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Kurzer Rekordduft, langer Zweifel: Der DAX verliert den Schwung

Der aktuelle Marktbericht von Aktien.news

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Kurzer Rekordduft, langer Zweifel: Der DAX verliert den Schwung

Noch am Morgen roch es nach Ausbruch – am Abend blieb vom DAX-Hoch über 25.000 Punkte nur ein Krümel übrig. Der deutsche Leitindex drehte nach dem frühen Sprint ab und schloss 0,1 Prozent tiefer bei 24.781 Punkten. Die Frage dahinter: War das nur ein kurzer Zuckerschlag – oder der erste Riss im frischen Februar-Optimismus?

Auffällig ist, wie schnell die Stimmung kippte. Zur Begründung verwiesen Marktteilnehmer auf eine vorübergehende Beruhigung an den Edelmetallmärkten – allerdings zog der Goldpreis später wieder deutlich an, auf mehr als 4.950 Dollar je Feinunze. Das wirkt wie ein Kontrastsignal: Während Aktien den Halt suchen, bleibt das Sicherheitsbedürfnis offenbar wach.

Wall Street ohne Zug, Handelspolitik mit Wucht

Auch in den USA fehlte am Ende der Durchmarsch. Nach einem kurzen Sprung auf eine neue Rekordmarke von 49.643 Punkten rutschte der Dow Jones bis zum frühen Abend leicht ins Minus – ein typisches Bild für einen Markt, der zwar neue Höhen erreicht, aber nicht mehr unbeschwert weiterläuft.

Politisch kam dagegen Bewegung in eine andere Richtung: Indien einigte sich nach einem Abkommen mit der Europäischen Union nun auch mit den Vereinigten Staaten auf weitreichende Handelserleichterungen. Die USA senken Zölle für indische Waren und Güter drastisch; im Gegenzug erklärte Indien, kein russisches Öl mehr zu kaufen und stattdessen Lieferungen aus den USA und aus Venezuela vorzuziehen. Das ist mehr als Kulisse – es verschiebt Handelsströme, und genau solche Verschiebungen füttern die Nervosität, wenn Anleger ihre Gewinnerzählungen neu sortieren müssen.

Einzelwerte: Rückenwind, Reibung, Richtungswechsel

Im US-Handel stach Palantir mit überdurchschnittlichen Gewinnen heraus. Quartalsbilanz und Ausblick überzeugten – zugleich wächst der Druck, weil das Unternehmen der US-Einwanderungsbehörde ICE ein System zur Ermittlung illegaler Einwanderer geliefert hat. Für das laufende Jahr stellt der Konzern rund 60 Prozent Wachstum in Aussicht. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Hier trifft KI-Euphorie auf eine Debatte, die den Kurs jederzeit wieder einfangen kann.

Bei PayPal dagegen schlug die Bilanz auf den Kurs. Nach schwachem Quartal und verfehltem Ausblick wechselt das Management den Chef: Alex Chriss soll gehen, ab März soll Enrique Lores, bislang Chef von HP Inc., übernehmen. Im vierten Quartal stieg der Umsatz um vier Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um drei Prozent auf 1,23 Dollar zu – nur eben nicht genug. Für das neue Jahr erwartet das Management einen Rückgang des Gewinns je Aktie im mittleren einstelligen Prozentbereich. Klingt nach Kontrolle, fühlt sich aber nach Bremse an: Reicht ein Chefwechsel, wenn die Prognose schon nach unten zeigt?

In Deutschland sorgte Siemens Energy für Schub: Der Konzern investiert eine Milliarde Dollar in den Ausbau seiner US-Produktion für Stromnetz- und Gasturbinenkomponenten – getrieben vom enormen Energiebedarf der Rechenzentren für KI-Anwendungen. „Die USA sind derzeit der heißeste Strommarkt der Welt“, sagte CEO Christian Bruch. Das wirkt wie ein kräftiger Wachstumsanker – aber auch wie ein Signal, wohin die Rechnung der KI-Welle am Ende wandert: in die Infrastruktur.

Im MDAX zählte Sartorius zu den gefragtesten Titeln. Der Gewinn stieg 2025 von 84 Millionen auf 155 Millionen Euro; als Treiber nennt das Unternehmen die starke Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien wie Filtern, Pipetten und Spritzen. „Unsere Branche ist zurück auf Kurs, hat ihr langfristiges Wachstumsniveau aber noch nicht vollständig erreicht“, sagte CEO Michael Grosse – ein Satz, der vorsichtige Zuversicht atmet.

Auf der Verliererseite rutschte Siltronic um mehr als acht Prozent ab. Der Waferhersteller rutschte 2025 in die roten Zahlen und sieht wenig Hoffnung auf eine durchgreifende Erholung. Der KI-Boom sorgt zwar für Nachfrage nach größeren Silizium-Scheiben für schnelle Prozessoren und Speicherchips – andererseits bleibt die Nachfrage aus Industrie, Autobranche und von Smartphone-Herstellern träge. Genau dieser Gegensatz entscheidet jetzt: Wird KI zum Rettungsring – oder nur zum dünnen Seil, das nicht alle Lasten trägt?

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