Kupferpreise auf Rekordjagd
US-Zollrisiken und Produktionsausfälle verschärfen globale Angebotsengpässe

Seit mehr als einer Woche erreicht der Kupferpreis ein Rekordhoch nach dem anderen. An der Metallbörse in London wurde eine Tonne Kupfer zur Auslieferung in drei Monaten zuletzt für bis zu 11.771 US-Dollar gehandelt. Seit Beginn des Jahres hat sich der Preis um rund ein Drittel erhöht. Analysten halten eine Fortsetzung dieser Entwicklung für möglich und erwarten im kommenden Jahr weitere Preissteigerungen. Experten der Citigroup sehen im zweiten Quartal einen Anstieg auf 13.000 US-Dollar je Tonne als realistisch. Nach Einschätzung von Rohstoffspezialisten lassen sich für die aktuelle Rally vier zentrale Auslöser identifizieren.
Der jüngste Preisschub wurde vor allem durch die Sorge vor neuen US-Importzöllen ausgelöst. Händler verlagern derzeit große Mengen Kupfer aus den Lagern der LME in die USA, wo aufgrund der erwarteten Zölle höhere Preise erzielt werden. Das Vorgehen gilt als klassisches Arbitragegeschäft, bei dem Preisunterschiede zwischen den Märkten genutzt werden. Die Dynamik erinnert an die Situation im Juli, als der US-Kupferpreis nach der Ankündigung von 50-prozentigen Importzöllen ein Rekordhoch erreichte. Obwohl diese Zölle später relativiert wurden, blieb die Unsicherheit bestehen. Das US-Handelsministerium empfahl eine gestaffelte Einführung ab 2027, weshalb die Regierung die Zölle im kommenden Jahr erneut prüfen will. Der Metallhändler Mercuria ließ zuletzt Kupfer im Wert von rund 500 Millionen US-Dollar aus LME-Lagerhäusern abziehen, die größte Stornierung seit über einem Jahrzehnt. Branchenvertreter warnen, dass im ersten Quartal erhebliche Mengen in die USA geliefert werden könnten, was weltweit zu Angebotsengpässen führen würde.
Gleichzeitig beeinträchtigen Produktionsunterbrechungen das Angebot. In der Grasberg-Mine in Indonesien steht der Betrieb nach einem Erdrutsch still. Auch die chilenische El-Teniente-Mine arbeitet nach einem durch ein Erdbeben verursachten Tunneleinsturz nicht mit voller Kapazität. Das Kamoa-Kakula-Projekt im Kongo produziert aufgrund einer Überflutung ebenfalls weniger als geplant. Zusätzlich belasten Proteste in Produktionsregionen sowie sinkende Erzgehalte die Fördermengen. UBS-Analysten rechnen daher für das kommende Jahr mit einem Marktdefizit von 407.000 Tonnen.
Die Knappheit zeigt sich auch in den negativen Verarbeitungsgebühren. Bergbauunternehmen verlangen inzwischen Geld von Schmelzen, damit diese ihr Erz übernehmen. Die Gebühren fielen zeitweise auf minus 60 US-Dollar pro Tonne. Chinesische Hüttenwerke planen infolgedessen Produktionskürzungen von mehr als zehn Prozent. Analysten verweisen jedoch darauf, dass sich diese Maßnahmen erst in den offiziellen Zahlen widerspiegeln müssen.
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Zur AktienanalyseUnterschiedliche Einschätzungen bestehen bei der kurzfristigen Nachfrage. Während einige Experten mit einer Abschwächung rechnen, verweisen andere auf jüngste Impulse aus China. Langfristig deuten Prognosen auf einen deutlich steigenden Bedarf im Zuge der Energiewende hin, während das Minenangebot weiter zurückgehen dürfte. Die Internationale Energieagentur erwartet bereits 2035 eine Angebotslücke von rund 30 Prozent.


