Macquarie Group: Wie der neue CEO die „Millionärsschmiede" umgestaltet
Greg Ward übernimmt im November das Steuer bei Macquarie – und bringt eine ungewöhnliche Perspektive aus dem Privatkundengeschäft mit.

Die australische Macquarie Group steht vor einem Führungswechsel mit weitreichenden Implikationen. Shemara Wikramanayake tritt im November nach acht Jahren als Vorstandsvorsitzende in den Ruhestand. Ihr Nachfolger wird Greg Ward, der bisherige Leiter der Sparte Banking and Financial Services – und damit der fünfte CEO in der Geschichte des Unternehmens seit seiner Gründung im Jahr 1985.
Ward ist ein 30-jähriger Macquarie-Veteran, der das inländische Bankgeschäft des Konzerns zu einer bemerkenswerten Wachstumsgeschichte geformt hat. Unter seiner Führung gewann die Sparte mit rein digitalen Einlagen und einem wachsenden Kreditgeschäft erhebliche Marktanteile von den sogenannten „Big Four"-Banken Australiens – insbesondere auf dem bedeutenden australischen Hypothekenmarkt. Dass der Konkurrent HSBC kürzlich sein australisches Hypothekenportfolio an Blackstone verkaufte und sein verbleibendes Privatkundengeschäft abwickelt, unterstreicht Macquaries Erfolg in diesem Segment.
Die Ernennung Wards ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Weder stammt er aus der global tätigen Asset-Management-Sparte, aus der Wikramanayake befördert wurde, noch aus dem Investmentbanking, das ihr Vorgänger Nicholas Moore leitete. Auch die Rohstoff- und Handelssparte, die in den vergangenen Jahren Rekordgewinne einfuhr, ist nicht sein Heimatbereich.
Vom Bankgeschäft zur globalen Expansion
Macquarie ist in Australien als „The Millionaires' Factory" bekannt – ein Spitzname, der die üppigen Vergütungen und den Erfolg des Hauses widerspiegelt. Das Unternehmen geht auf den Sydneyer Ableger der britischen Investmentbank Hill Samuel zurück, der sich 1985 von seiner Muttergesellschaft trennte und in Macquarie Bank Limited umbenannte. Der Name ist eine Hommage an Gouverneur Lachlan Macquarie, der Australiens erste Bank gründete und den sogenannten „Holey Dollar" schuf – die erste geprägte Münze im heutigen Australien, die bis heute als Logo des Unternehmens dient.
Heute erwirtschaftet Macquarie zwei Drittel seines Umsatzes außerhalb Australiens. Das Unternehmen bezieht den Großteil seiner Erträge aus dem Asset Management, der M&A-Beratung sowie dem Rohstoff- und Handelsgeschäft. 2007 stellte sich der Konzern als nicht-operative Holdinggesellschaft namens Macquarie Group neu auf und ist inzwischen zu einem globalen Imperium mit einem Wert von fast 100 Milliarden Australischen Dollar (rund 70 Milliarden US-Dollar) herangewachsen.
Parallel zur Hauptversammlung stellte Macquarie auch William Vereker als neues Mitglied des Aufsichtsrats vor. Vereker bringt jahrzehntelange Erfahrung im europäischen Bankwesen mit – unter anderem bei JPMorgan, UBS, Santander, Schroders, Lehman Brothers und Nomura – sowie eine kurze Tätigkeit als Wirtschaftsbeauftragter der ehemaligen britischen Premierministerin Theresa May.
Kein Rückzug ins australische Schneckenhaus
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Zur AktienanalyseEinige Analysten und Kommentatoren spekulierten, Wards Ernennung könnte einen strategischen Rückzug auf den australischen Heimatmarkt signalisieren. Insider des Unternehmens weisen diese Einschätzung jedoch entschieden zurück. Sie verweisen auf die 14 Jahre, in denen Ward als Finanzvorstand die rasante internationale Expansion von Macquarie nach Asien und Europa begleitete, als Beleg dafür, dass der Konzern seinen globalen Kurs beibehält.
Allerdings gibt es auch nüchterne Zahlen zu berücksichtigen: Die Sparte Banking and Financial Services erzielte im Geschäftsjahr bis März zwar ein Nettogewinnwachstum von 17 Prozent – die anderen Sparten wuchsen jedoch zwischen 27 und 49 Prozent. Wards Aufgabe wird es sein, seine Ära zu definieren, indem er die nächste Generation von Führungskräften stärkt und neue Wachstumschancen erschließt.
Das jüngste Wachstum des Konzerns wurde durch globale Energiehandelsplattformen, asiatische Projekte für erneuerbare Energien und das Privatkundengeschäft als Herausforderer-Bank vorangetrieben. Woher die nächsten großen Wachstumschancen kommen werden, um den Fluss der „Holey Dollars" aufrechtzuerhalten, bleibt offen – Macquarie-Insider betonen jedoch, dass sie von überall her kommen könnten.


