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Londoner City: Aktienanalysten verschwinden durch MiFID-II-Regulierung

MiFID II hat den britischen Small- und Mid-Cap-Sektor hart getroffen – doch erste Anzeichen einer Erholung werden sichtbar.

Londoner City: Aktienanalysten verschwinden durch MiFID-II-Regulierung

Der britische Aktienmarkt kämpft mit einem stillen Ausbluten: Die Zahl der Aktienanalysten, die Small- und Mid-Cap-Unternehmen abdecken, ist seit 2007 drastisch gesunken. Hauptursache ist die EU-Richtlinie MiFID II, die im Januar 2018 in Kraft trat und die Finanzbranche in London nachhaltig verändert hat. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als sich das Vereinigte Königreich auf den Brexit vorbereitete, traf diese Regulierung den Markt besonders hart.

MiFID II – die zweite Fassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente – verpflichtete Broker dazu, Research-Berichte ihrer Analysten separat in Rechnung zu stellen. Zuvor waren diese Kosten mit den Broker-Provisionen gebündelt. Die Folge: Viele Häuser strichen ihre Analysekapazitäten zusammen, da die Nachfrage nach bezahltem Research ausblieb. Besonders der Small- und Mid-Cap-Sektor litt unter dieser Entwicklung.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2007, zu Beginn der Finanzkrise, gab es noch 29 Analysten für den Bereich Small- und Mid-Cap Retail – heute sind es nur noch 17. Die Zahl der Analysten für Support Services sank ähnlich stark von 26 auf 20. Auch die Sektorabdeckung schrumpfte: 2007 umfasste die britische SMID-Umfrage noch 18 einzelne Sektoren, die aktuellen Rankings zählen nur noch neun. Sektoren wie Chemie, Metalle & Bergbau sowie Transport & Logistik sind weggefallen.

Konsolidierung und Marktbereinigung

Neben dem Rückgang der Analystenzahlen hat auch eine Welle der Konsolidierung die Branche geprägt. Namen wie Bridgewell Securities, Oriel Securities, Cenkos Securities und Seymour Pierce, die 2007 noch in den Rankings auftauchten, sind längst verschwunden. Numis Securities wurde 2023 von der Deutschen Bank übernommen, Panmure Gordon fusionierte 2024 mit Liberum, und Stifel schloss Ende 2025 sein britisches Aktiengeschäft. Beständige Namen wie Investec, Peel Hunt und Shore Capital halten sich hingegen weiterhin in den Rankings.

David Enticknap, CEO von Extel – dem Unternehmen hinter der renommierten jährlichen Analystenbefragung –, bringt es auf den Punkt: „MiFID II hat dem Aktien-Research keinen tödlichen, aber sicherlich einen schmerzhaften Schlag versetzt." Die Extel-Umfrage gilt seit Jahrzehnten als Maßstab der Branche. In den 1990er Jahren wurden die Ergebnisse noch bei einem Mittagessen im Guildhall in London bekannt gegeben – die sogenannten „Oscars der City". Heute findet die Veranstaltung als Galadinner im September statt.

Regulatorische Lockerung weckt Hoffnung

Nach dem Investment Research Review im Jahr 2023, durchgeführt von Rachel Kent, Partnerin bei der Anwaltskanzlei Hogan Lovells, hat die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA (Financial Conduct Authority) die Regeln gelockert. Vermögensverwalter dürfen Zahlungen für Research und Handelsausführung nun wieder teilweise bündeln – eine direkte Abkehr von den strengen MiFID-II-Vorgaben. Da das Vereinigte Königreich nach dem Brexit nicht mehr an EU-Recht gebunden ist, konnte London diesen eigenständigen Weg gehen.

Enticknap sieht darin erste Erholungszeichen: „Die Saat ist gesät. Aber Research muss geschätzt werden. Die Buy-Side muss es wertschätzen. Wenn Research vorhanden ist, wird die Liquidität folgen." Er fügte hinzu: „Und wir brauchen frisches Blut in der Branche."

Nachwuchsproblem als strukturelle Herausforderung

Genau darin liegt eine weitere Herausforderung. Junge Hochschulabsolventen zieht es heute eher in den Technologiesektor als in die traditionelle Finanzbranche. Bereits 1996 hatte der spätere britische Schatzkanzler Alistair Darling – damals noch Sprecher der Labour Party für die City – festgestellt, dass eine gute Platzierung in der Extel-Umfrage das Gehalt eines Analysten um Tausende erhöhen könne. Doch dieser Anreiz allein reicht offenbar nicht mehr aus, um Talente anzuziehen.

Die Botschaft aus der Londoner City ist klar: Ohne eine neue Generation von Analysten und ohne eine echte Wertschätzung für unabhängiges Research wird sich der britische Aktienmarkt – insbesondere im Small- und Mid-Cap-Segment – kaum erholen können. Die regulatorischen Weichen sind gestellt, doch ob die Branche die Kurve bekommt, bleibt abzuwarten.

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