Macron und Modi buhlen persönlich um KI-Investitionen globaler Tech-Konzerne
Frankreich und Indien intensivieren ihre Charmeoffensiven gegenüber Tech-CEOs, um Milliarden für KI-Infrastruktur zu sichern.

Frankreich und Indien kämpfen im globalen KI-Wettlauf um Anschluss an die USA und China. Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Narendra Modi setzen dabei auf eine ungewöhnliche Strategie: persönliche Beziehungen zu den mächtigsten Tech-CEOs der Welt. Beide Staatschefs haben ihre Bemühungen in diesem Jahr deutlich intensiviert, um Investitionen in KI-Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und Chipproduktion zu sichern.
Was sie dabei von anderen Ländern unterscheidet, ist der direkte, persönliche Ansatz. Während viele Regierungen auf bürokratische Wege setzen, pflegen Macron und Modi aktiv den persönlichen Kontakt zu Entscheidungsträgern der größten Technologiekonzerne der Welt – mit messbaren Ergebnissen.
Macrons Coup: SoftBank investiert 75 Milliarden Euro in Frankreich
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert Macrons Umgang mit SoftBank-Chef Masayoshi Son. Der französische Präsident bat bereits zwei Monate vor der offiziellen Ankündigung um ein persönliches Treffen, um Son von einem Großinvestment in Frankreich zu überzeugen. Laut einem CNBC-Interview tauschten die beiden sogar Textnachrichten aus, während sie die Details des Projekts ausarbeiteten.
Das Ergebnis: Im Mai kündigte SoftBank an, bis 2031 KI-Rechenzentren mit einer Kapazität von 3,1 GW in Frankreich zu bauen – als Teil eines 75-Milliarden-Euro-Programms zur Bereitstellung von insgesamt 5 GW KI-Rechenzentrumskapazität. Macron hatte dabei gezielt auf Frankreichs Stärken hingewiesen, insbesondere auf die Stromkapazitäten des Landes, das einen Großteil seines Stroms aus Kernkraft bezieht. Er sagte Son zudem zu, das Projekt auf 3 GW auszuweiten – mehr als die ursprünglich vorgeschlagenen 2 GW. „Sein Team, das Regierungsteam, ist sehr unterstützend", sagte Son über die Zusammenarbeit. „Sein Team und unser Team arbeiten sehr gut zusammen."
Darüber hinaus lud Macron beim G7-Gipfel im Juni, dessen Gastgeber Frankreich war, führende KI-Chefs zu einem Arbeitsessen mit Staats- und Regierungschefs ein. Mit dabei waren unter anderem Sam Altman von OpenAI, Dario Amodei von Anthropic und Demis Hassabis von Google DeepMind. Auch Vertreter europäischer KI-Unternehmen wie Arthur Mensch von Mistral (Frankreich), Robin Rombach von Black Forest Labs (Deutschland) und Victor Riparbelli von Synthesia (Großbritannien) nahmen teil.
Modi sichert sich Hunderte Milliarden für Indiens KI-Ambitionen
Auch Indien verfolgt eine aggressive Investitionsstrategie. Modi traf sich vergangenen Donnerstag mit Amazon-CEO Andy Jassy und begrüßte eine „Rekord-Investition von 48 Milliarden Dollar" des US-Konzerns in Indien, wovon 21 Milliarden Dollar in KI- und Cloud-Infrastruktur fließen werden. Im vergangenen Jahr traf Modi zudem Microsoft-Chairman Satya Nadella, Google-CEO Sundar Pichai und Intel-CEO Lip-Bu Tan – alle verpflichteten sich, den Aufbau des indischen KI-Ökosystems zu unterstützen.
Beim Global AI Summit in Indien Anfang des Jahres warb Modi mit klaren Worten um globale Tech-Investoren: „Indien sieht keine Angst in der KI. Indien sieht Chancen in der KI. Indien sieht die Zukunft in der KI." Er forderte globale Tech-Führer auf, in Indien zu entwickeln, um die Welt zu beliefern. Die Zusagen beim Gipfel beliefen sich auf Hunderte Milliarden US-Dollar für indische KI-Bestrebungen.
Monate zuvor hatte Indien bereits Microsofts größte Investition in Asien gesichert. Google kündigte zudem eine Investition von 15 Milliarden Dollar an, um das weltweit größte KI-Zentrum des Unternehmens außerhalb der USA in Indien aufzubauen. Um Hyperscaler zum Bau von KI-Rechenzentren zu bewegen, bietet Modis Regierung langfristige Steuervergünstigungen an.
Indiens strukturelle Schwäche im KI-Rennen
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Zur AktienanalyseTrotz der beeindruckenden Investitionszusagen steht Indien vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Das Land produziert bisher weder modernste Chips im Inland, noch verfügt es über ein Basismodell, das mit führenden US-amerikanischen oder chinesischen Modellen vergleichbar wäre. Indien gilt daher weithin als Nachzügler im globalen KI-Wettlauf.
Die starke Abhängigkeit von ausländischen KI-Modellen und Computer-Hardware macht Indiens KI-Ambitionen anfällig für Exportkontrollrichtlinien anderer Länder. Die jüngste weltweite Rallye bei KI-Aktien ist an Indien aufgrund des Mangels an groß angelegten KI-Akteuren weitgehend vorbeigegangen – was Modis Dringlichkeit, Kapital und Technologie ins Land zu holen, umso deutlicher macht.
Schritte in Richtung eigener Halbleiterproduktion werden dennoch unternommen: Während Modis Besuch in den Niederlanden im Mai erklärte ASML, fortschrittliche Lithografiesysteme für die 300-mm-Halbleiterfabrik des indischen Unternehmens Tata Electronics zu liefern. Intel-Chef Lip-Bu Tan unterzeichnete zudem als potenzieller Abnehmer für Chips von Tata Electronics. Lokale Unternehmen werden von der Regierung aktiv ermutigt, Halbleiter im Land zu entwickeln.


