Lithium-Abbau im Erzgebirge: Tschechiens umstrittenes Milliardenprojekt
Im nordböhmischen Cinovec soll das größte Lithium-Förderprojekt der EU entstehen – doch Anwohner und Gemeinden leisten massiven Widerstand.

Im Gemeindehaus von Dubi war kein Sitzplatz mehr frei. Knapp zehn Autominuten von der nordböhmischen Kleinstadt entfernt, direkt an der deutsch-tschechischen Grenze im Erzgebirge, plant die Bergbaugesellschaft Geomet die Förderung von Lithium. Mehrere hundert Menschen kamen zur Anhörung – einige mit Plakaten: „Zerstört unsere Heimat nicht."
Für Geomet-Chef Martin Pohlodek war es kein leichter Termin. „Dieses Projekt ist das größte zur Förderung und Verarbeitung von Lithium in der EU", erklärte er. Jährlich sollen an der Lagerstätte rund 37.500 Tonnen Lithiumcarbonat gewonnen werden – genug für Batterien von etwa 1,3 Millionen Elektroautos. Die Europäische Kommission hat dem Vorhaben bereits den Status eines strategisch wichtigen Projekts verliehen.
Strategischer Rohstoff für die Energiewende
Lithium gilt als Schlüsselrohstoff der Energiewende. Ohne das Leichtmetall lassen sich weder Batterien für Elektrofahrzeuge noch Speicher für Wind- und Solarstrom in ausreichender Menge produzieren. Bislang ist Europa vollständig auf Importe angewiesen – vor allem aus Australien, Chile und China. Die EU hat Lithium daher in ihre Liste kritischer Rohstoffe aufgenommen und will die Abhängigkeit von Drittstaaten gezielt reduzieren.
Geomet gehört dem teilstaatlichen tschechischen Energiekonzern CEZ sowie einem australischen Rohstoffunternehmen. Beide Gesellschafter betonen, dass in Cinovec rund drei Prozent der weltweiten Lithium-Reserven lagern. Das abgebaute Erz soll in der Nähe weiterverarbeitet werden. Das Projekt unterscheidet sich damit auch vom deutschen Fördervorhaben im sächsischen Zinnwald, dem der EU-Sonderstatus bislang fehlt.
Massive Bedenken vor Ort
Die Befürworter des Projekts werben mit rund 2.000 neuen Arbeitsplätzen in der wirtschaftsschwachen Region und stellen Ausgleichszahlungen in Aussicht. Doch das Misstrauen der Bevölkerung ist tief verwurzelt. Die Erinnerungen an die massiven Umweltschäden aus der Zeit vor der Wende sind noch präsent. Die Anhörung in Dubi dauerte fast neun Stunden bis Mitternacht – allein Bürgermeister Jiří Kašpar reichte 73 Einsprüche ein.
„Unsere Natur hat sich endlich erholt. Es soll sogar ein Landschaftsschutzgebiet Erzgebirge geben", sagte Kašpar. „Und auf einmal sollen hier wieder Bäume gefällt werden." Er verwies darauf, dass in Cinovec früher bereits Zinn und Wolfram abgebaut wurden, in Dubi zudem Braunkohle. Ein Teil der Gemeinde sei damals abgebaggert worden – ohne angemessene Entschädigung.
Anwohner und benachbarte Gemeinden fürchten neben mehr Verkehr, Lärm und Staub vor allem eine Verschmutzung des Grundwassers. Die Region ist für ihre Heilquellen bekannt und gilt als beliebtes Touristikziel. Auch Dubi ist ein Kurort – doch ob das so bleibt, bezweifeln viele. Josef Asman aus dem nahe gelegenen Teplice brachte es auf den Punkt: „Der Lithium-Abbau wird keinen ökologischen Beitrag für unseren Planeten leisten und schon gar nicht für unsere Region."
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Wegen möglicher Auswirkungen auf deutschem Territorium hatte der Freistaat Sachsen eine grenzüberschreitende Öffentlichkeitsbeteiligung eingefordert. Die Grüne Liga Osterzgebirge reichte eine kritische Stellungnahme ein und bemängelte zugleich, dass es kaum möglich gewesen sei, rund 2.800 Seiten Unterlagen innerhalb von nur 30 Tagen zu sichten.
Die tschechischen Behörden prüfen das Vorhaben nun eingehend. Eine verbindliche Entscheidung darüber, ob und wann in Cinovec tatsächlich Lithium gefördert werden darf, wird noch in diesem Jahr erwartet. Für Anleger, die den europäischen Rohstoffsektor und die Lieferketten der Elektromobilität im Blick behalten, bleibt das Projekt ein wichtiger Indikator für Europas Fortschritte auf dem Weg zur Rohstoffunabhängigkeit.


