Lieferengpässe bei Medikamenten nehmen zu
Apotheker kritisieren Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministers als unzureichend gegen Medikamentenmangel.

Immer mehr Medikamente werden knapp und sind nicht mehr lieferbar. Apotheker und Patienten sind gleichermaßen besorgt über die anhaltenden Lieferengpässe, die sich auf eine Vielzahl von Medikamenten erstrecken. Obwohl der Bundesgesundheitsminister mit einem neuen Gesetzentwurf die Kostendruck auf Pharmaunternehmen reduzieren will, bezweifeln viele Apotheker, dass dies Abhilfe schafft. Schuld an den Lieferengpässen sind nicht nur unterbrochene Lieferketten, sondern auch Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Generika-Anbietern, die für viele pharmazeutische Hersteller nicht mehr lohnenswert sind. Das neue Gesetz sieht vor, Rabattverträge für Kinderarzneimittel komplett auszusetzen, aber es wird kaum dazu beitragen, die Versorgungslage für andere Medikamente zu verbessern.
Auch bei Antibiotika soll künftig darauf geachtet werden, dass die Wirkstoffe in der EU und Europa hergestellt werden, um die Abhängigkeit von wenigen asiatischen Produzenten wie China oder Indien zu reduzieren. Doch die Ärzte und Apotheker finden, dass das Gesetz zu kurz greift, da es die Patienten bei Engpässen nur auf alternative Präparate vom selben Hersteller verweist. Viele Apotheker fordern daher Anreize, um wieder verstärkt inländisch zu produzieren. Schließlich hatte Deutschland früher den Ruf als "Apotheke der Welt", und galt jahrzehntelang als wichtigster Hersteller und Lieferant von Medikamenten. Laut einer Studie des Pharmaverbandes VFA sind jedoch fast 68 Prozent der Produktionsorte für die meisten Wirkstoffe für Europa in Asien, wo fast zwei Drittel der mehr als 3500 auf dem Weltmarkt angebotenen Arzneimittelwirkstoffe produziert werden.
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