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Londoner IPO-Markt 2026: Besser als sein Ruf

Trotz Neid auf New York zeigt der Londoner Börsengang-Markt im ersten Halbjahr 2026 eine echte Verbesserung gegenüber den Vorjahren.

Londoner IPO-Markt 2026: Besser als sein Ruf

Der Londoner IPO-Markt steht seit Jahren unter Druck. Britische Entscheidungsträger blicken mit Neid auf New York, wo eine Flut an Neuemissionen – angeführt vom rekordverdächtigen Börsengang von SpaceX – die Schlagzeilen dominiert. Beamte aus der Downing Street haben sogar Private-Equity-Manager einbestellt, um sie über den Mangel an Deals zu befragen. Doch ein genauerer Blick auf die Zahlen zeichnet ein differenzierteres Bild.

Laut Daten von Dealogic nahmen Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 bei Börsengängen in London insgesamt 720 Millionen US-Dollar ein. Den Großteil dieser Summe machte dabei Usbekistans nationaler Investmentfonds aus. Das klingt zunächst bescheiden – ist aber eine spürbare Verbesserung gegenüber den vergangenen Jahren.

London als Magnet für Schwellenländer-Unternehmen

Besonders aufschlussreich ist, welche Art von Unternehmen London für ihre Börsengänge wählt. Zwei große Deals deuten darauf hin, dass Londons historische Attraktivität für Unternehmen aus Schwellenländern intakt bleibt. So erwog etwa der jüngste FTSE-100-Neuling Lion Finance, eine georgische Bank, einen Wechsel des Listings in die USA – entschied sich dann aber bewusst für London, weil das Unternehmen von der fachkundigeren Investorenbasis in Großbritannien zu profitieren hofft.

Sollte Airtel Africa seine Pläne für den Börsengang seines Mobilfunk-Zahlungsgeschäfts in London im weiteren Jahresverlauf umsetzen, wäre 2026 das beste Jahr für Neuemissionen im Vereinigten Königreich seit 2021 – selbst wenn kein weiteres Unternehmen folgt. Das wäre ein bedeutender Meilenstein für einen Markt, der zuletzt stark unter Druck stand.

Die größte Enttäuschung des ersten Halbjahres war die Verschiebung des Börsengangs der 19 Milliarden Euro schweren Softwaregruppe Visma. Doch diese Absage war kaum auf London-spezifische Probleme zurückzuführen. Vielmehr traf ein weltweiter Ausverkauf bei Software-as-a-Service-Unternehmen den Markt: Der S&P 500 Software and Services Index ist seit Jahresbeginn um 18 Prozent gefallen. Auch in New York hätte Visma es kaum leichter gehabt.

Europäischer Vergleich fällt zugunsten Londons aus

Im europäischen Vergleich schneidet London überraschend gut ab. Frankreich, Italien und der vielgepriesene schwedische Markt liegen alle hinter Großbritannien zurück. Deutschland liegt nur geringfügig höher. Die Niederlande sammelten im ersten Halbjahr zwar beeindruckende 4,5 Milliarden US-Dollar ein – doch diese flossen vollständig an ein einziges Unternehmen: CSG, einen Rüstungskonzern, der exakt dem aktuellen Zeitgeist entspricht.

Angesichts des Status von London als bedeutendes globales Finanzzentrum ist es dennoch richtig, sich höhere Ziele als die europäischen Rivalen zu setzen. Es gibt durchaus Bereiche mit Verbesserungspotenzial. Was dem Vereinigten Königreich im Vergleich zu den USA fehlt, ist eine lebendige Kultur von Privatanlegern, die neu börsennotierten Unternehmen zusätzliche Nachfrage und Liquidität verschafft.

Gleichzeitig sollten die Probleme nicht übertrieben werden. Der IPO-Markt ist mehr als fast jeder andere Markt von Vertrauen geprägt. Wer zu düster klingt, dem werden auch noch so viele politische Anpassungen keine neuen Deals bescheren. Die nächsten Bewohner der Downing Street sollten ihre Bemühungen zur Stärkung des Vereinigten Königreichs fortsetzen – aber mit realistischem Blick auf das, was London bereits leistet.

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