Love and Deepspace: Virtuelle Beziehungen boomen in China
Mobile Dating-Simulation erreicht 80 Millionen Nutzer weltweit und generiert fast eine Milliarde Dollar Umsatz.

Das mobile Dating-Spiel "Love and Deepspace" entwickelt sich zum globalen Phänomen. Mit rund 80 Millionen Nutzern weltweit ist es laut Marktforschungsunternehmen Sensor Tower das größte Spiel seiner Art. Bis heute hat die Simulation einen geschätzten Gesamtumsatz von fast einer Milliarde Dollar erzielt.
Chinesische Spielerinnen wie Zhou aus Guangzhou investieren erhebliche Summen in ihre virtuellen Beziehungen. Die junge Frau hat bereits über 10.000 Yuan (etwa 1.400 Dollar) für das Spiel ausgegeben und pflegt seit sechs Monaten eine Beziehung mit dem fiktiven Charakter Qi Yu. Der virtuelle Partner ist Maler, Meeresgott und eine der fünf wählbaren Romanzen im Spiel.
Die Spielerinnen erstellen Avatare mit eigenem Gesicht und Stimme, die dann in einer Fantasy-Welt mit den virtuellen Charakteren interagieren. Zhou spielt täglich etwa eine Stunde und reiste sogar von Guangzhou nach Shanghai, um bei einer vom Entwickler Papergames organisierten Veranstaltung Models in Kostümen der Spielcharaktere zu treffen.
Chinas Gaming-Industrie entdeckt weibliche Zielgruppe
Das 2024 veröffentlichte Spiel gehört zum "Otome"-Genre der Romantik-Simulationen, das in den 1990er Jahren in Japan entstand. In China hat sich dieses Genre zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Etwa 60 Prozent des Umsatzes von "Love and Deepspace" entfallen auf den chinesischen Markt, gefolgt von den USA mit 19 Prozent und Japan mit 9 Prozent, wie Schätzungen von App Magic zeigen.
Tingting Liu, Wissenschaftlerin an der University of Technology Sydney, sieht darin einen Ausdruck der wachsenden wirtschaftlichen Macht chinesischer Frauen. "Viele Frauen verfügen heute über die finanziellen Mittel und das kulturelle Selbstbewusstsein, um in Erlebnisse zu investieren, die ihre emotionalen Bedürfnisse und Wünsche in den Vordergrund stellen", erklärt die Expertin für digitale Medien in China.
Virtuelle Beziehungen als Ergänzung zur Realität
Evina Li, eine 31-jährige Tech-Angestellte aus Shanghai, hat trotz realer Beziehung rund 8.000 Yuan in das Spiel investiert. Sie schätzt, dass "Love and Deepspace" die Bedürfnisse von Frauen priorisiert und "bestimmte Unzulänglichkeiten in den realen Interaktionen zwischen Männern und Frauen" ausgleicht.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseZhou betont, dass sie eine echte Beziehung nicht ausschließt, aber aktuell keinen Druck verspürt. "Wenn ich eine männliche Hauptfigur brauche, öffne ich das Spiel; wenn nicht, schließe ich es und kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten", beschreibt sie ihren Lebensstil. Die Flexibilität virtueller Beziehungen scheint für viele Spielerinnen einen wichtigen Mehrwert darzustellen.
Der Entwickler Papergames lehnte eine Stellungnahme zu konkreten Umsatzzahlen ab. Chinesische Staatsmedien berichteten jedoch, dass das Spiel bis April 2025 weltweit etwa 825 Millionen Dollar Umsatz generiert hatte.


