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Lufthansa untersucht Nazi-Vergangenheit: Zwangsarbeit im Fokus

Konzern beauftragt neue Studie zur Aufarbeitung der Rolle im Dritten Reich und Ausbeutung Tausender Zwangsarbeiter.

Lufthansa untersucht Nazi-Vergangenheit: Zwangsarbeit im Fokus

Die Deutsche Lufthansa AG stellt sich erneut ihrer dunklen Vergangenheit. Vorstandschef Carsten Spohr kündigte eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung der Unternehmensgeschichte während der NS-Zeit an. Im Mittelpunkt steht die systematische Ausbeutung Tausender Zwangsarbeiter, darunter auch Kinder ab zwölf Jahren.

Die bisherige Forschung zeichnet ein eindeutiges Bild: Die damalige "Luft Hansa" förderte aktiv den Aufstieg der Nationalsozialisten, profitierte massiv vom Regime und war tief in Kriegsführung und Zwangsarbeit verstrickt. "Es war ein Unternehmen des Nationalsozialismus", stellt Manfred Grieger, Honorarprofessor an der Universität Göttingen, unmissverständlich fest.

Die neue Studie soll 2027 vorgelegt werden und erscheint zeitgleich mit einem wissenschaftlichen Jubiläumsband zum 100-jährigen Bestehen. Andrea Schneider-Braunberger von der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte lobt, dass sich Lufthansa "früh, lange und jetzt nochmal dem Thema" stelle.

Verschleppte Aufarbeitung über Jahrzehnte

Die Aufarbeitung verlief allerdings keineswegs geradlinig. Zum 75. Jubiläum 1999 feierte Lufthansa noch mit einer Modenschau historischer Uniformen. Ein bereits fertiges Gutachten des Bochumer Historikers Lutz Budrass über Zwangsarbeit wurde damals zurückgehalten und erst 2016 kommentarlos in einem Bildband veröffentlicht.

Budrass legte daraufhin 2016 eine umfassende wissenschaftliche Studie vor - ohne Unterstützung der Lufthansa AG und ohne Zugang zum Unternehmensarchiv. Die neue Forschung von Grieger räumt ein, "nicht so schrecklich viel Neues" gegenüber Budrass' Arbeit hervorgebracht zu haben.

Von Göring-Zahlungen bis Legion Condor

Die 1926 gegründete "Luft Hansa" sollte die nach dem Ersten Weltkrieg verbotene deutsche Luftwaffe verdeckt ersetzen. Das größtenteils staatliche und hochsubventionierte Unternehmen zahlte laut dem britischen Historiker Harold James bereits in den 1920er-Jahren Abgeordnete für ihre Interessen - darunter Hermann Göring.

Die Verstrickung vertiefte sich systematisch: 1932 organisierte Lufthansa gegen Bezahlung Adolf Hitlers öffentlichkeitswirksame Wahlkampfflüge. Beim Militärputsch in Spanien 1936 verlegte das Unternehmen Francos Truppen per Luftbrücke. Die berüchtigte "Legion Condor", mit der Nazi-Deutschland Franco unterstützte, wurde unter Lufthansa-Beteiligung organisiert.

Im Zweiten Weltkrieg verdiente das Unternehmen an Reparaturen für die Luftwaffe und beschäftigte dafür Tausende Zwangsarbeiter. Bei der Neugründung 1955 übernahmen alte Manager wieder tragende Rollen.

Bedeutung für heutige Aktionäre

Vorstandschef Spohr, seit 2014 im Amt, bezeichnet sich als "Nachfolger derer, die das verantwortet haben". Die Aufarbeitung könnte für Investoren relevant werden, da moderne ESG-Kriterien zunehmend auch die historische Verantwortung von Unternehmen bewerten. Lufthansa-Aktien (ISIN: DE0008232125) notieren aktuell an der Frankfurter Börse und sind im MDAX gelistet.

Historiker Grieger betont, es gebe keine "eindimensionale Kontinuität" zwischen der untergegangenen "Luft Hansa" und der 1955 neu gegründeten "Lufthansa". Die rechtliche und moralische Bewertung dieser Aussage dürfte Teil der neuen Forschung sein.

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