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Lip-Bu Tan soll Intel retten

Neuer CEO plant Kurswechsel bei Halbleitern und Chipfertigung – Anleger reagieren mit deutlichem Optimismus

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Lip-Bu Tan soll Intel retten

Lip-Bu Tan ist neuer Vorstandschef von Intel. Er folgt auf Pat Gelsinger, dessen Amtszeit bei dem einstigen Halbleitergiganten von interner Kritik geprägt war. Tan gehörte zu den stärksten Kritikern seines Vorgängers und warf Gelsinger vor, das Unternehmen aufgebläht und nicht konsequent genug gegen die ausufernde Bürokratie gehandelt zu haben. Auch Intels Strategie bei der Entwicklung von Technologien für künstliche Intelligenz hatte Tan offen in Zweifel gezogen.

Die Spannungen im Management hatten im vergangenen Sommer einen vorläufigen Höhepunkt erreicht, als Gelsinger ankündigte, 15.000 Arbeitsplätze abzubauen. Das entsprach etwa 15 Prozent der Intel-Belegschaft und sollte dem Unternehmen Einsparungen in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar bringen. Wenig später legte Tan sein Amt im Intel-Verwaltungsrat nieder, und im Dezember gab schließlich auch Gelsinger seinen Posten auf. Vorangegangen war Intels Entfernung aus dem prestigeträchtigen Dow-Jones-Index, ersetzt ausgerechnet durch den schärfsten Konkurrenten Nvidia.

Lip-Bu Tan übernimmt die Führung bei Intel mit erheblichen Vorschusslorbeeren. Als ehemaliger Chef des Unternehmens Cadence Design System hatte er eindrucksvolle Erfolge erzielt, den Umsatz dort mehr als verdoppelt und die Gewinnmargen deutlich gesteigert. Die Aktie von Cadence kletterte unter seiner Leitung um über 3200 Prozent. Diese erfolgreiche Historie überzeugte auch den Intel-Verwaltungsrat, Tan erneut in die Führungsebene zurückzuholen.

Die Situation bei Intel ist jedoch kompliziert. Obwohl Intel bei Serverchips für Rechenzentren weiterhin einen Marktanteil von über 70 Prozent hält, geraten die Kalifornier immer stärker unter Druck durch Wettbewerber wie Nvidia und AMD. Während Nvidia seine Chips bereits als Komplettlösung anbietet, setzen große Cloud-Anbieter zunehmend auf Eigenentwicklungen auf ARM-Basis, gefertigt vom taiwanesischen Hersteller TSMC. Intel dagegen hat in den letzten Jahren den Anschluss bei wichtigen Technologien verloren, insbesondere bei der EUV-Fertigungstechnik, die für moderne Chips unerlässlich ist.

Die Zukunft von Intel hängt aktuell stark von der Qualität seiner Produktionstechnologie ab. Momentan prüfen potenzielle Großkunden wie Nvidia und Broadcom, ob Intels Fertigung für ihre Produkte geeignet ist. Zudem steht die Möglichkeit im Raum, dass Intels Fabriken künftig in einem Konsortium unter Führung von TSMC gemanagt werden könnten. Ein solches Szenario würde zwar den Wettbewerb weiter verringern, hat aber die Unterstützung der US-Regierung, da Intel strategisch zu bedeutend ist, um vollständig aus dem globalen Wettbewerb auszusteigen.

Tan versprach seinen Mitarbeitern in einer ersten Botschaft ein „neues Intel“ mit stärkerem Fokus auf Ingenieursleistung. Wie genau seine Strategie aussieht, ließ er offen. Anleger reagierten jedoch positiv auf seine Ernennung, der Aktienkurs stieg deutlich.

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