Lazard warnt: Komplexe Schulden in Schwellenländern gefährden Stabilität
Steigende Schuldenkomplexität in Emerging Markets könnte Kreditkosten erhöhen und Umschuldungen erheblich verzögern, warnt Lazard.

Das Beratungsunternehmen Lazard schlägt Alarm: Die zunehmend komplexe Verschuldung in Schwellenländern weltweit könnte die Kreditkosten in die Höhe treiben und Umschuldungsprozesse erheblich verzögern. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Papier des führenden Beratungshauses hervor. Die Warnung richtet sich an Investoren, Gläubiger und politische Entscheidungsträger gleichermaßen.
Seit 2020 ist die Zahl komplizierter Schuldenkonstrukte sprunghaft angestiegen. Dazu zählen durch Sicherheiten unterlegte Kredite sowie Anleihen, die an das Wirtschaftswachstum oder Exporterlöse eines Landes gekoppelt sind. Treiber dieser Entwicklung waren Kürzungen der Entwicklungshilfe reicher Nationen, hohe Kreditkosten sowie eine ausgeprägte Risikoaversion – ausgelöst durch die COVID-19-Pandemie und die russische Invasion in der Ukraine.
„Wir müssen das Ganze vereinfachen, denn es wird wirklich komplex, und zwangsläufig werden die Schuldnerländer irgendwann den Preis dafür zahlen", sagte Pierre Cailleteau, Managing Director bei Lazard. Obwohl einige Investoren diese Instrumente als innovativen Weg zur Diversifizierung der Kreditaufnahme loben, sieht Lazard darin erhebliche Risiken.
Frontier Markets besonders betroffen
Der Wandel ist vor allem in kleineren, risikoreicheren Nationen – den sogenannten Frontier Markets – besonders ausgeprägt. Einige dieser komplexen Instrumente wurden ursprünglich eingeführt, um Umschuldungen zu beschleunigen. So wurden in Sambia die Anleihezahlungen an Verbesserungen der Schuldentragfähigkeit gekoppelt, während Sri Lanka seine Anleihen an die BIP-Entwicklung band.
Angola, Nigeria und Senegal griffen unterdessen auf sogenannte Total Return Swaps zurück – faktisch Kredite gegen die eigenen Schulden –, als Alternative zu internationalen Anleihen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bereits davor gewarnt, dass es sich dabei um intransparente und komplizierte Verbindlichkeiten handeln kann. Sambia ist derzeit dabei, seine bedingte Anleihe zurückzukaufen.
Zusätzlich verschärft wird die Lage durch Unsicherheiten über den bevorzugten Gläubigerstatus multilateraler Kreditgeber wie des IWF oder der Weltbank. Dieser Status schützt sie bei Staatspleiten normalerweise vor Verlusten. Cailleteau beschreibt das Problem präzise: „Die Kombination aus mangelnder Klarheit über die Rangfolge der Forderungen und der Einführung oder Ausbreitung dieser Arten von bedingten Instrumenten macht es für die Gläubiger tatsächlich sehr schwierig, die Schulden zu analysieren und festzustellen, wo sie in der Hierarchie der Forderungen stehen."
Transparenz als zentrales Gegenrezept
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Zur AktienanalyseDie zunehmende Komplexität der Verschuldung – insbesondere der Einsatz sogenannter staatsabhängiger Schuldeninstrumente (State Contingent Debt Instruments) – war ein zentrales Thema bei den jüngsten Treffen von IWF und Weltbank in Washington. Die Weltbank hat dabei auf „radikale Transparenz" bei Schulden gedrängt.
Cailleteau fordert, dass Schuldentransparenz zur Pflichtbedingung für den Zugang zu IWF-Finanzierungen und anderen multilateralen Entwicklungsbanken werden sollte. „Wir müssen Transparenz erzwingbar machen", so sein klares Fazit. Der IWF gilt in der Regel als Kreditgeber letzter Instanz für Länder in Schuldennot.
Besorgniserregend ist zudem, dass der von Investoren geforderte Risikoaufschlag auf Schulden von Schwellenländern derzeit nahe Rekordtiefs liegt. Cailleteau wertet dies als Zeichen für „ein gewisses Maß an Überschwang", das die tatsächlichen Risiken möglicherweise zu niedrig bewertet. Für deutsche Anleger, die in Schwellenländeranleihen oder entsprechende Fonds investiert sind, unterstreicht diese Einschätzung die Notwendigkeit einer sorgfältigen Risikoanalyse.


