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Margin-Verschuldung steigt 40% – Warnsignal für den Aktienmarkt

Wertpapierkredite erreichen 1,4 Billionen Dollar – ein Niveau, das historisch nur bei großen Markthöchstständen beobachtet wurde.

Margin-Verschuldung steigt 40% – Warnsignal für den Aktienmarkt

Die Wertpapierkredite (Margin Debt) an den US-Börsen sind in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 40 Prozent gestiegen. Damit haben sie Niveaus erreicht, die zuvor nur bei den großen Markthöchstständen der Jahre 2000, 2007 und 2021 beobachtet wurden. Das geht aus Daten der Leuthold Group hervor, einem renommierten US-amerikanischen Finanzforschungsunternehmen.

Laut aktuellen Daten der US-Finanzmarktaufsicht Finra beliefen sich die Wertpapierkredite im Mai – dem jüngsten verfügbaren Monat – auf 1,4 Billionen US-Dollar. Bei Margin Debt handelt es sich um Gelder, die sich Anleger von ihren Brokern leihen, um damit Aktien zu kaufen, wobei bestehende Wertpapiere als Sicherheit dienen. Dieser Kreditmechanismus erhöht zwar die Kaufkraft und damit potenzielle Gewinne, kann im Verlustfall jedoch auch die Einbußen erheblich vergrößern.

Wachstum übertrifft den S&P 500 deutlich

Besonders auffällig ist das Tempo des Anstiegs im Vergleich zur Marktentwicklung selbst. Der S&P 500 erzielte im vergangenen Jahr einschließlich reinvestierter Dividenden eine Rendite von rund 22 Prozent – also etwa die Hälfte der Wachstumsrate der Wertpapierverschuldung. Das bedeutet: Anleger nehmen deutlich mehr Kredit auf, als es die Marktperformance allein rechtfertigen würde.

Die Leuthold Group warnt in ihrer Analyse unmissverständlich: „Das heutige absolute Wachstum der Wertpapierkredite von 54% und das übermäßige Wachstum der Wertpapierverschuldung von 26% in den letzten 12 Monaten übersteigen beide die historischen Schwellenwerte unserer Studie." Das Unternehmen ergänzt, dass historisch gesehen „keine der beiden Reihen viel Zeit oberhalb dieser Schwelle verbringt" – ein deutlicher Hinweis auf die Ausnahmenatur der aktuellen Situation.

Historisch betrachtet sind die Renditen des S&P 500 immer dann gesunken, wenn das Wachstum der Wertpapierverschuldung ähnliche Niveaus wie heute erreichte – und zwar gemessen über einen Zeitraum von einem Jahr. Die drei Vergleichsjahre 2000, 2007 und 2021 stehen dabei für besonders markante Wendepunkte an den Finanzmärkten: Auf den Dotcom-Boom folgte der Crash der New Economy, auf 2007 die globale Finanzkrise und auf 2021 ein deutlicher Bärenmarkt im Jahr 2022.

Spekulative ETFs als weiteres Warnsignal

Die gestiegene Risikobereitschaft der Anleger zeigt sich nicht nur bei den Wertpapierkrediten. Auch das Wachstum spekulativer, gehebelter ETFs hat zuletzt stark zugenommen. In zwei Monaten des vergangenen Frühjahrs hat sich das verwaltete Vermögen in diesen Fonds nahezu verdoppelt – ein weiteres Indiz dafür, dass Anleger zunehmend auf Hebelprodukte setzen, um von Marktbewegungen überproportional zu profitieren.

Für deutsche Privatanleger ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Zum einen sind viele hiesige Depots über globale Fonds und ETFs direkt am US-Markt investiert. Zum anderen zeigt die Geschichte, dass eine übermäßige Kreditfinanzierung von Aktienkäufen in der Vergangenheit stets ein Vorbote erhöhter Marktvolatilität war. Steigen die Kurse nicht weiter, können Margin Calls – also Nachschusspflichten – zu erzwungenen Verkäufen führen und Kursrückgänge beschleunigen.

Die aktuellen Daten liefern damit ein klares Signal: Die Risikobereitschaft an den Märkten ist auf einem historisch erhöhten Niveau. Ob daraus tatsächlich eine Korrektur folgt, bleibt offen – die historischen Parallelen mahnen jedoch zur Vorsicht.

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