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Luftfahrtindustrie kämpft mit Lieferketten-Chaos trotz Rekordnachfrage nach Flügen

Fluggesellschaften müssen alte Jets länger fliegen, während Triebwerkshersteller mit historischer Nachfrage überfordert sind.

Luftfahrtindustrie kämpft mit Lieferketten-Chaos trotz Rekordnachfrage nach Flügen

Die globale Luftfahrtbranche steht vor massiven Herausforderungen: Trotz Rekordnachfrage nach Flugreisen kämpfen Airlines, Flugzeugbauer und Zulieferer mit anhaltenden Lieferkettenproblemen. Jahre nach der Pandemie haben sich die Engpässe nicht nur nicht gelöst – sie verschärfen sich durch geopolitische Spannungen und eine beispiellose Nachfrage.

Der weltweite Flugpassagierverkehr erreichte 2025 laut International Air Transport Association (IATA) ein Rekordhoch von 9,3 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019. Für 2026 wird ein weiteres Wachstum von 4,9 Prozent erwartet. Diese Entwicklung stellt die Branche vor enorme logistische Probleme.

Fluggesellschaften sind gezwungen, ältere und weniger treibstoffeffiziente Maschinen durchschnittlich zwei Jahre länger im Einsatz zu halten als üblich. Der Grund: Verzögerungen bei Lieferungen von Airbus und Boeing, da Triebwerkshersteller zwischen der Produktion neuer Jets und der Wartung bestehender Flotten jonglieren müssen. Die zusätzlichen Kosten für Treibstoff, Wartung, Triebwerksleasing und Lagerhaltung beliefen sich 2025 auf geschätzte 11 Milliarden US-Dollar.

"Es ist sehr frustrierend, und wenn man sieht, dass Fluggesellschaften diese massiven zusätzlichen Kosten tragen müssen, weiß man, dass es wirklich Zeit für diese Schlüssellieferanten ist, sich zusammenzureißen", kritisierte IATA-Generaldirektor Willie Walsh die Situation.

Neue Normalität für die Branche

Jeffrey Lam, Chief Operating Officer bei ST Engineering, dem weltweit größten Anbieter von Wartungs- und Reparaturdienstleistungen für Flugzeugzellen, spricht von einer "neuen Normalität", die sich etabliert habe. "Wir befürchten, dass diese neue Normalität Bestand haben wird, was völlig inakzeptabel ist", sagte er am Rande der Singapore Airshow.

Die Engpässe treffen Airlines hart. Singapore Airlines' Billigfluggesellschaft Scoot sichert sich beispielsweise auf eigene Kosten proaktiv mehr Ersatztriebwerke. "Wir müssen sicherstellen, dass die Auswirkungen auf uns abgemildert werden können, falls Triebwerksprobleme auftreten", erklärte CEO Leslie Thng.

Nachfrage übersteigt alle Erwartungen

Gael Meheust, CEO des Triebwerksherstellers CFM International – einem Joint Venture von GE Aerospace und Safran – relativierte die Kritik. Sein Unternehmen habe die Produktion 2025 um 25 Prozent gesteigert und plane weitere jährliche Steigerungen von mindestens 10 Prozent. "Das Problem ist die unglaubliche Nachfrage gewesen", so Meheust. "Die Nachfrage hat ein Niveau erreicht, das wir uns nie hätten vorstellen können."

Zulieferer wie ST Engineering kämpfen ebenfalls mit den Herausforderungen. Die Herstellung von Triebwerksgondeln – den äußeren Verkleidungen von Düsentriebwerken – dauert etwa sechs Wochen. Die Vorlaufzeiten für Komponenten und Materialbestellungen haben sich jedoch auf bis zu ein Jahr ausgedehnt, verglichen mit neun Monaten vor der Pandemie.

"Ein Teil des Mangels ist weltweit, sodass man sie nicht einmal frühzeitig kaufen kann, selbst wenn man wollte", beschrieb Lam die Situation. Besonders kritisch sind Engpässe bei Titan- und Nickelrohren. Russlands Krieg in der Ukraine verschärfte die Lage zusätzlich, da russische Exporte zuvor etwa die Hälfte des weltweiten Titanangebots ausmachten.

Die Branche steht vor der Herausforderung, die Balance zwischen Wachstum und Lieferfähigkeit zu finden – eine Aufgabe, die noch Jahre dauern dürfte.

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