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Los Angeles: Immobiliensteuer lässt Wohnungsbau einbrechen

Eine neue Transfersteuer auf Immobilien sollte Luxusvillen treffen – doch sie bremst nun den dringend benötigten Wohnungsbau.

Los Angeles: Immobiliensteuer lässt Wohnungsbau einbrechen

LOS ANGELES – Projektentwickler Jason Grant glaubte, einen Glücksgriff getan zu haben: zwei nebeneinanderliegende Grundstücke in einem infrastrukturell gut erschlossenen Viertel, nur drei Meilen von Venice Beach entfernt. Die Parzellen waren für hochverdichteten Wohnungsbau ausgewiesen – ideale Voraussetzungen für ein ambitioniertes Bauprojekt. Grant plante, beide Grundstücke zu erwerben und die bestehenden kleinen Gebäude durch einen achtstöckigen Apartmentkomplex zu ersetzen.

Das erste Grundstück kaufte Grant Anfang 2023 – zu einem Zeitpunkt, als die Mieten in Los Angeles in einer Stadt mit akutem Wohnungsmangel massiv in die Höhe schossen. Der Bedarf an neuem Wohnraum war offensichtlich, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schienen zu stimmen. Doch bevor das zweite Grundstück auf den Markt kam, änderte sich die Lage grundlegend.

Neue Steuer kippt die Kalkulation

Eine neue Steuer auf Immobilienübertragungen trat in Kraft – und veränderte die wirtschaftliche Grundlage des Projekts schlagartig. Grant versuchte nach eigenen Angaben, das Geschäft trotzdem rentabel zu machen. Doch seine Berechnungen führten ihn zu einem ernüchternden Schluss: Die Steuer würde einen zu großen Teil des künftigen Projektwerts aufzehren. Im vergangenen Jahr zog er sich schließlich von dem Vorhaben zurück.

Der Fall Grant steht exemplarisch für eine unbeabsichtigte Konsequenz der Steuerpolitik in Los Angeles. Was ursprünglich als Instrument gedacht war, um Luxusimmobilien stärker zu belasten und damit soziale Ungleichheit zu bekämpfen, trifft nun offenbar auch Projekte, die zur Linderung des Wohnungsmangels beitragen sollten. Statt mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, bleibt der Bau aus.

Wohnungsmangel als strukturelles Problem

Los Angeles kämpft seit Jahren mit einem massiven Wohnungsdefizit. Die Mieten sind in der Metropole zuletzt stark gestiegen, während das Angebot an neuem Wohnraum nicht mit der Nachfrage Schritt halten konnte. Hochverdichtete Bauprojekte in gut erschlossenen Stadtvierteln gelten als eine der wichtigsten Antworten auf diese Krise – doch genau solche Vorhaben scheinen durch die neue Transfersteuer ausgebremst zu werden.

Für deutsche Beobachter ist das Phänomen nicht gänzlich fremd: Auch hierzulande wird immer wieder diskutiert, wie Immobiliensteuern und Abgaben den Wohnungsbau beeinflussen. Die Grunderwerbsteuer in Deutschland, die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent liegt, gilt ebenfalls als ein Faktor, der Investitionen in Neubauprojekte erschweren kann. Das Beispiel Los Angeles zeigt, wie gut gemeinte Steuerreformen unerwünschte Nebenwirkungen entfalten können, wenn sie die Kalkulationsgrundlagen von Bauprojekten grundlegend verändern.

Das Scheitern des Projekts von Jason Grant ist dabei kein Einzelfall – es steht sinnbildlich für einen breiteren Trend in der Stadt, bei dem der Wohnungsbau trotz hoher Nachfrage ins Stocken gerät. Die politische Debatte darüber, wie Steuern auf Immobilienübertragungen zielgenauer gestaltet werden können, dürfte in Los Angeles noch lange nicht abgeschlossen sein.

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