangel an Liegeplätzen, der die Preise stabil hält.
Auch der Cashflow überzeugt Investoren. Bootsbesitzer benötigen in guten wie in schlechten Zeiten einen sicheren Liegeplatz für ihr Schiff. Während der Pandemie stieg die Nachfrage nach Booten sogar an, da wohlhabende Konsumenten ihren Wohnzimmern entfliehen wollten – ein Beleg für die Krisenresistenz des Segments.
Für Private-Equity-Gesellschaften bieten Marinas zudem erhebliches Optimierungspotenzial. Mögliche Hebel sind unter anderem:
- Verdichtung der Liegeplätze
- Hinzufügen von Restaurants und Lounges
- Einführung gestaffelter Preismodelle
- Zusatzservices wie Bootsreinigung
- Netzwerk-Abonnements, die Seglern Liegeplätze in allen Marinas eines Betreibers garantieren
Durch die Bündelung mehrerer Standorte können Betreiber zudem Verhandlungsmacht bei Ausrüstern wie Bootsliften und Fenderherstellern gewinnen.
Bewertungen steigen deutlich
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie wachsende Beliebtheit schlägt sich in den Preisen nieder. Blackstone zahlte beim Kauf von Safe Harbor etwa das 21-Fache der sogenannten „Funds from Operations" (FFO) – eine im Immobilienbereich gängige Cashflow-Kennzahl. Das entspricht etwa dem Doppelten dessen, was Sun Communities fünf Jahre zuvor für dasselbe Unternehmen bezahlt hatte. Einzelne Marina-Objekte wechseln laut Branchenkennern mittlerweile für rund 15 Prozent mehr den Besitzer als noch vor fünf Jahren.
Trotz der gestiegenen Bewertungen bleibt das Konsolidierungspotenzial enorm. Ähnlich wie bei Self-Storage-Lagern, Campingplätzen oder Wohnmobil-Parks ist der Markt für Yachthäfen nach wie vor stark fragmentiert. Rund 95 Prozent der weltweiten Marinas befinden sich noch immer in den Händen von Einzelpersonen, Familien oder staatlichen Stellen – ein breites Feld für weitere Übernahmen.
Da die Reichen reicher und die Yachten größer werden, erscheinen Marinas als logische Erweiterung des Infrastruktur-Investmentthemas – mit dem Zusatzbonus einer deutlich attraktiveren Aussicht als ein Autobahnabschnitt oder ein Umspannwerk.


