Lufthansa-Jubiläum im Schatten von Krieg und Kerosinknappheit
Zwei Kriege, steigende Spritkosten und gesperrte Lufträume belasten die globale Luftfahrt – ausgerechnet zum 100. Geburtstag der Lufthansa.

Die Lufthansa feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt in Frankfurt. Bundeskanzler Friedrich Merz und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein gaben sich die Ehre. Doch die Feierlaune wird getrübt – nicht nur durch demonstrierende Flugbegleiter, streikende Piloten und zähe Tarifverhandlungen, sondern vor allem durch geopolitische Krisen mit handfesten wirtschaftlichen Folgen.
Der Ukraine-Krieg zwang Fluggesellschaften bereits zu kostspieligen Umwegen. Nun verschärft der Iran-Krieg die Lage zusätzlich. Für Privatanleger, die Lufthansa-Aktien im Depot halten, stellt sich die Frage: Wie belastbar ist das Geschäftsmodell unter diesen Bedingungen?
Kerosin wird knapp – und teurer
Ein zentrales Problem ist die Treibstoffversorgung. „Unsere Flugzeuge tanken 1.000 Tonnen Kerosin je Stunde", erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Der Iran-Krieg drosselt den Nachschub an Rohöl, die Lager leeren sich, die Preise steigen. Lufthansa und andere Fluggesellschaften sichern ihren Spritbedarf zwar über Terminkontrakte – sogenannte Futures – für bis zu ein Jahr ab. Doch die Sorge wächst, dass selbst gültige Lieferverträge künftig nicht mehr erfüllbar sein könnten, weil schlicht nicht genug Kerosin vorhanden ist.
In Europa ist die Lage laut Alexander Klay vom Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft noch nicht kritisch. Europäische Raffinerien verarbeiten Rohöl verschiedenster Herkunft und produzieren alle Kraftstoffe, einschließlich des aufwändig herzustellenden Kerosins. Anders sieht es in Regionen ohne eigene Raffinerie-Industrie aus – dort bestehen oft direkte Abhängigkeiten von arabischen und iranischen Ölquellen.
Die Folgen zeigen sich bereits in Asien: Die Flughäfen von Singapur und Thailand nehmen keine neuen Flugverbindungen mehr an. Der Hintergrund dürfte die Befürchtung sein, dass der verfügbare Treibstoff kaum für die bestehenden Verbindungen reicht. Höhere Flugpreise für Passagiere dürften die absehbare Konsequenz sein.
Gesperrte Lufträume zwingen zu Umwegen
Neben der Treibstoffproblematik schränken die Kriege den nutzbaren Luftraum massiv ein. Wie gefährlich Kriegsgebiete für die zivile Luftfahrt sind, zeigte der Fall von Flug 8243 der Azerbaijan Airlines vor rund anderthalb Jahren: Das Flugzeug wurde offenbar von russischer Luftabwehr getroffen, bei der Notlandung kamen 38 Menschen ums Leben.
Hinzu kommt die elektronische Kriegsführung: Wenn Navigationssysteme und Funkverkehr gestört werden, sind zivile Piloten navigatorisch aufgeschmissen und müssen betroffene Gebiete weiträumig umfliegen. Westliche Airlines dürfen zudem wegen der Sanktionen gegen russische Fluglinien nicht mehr über Russland fliegen – mit der Folge längerer Flugzeiten und höherer Spritkosten auf Fernostrouten. Da nun auch die Südroute durch den Iran-Krieg eingeschränkt ist, wird der verbleibende Korridor über Georgien und Turkmenistan zunehmend eng.
Längere Flugzeiten stellen die Einsatzplanung der Airlines vor erhebliche Herausforderungen. Flugzeuge, die früher nach einem Langstreckenflug zügig zurückflogen und nachts in der Heimatwerft gewartet wurden, müssen nun am Zielort warten. Für umgeleitete Langstreckenflüge reicht die bisherige Crew wegen vorgeschriebener Ruhezeiten nicht mehr aus – mehr Personal muss mitfliegen. Alternativ könnten neue Zwischenstopps eingerichtet werden, an denen Passagiere in ein anderes Flugzeug mit frischer Besatzung umsteigen. Durch die Sperrung großer arabischer Flughäfen im Zuge des Iran-Kriegs ist auch diese Option deutlich schwieriger geworden.
Wettbewerbsverschiebung zugunsten asiatischer Airlines
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Zur AktienanalyseDie geopolitischen Verwerfungen verändern auch die Wettbewerbslandschaft im globalen Luftverkehr grundlegend. Direktflüge europäischer Airlines nach Fernost sind durch die Umwege unwirtschaftlich geworden. Der Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft stellt fest: „Während sich westliche Airlines an Sanktionen halten müssen, nutzen chinesische, indische oder arabische Fluggesellschaften weiterhin die direkten Routen über den russischen Luftraum."
Auf den südlichen Routen hingegen haben europäische Carrier einen unerwarteten Vorteil: Die großen arabischen Konkurrenten verloren durch den Iran-Krieg den Zugang zu ihren Heimatflughäfen. Lufthansa-Chef Spohr erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Nach Asien und Afrika sehen wir Rekordauslastungen."
Trotz aller Belastungen bleibt die Luftfahrt ein robustes Geschäft. Lufthansa schloss das Jahr 2025 mit einem hoch profitablen Ergebnis ab. Konkurrent Condor konnte sogar die Corona-bedingte Staatsbeteiligung vollständig zurückzahlen und sucht nun nach neuen Großaktionären. Konkrete Zahlen zu den gestiegenen Kriegskosten nennen Branchenverbände und Fluggesellschaften bislang nicht – die Belastungen werden nur allgemein beschrieben. Für Anleger bleibt die Luftfahrtbranche damit ein Sektor mit hoher Resilienz, aber auch mit erheblichen geopolitischen Risiken im Gepäck.


