Kupferproduzenten setzen auf innovative Laugungstechnologie gegen Versorgungsengpass
Rio Tinto und Freeport-McMoRan erschließen mit Mikroorganismen und Säure neue Kupferquellen aus Altbeständen

Die globalen Kupferproduzenten reagieren auf die drohende Versorgungslücke mit innovativen Gewinnungsmethoden. Angesichts steigender Nachfrage durch KI-Rechenzentren und Stromnetzausbau greifen führende Bergbaukonzerne zunehmend auf Material zurück, das bisher als unwirtschaftlich galt. Rio Tinto und Freeport-McMoRan setzen dabei auf moderne Laugungsverfahren, die erhebliche Kostenvorteile versprechen.
Rio Tintos neue Sparte Nuton nutzt Mikroorganismen, um Kupfer aus schwer verarbeitbaren Erzen zu gewinnen. Amazon konnte bereits als erster Kunde gewonnen werden. Freeport-McMoRan plant noch ambitionierter: Bis 2030 sollen durch Laugungsinitiativen jährlich rund 363.000 Tonnen Kupfer produziert werden – eine Menge, die zu den 20 größten Kupferminen weltweit zählen würde. Dabei kommen saure Lösungen, Hitze oder Kombinationen beider Verfahren zum Einsatz.
Die Innovation kommt zur rechten Zeit. BHP prognostiziert, dass bestehende Minen 2035 etwa 15 Prozent weniger Kupfer fördern werden als 2024. Gleichzeitig könnten die 30 größten unerschlossenen Greenfield-Projekte weltweit bis 2035 lediglich 5 Millionen Tonnen zusätzlich liefern – gerade einmal 18 Prozent der aktuellen Produktion.
Erhebliche Kostenvorteile durch neue Verfahren
Die wirtschaftlichen Vorteile der Laugungstechnologie sind beträchtlich. Während konventionelle Kupferminen laut Bernstein Research bei etwa 8.000 US-Dollar pro Tonne die Gewinnschwelle erreichen, schätzt Rio Tinto die Betriebskosten der Nuton-Technologie um 40 Prozent niedriger ein. Bei aktuellen Kupferpreisen von 13.000 US-Dollar an der London Metals Exchange ergeben sich damit attraktive Margen.
Besonders vorteilhaft sind die geringeren Anfangsinvestitionen. Kupferproduzenten, die auf Abfallmaterial setzen, könnten bereits bei 4.000 US-Dollar pro Tonne profitabel arbeiten. Auch Freeports gelaugtes Kupfer kostet laut Bernstein-Berechnungen nur etwa die Hälfte des regulären konzentrierten Kupfers.
Goldman Sachs erwartet Produktionssteigerung von einer Million Tonnen
Goldman Sachs prognostiziert, dass die Laugungsverfahren die Produktion der fünf größten Kupferproduzenten bis 2034 um zusammen eine Million Tonnen jährlich steigern könnten. Dies entspricht zwar nur einem Fünftel des bis 2030 erwarteten Defizits, stellt aber dennoch einen bedeutenden Beitrag zur Versorgungssicherheit dar.
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Zur AktienanalyseDie Bergbaukonzerne hatten diese Technologien bisher vernachlässigt, da leicht zugängliche Oxidvorkommen noch ausreichend vorhanden waren. Große Unternehmen konzentrierten sich traditionell auf Projekte mit größerer Einzelwirkung. Die zunehmende Verknappung konventioneller Quellen macht nun jedoch auch kleinere Mengen aus schwierigeren Quellen wirtschaftlich attraktiv.
Die Entwicklung zeigt exemplarisch, wie Rohstoffknappheit Innovation befördert. Prognosen über zukünftige Verfügbarkeit unterschätzen häufig die Anpassungsfähigkeit der Industrie. Wenn der Druck steigt, entwickeln Betreiber kreative Lösungen – sei es durch neue Technologien oder die Wiederaufbereitung von Altbeständen und Abraumhalden.


