Lufthansa: Kerosinkosten und Streiks drücken Gewinn um 56 Prozent
Teures Kerosin und Pilotenstreiks belasten Lufthansa massiv – der operative Gewinn bricht im zweiten Quartal dramatisch ein.

Der Lufthansa-Konzern hat einen schwachen Frühsommer hinter sich. Hohe Kerosinpreise infolge des Iran-Krieges und Streiks des eigenen Kabinenpersonals haben das Ergebnis des MDax-Unternehmens erheblich belastet. Der bereinigte operative Gewinn im zweiten Quartal brach um 56 Prozent auf lediglich 383 Millionen Euro ein – trotz gestiegener Ticketpreise.
Besonders schmerzhaft: Die Mehrkosten für Flugtreibstoff beziffert der Konzern auf 750 Millionen Euro allein im zweiten Quartal. Das gilt, obwohl Lufthansa mehr als 80 Prozent seines Kerosinbedarfs über Finanzprodukte abgesichert hatte. Die Streiks der Spartengewerkschaften rund um die 100-Jahr-Feier im April schlugen zusätzlich mit rund 150 Millionen Euro zu Buche.
Prognose deutlich nach unten korrigiert
Vorstandschef Carsten Spohr musste die Jahresprognose spürbar anpassen. Statt den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro beim bereinigten Betriebsgewinn „deutlich" zu übertreffen, nennt der Konzern nun eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro – ein Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahr ist damit ausdrücklich möglich. An den Börsen reagierten Anleger prompt: Die Lufthansa-Aktie gab nach Bekanntgabe der Zahlen zunächst stark nach.
Finanzchef Till Streichert erklärte, dass die höheren Kerosinkosten zu etwa 60 Prozent durch gestiegene Ticketpreise aufgefangen werden konnten. Auch in der zweiten Jahreshälfte sollen die Preise weiter steigen. Allerdings buchten Kunden zunehmend kurzfristiger, was die Planbarkeit erschwert.
Konzernchef Spohr zeigte sich dennoch zuversichtlich, was die Nachfrage betrifft: „Die Menschen wollen fliegen, und sie können es sich auch zu höheren Preisen leisten." Reisen sei weniger preissensibel als die Branche möglicherweise gedacht habe, so Spohr.
Kerosinversorgung stabilisiert sich
Auf der Kostenseite gibt es immerhin etwas Entlastung. Die nach Kriegsbeginn angespannte Versorgungslage beim Flugtreibstoff habe sich in den vergangenen Wochen normalisiert, so Spohr. Raffinerien hätten ihre Kapazitäten erhöht, neue Lieferketten etwa aus Nigeria seien etabliert worden. Das Risiko von Flugausfällen wegen Kerosinmangels habe sich weiter reduziert. Für das Gesamtjahr rechnet Lufthansa nun mit Treibstoffkosten von 8,7 Milliarden Euro – rund 200 Millionen Euro weniger als noch im Mai erwartet.
Einen unerwarteten Vorteil brachte der Iran-Krieg dem Konzern ebenfalls: Arabische Wettbewerber wie Emirates oder Qatar Airways mussten ihre Drehkreuze am Persischen Golf zeitweise schließen. Inzwischen seien die Golf-Airlines jedoch „wieder alles in der Luft" und agierten mit Kampfpreisen, warnte Spohr.
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Zur AktienanalyseTöchter und Strategie: Langstrecke im Fokus
Positive Akzente setzten die Konzerntöchter für Technik und Fracht, die erneut solide Ergebnisbeiträge lieferten. Europäische Konkurrenten wie Air France-KLM und IAG mit British Airways meldeten geringere Gewinneinbußen als Lufthansa.
Strategisch will der Konzern künftig vor allem auf der Langstrecke wachsen. Das Europaangebot soll um ein weiteres Prozent reduziert werden. Im laufenden Jahr stagniert das Gesamtangebot – ursprünglich hatte der Vorstand ein Wachstum von bis zu 4 Prozent in Aussicht gestellt. Im Zuge der Streiks hatte Lufthansa die Regionaltochter Lufthansa Cityline früher als geplant eingestellt und damit rund 20.000 Europaflüge aus dem Sommerflugplan gestrichen.


