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Kupferströme richten sich auf die USA aus

Weltweite Lager leeren sich – Handel reagiert auf drohende US-Strafzölle

Kupferströme richten sich auf die USA aus

Die Verlagerung großer Mengen von physischem Kupfer in die USA sorgt zunehmend für Knappheit auf dem Weltmarkt. Hintergrund ist die Unsicherheit über mögliche Importzölle, die im Rahmen einer laufenden Untersuchung der US-Regierung unter Präsident Donald Trump verhängt werden könnten. Noch ist unklar, ob und wann Kupfer auf die Liste der betroffenen Metalle gesetzt wird. In der Zwischenzeit nutzen Händler die Preisdifferenz zwischen dem US-Markt und dem Londoner Metallmarkt für Arbitragegeschäfte.

An der London Metal Exchange (LME) sind die Kupferbestände inzwischen auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren gefallen. Mehr als die Hälfte der offiziellen Lagerbestände in Höhe von 114.475 Tonnen ist bereits zur Auslieferung abgerufen worden. Die verbleibenden 50.850 Tonnen befinden sich auf einem Niveau wie zuletzt im Juli 2023. Auch die Bestände außerhalb der offiziellen LME-Lagerhäuser sind stark rückläufig – ein Minus von mehr als 20.000 Tonnen seit Jahresbeginn.

Im Gegensatz dazu steigen die Kupferbestände in den Lagerhäusern der CME in den USA stetig an und haben sich im laufenden Jahr bereits mehr als verdoppelt. Dort lagerten zuletzt rund 176.000 Tonnen. Der Preisunterschied zwischen dem US-amerikanischen Kupferkontrakt und dem Londoner Markt beträgt derzeit etwa 1.000 US-Dollar pro Tonne, was einer angenommenen Zollhöhe von zehn Prozent entspricht und die Transportkosten mehr als ausgleicht.

Die Nachfrage der USA konzentriert sich dabei vor allem auf chilenisches Kupfer. In den Monaten März und April machten Kupferlieferungen aus Chile 61 beziehungsweise 75 Prozent der US-Importe aus. Insgesamt importierten die Vereinigten Staaten in den ersten vier Monaten des Jahres 455.000 Tonnen raffiniertes Kupfer – mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die LME-Bestände mit Kupfer chilenischer Herkunft schrumpften von über 25.000 Tonnen Ende 2024 auf lediglich 75 Tonnen Ende Mai.

Auch andere Länder wie Australien, Belgien, Deutschland, Spanien und Südkorea liefern vermehrt Kupfer in die Vereinigten Staaten. Sogar China hat laut offiziellen Angaben rund 50.000 Tonnen exportiert, wobei es sich wahrscheinlich um Re-Exporte aus Lagerhäusern handelt. Auf dem Weltmarkt verschärft sich dadurch die Lage: Sowohl in London als auch in Shanghai notieren die Terminmärkte in einer sogenannten Backwardation, was auf eine angespannte Versorgungslage hinweist.

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