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Lehrergeschenke zum Schuljahresende: Wie viel ist angemessen?

Eltern in Großbritannien streiten über Sammelgeschenke für Lehrer – zwischen sozialem Druck, Etikette und knappen Budgets.

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Lehrergeschenke zum Schuljahresende: Wie viel ist angemessen?

Wenn das Schuljahr zu Ende geht, beginnt für viele Eltern in Großbritannien ein vertrautes Ritual: die Organisation von Sammelgeschenken für Lehrkräfte. Was früher ein einfacher Kauf von Schokolade und einer Karte war, ist heute ein organisatorisches Großereignis mit WhatsApp-Gruppen, Banküberweisungen und teils erheblichem sozialem Druck. Doch wie viel sollte man wirklich beisteuern – und was passiert, wenn man sich das schlicht nicht leisten kann?

An einer Grundschule im Südosten Londons haben Sammelaktionen laut einem BBC-Bericht Beträge von bis zu 560 Britischen Pfund erreicht – aufgeteilt zwischen Lehrer und Lehrassistenten. Bei einer Klasse von 30 Schülern entspricht das mehr als 18 Pfund pro Kind. Hinzu kommen im Juni und Juli häufig Kuchen- und Eisverkäufe sowie Sammlungen für ausscheidendes Personal oder Mitglieder des Fördervereins. Für viele Familien summieren sich diese Ausgaben spürbar.

Eine zweifache Mutter, die anonym bleiben wollte, schilderte gegenüber der BBC den Druck, den sie dabei empfindet: „Manchmal wird man gebeten, Geld auf das Bankkonto von jemandem zu überweisen, und da herrscht großer Druck. Man kann nicht einfach nur ein paar Pfund geben, sonst wirkt man geizig." Sie und ihr Partner befänden sich zwar „nicht in einer prekären Lage", spürten aber dennoch „die Belastung".

Zwischen Solidarität und sozialem Druck

Das Thema spaltet die Elternschaft. Im britischen Online-Forum Mumsnet bezeichnete ein Elternteil die geforderten Summen als „wahnsinnig", während andere betonten, Lehrer seien „kläglich unterbezahlt und unterbewertet". Ein häufig genanntes Argument: Selbst wenn man jeweils 10 Pfund für drei Mitarbeiter beisteuere, entspreche das lediglich den Kosten für einen Familienausflug zu Kaffee und Gebäck.

Maya, eine Londoner Mutter, die die Sammelaktionen an der Schule ihrer Kinder organisiert, hat gemeinsam mit anderen Eltern einen pragmatischen Ansatz gefunden: 5 Pfund pro Kind und Mitarbeiter – insgesamt 15 Pfund pro Kind für den Lehrer und zwei Lehrassistenten. Sie betont, dass eine Klassensammlung erschwinglicher sei als individuelle Geschenke. Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass manche Familien schlicht nicht teilnehmen können – etwa Kinder aus Pflegefamilien. „Ich denke, es wäre schrecklich, jemanden bloßzustellen und zu fragen: Warum hast du nichts beigetragen?", sagt sie.

Was Psychologinnen empfehlen

Cathrine Jansson-Boyd, Psychologin an der Anglia Ruskin University, sieht in Sammelaktionen eine Chance, die sogenannte „Angeberekultur" am Schultor zu reduzieren. Diese könne Kinder ängstlich machen, wenn sie sehen, dass andere aufwendigere Geschenke mitbringen. Ein Beitrag von 5 Pfund pro Kind ergebe in der Summe ein „unglaublich großzügiges" Geschenk für das Personal, so Jansson-Boyd. Gleichzeitig schütze es Familien mit weniger finanziellen Mitteln vor unangenehmen Situationen.

Verhaltenspsychologin Jo Hemmings plädiert dafür, Beiträge im Voraus klar festzulegen, um Unsicherheiten und sozialen Druck zu minimieren. Transparenz und klare Kommunikation könnten dazu beitragen, dass sich alle Eltern – unabhängig von ihrer finanziellen Lage – wohlfühlen.

Für deutsche Eltern mag das Thema auf den ersten Blick fremd wirken, doch auch hierzulande sind Abschiedsgeschenke für Lehrkräfte am Ende des Schuljahres oder bei Schulwechseln üblich. Die britische Debatte zeigt, wie schnell aus einer gut gemeinten Geste sozialer Druck entstehen kann – und wie wichtig offene Kommunikation innerhalb der Elternschaft ist, um niemanden zu überfordern oder auszugrenzen.

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