Kupfermarkt unter Druck: Chile-Krise treibt Preise auf Rekordhoch
Extremwetter in Chile, strukturelle Angebotsengpässe und starke Nachfrage aus Technologiebranchen treiben den Kupferpreis auf neue Höchststände.

Der globale Kupfermarkt erlebt eine Phase intensiver Volatilität und steigenden Preisdrucks. Comex-Kupfer ist Anfang August 2026 um 2,9 % auf 6,4930 US-Dollar je Pfund gestiegen und nähert sich damit den Rekordhochs vom frühen Juni. Hinter dieser Rallye steckt ein Zusammenspiel aus Angebotsengpässen, Unwettern in Chile und robuster Nachfrage aus Zukunftstechnologien.
Die physische Marktlage hat sich spürbar verschärft. An der London Metal Exchange (LME) sind Nahterminkontrakte in Backwardation übergegangen – ein Zustand, bei dem Spotpreise über den Terminpreisen liegen und unmittelbare Knappheit signalisieren. Die LME-Lagerbestände sanken innerhalb einer einzigen Woche um mehr als 10.000 Tonnen auf 262.300 Tonnen. Zudem liegt der US-Aufschlag gegenüber dem globalen Benchmark bei rund 470 US-Dollar je Tonne, was auf eine lokale Angebotsverknappung hindeutet.
Rückenwind erhielt der Markt auch von der US-Notenbank Federal Reserve, die die Zinsen unverändert beließ. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Drei der zwölf Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses plädierten für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte, mit Verweis auf Inflationsrisiken im Zusammenhang mit dem anhaltenden US-Iran-Konflikt. Trotz dieser makroökonomischen Unsicherheit und ausbleibender großer Konjunkturpakete aus Peking dominiert unter Marktteilnehmern ein bullisches Bild.
Unwetter lähmen Chiles Kupferproduktion
Chile, das mehr als ein Fünftel der weltweiten Kupferproduktion verantwortet, ist zum Epizentrum der Angebotssorgen geworden. Schwere Unwetter mit Schnee, Überschwemmungen und Sturmböen haben den Betrieb mehrerer Großminen empfindlich gestört. Die Auswirkungen im Überblick:
Lundin Mining:
Die Caserones-Mine benötigt voraussichtlich zwei bis drei Wochen für einen Neustart, da die Strominfrastruktur beschädigt wurde.
Antofagasta:
Förderung und Verarbeitung in der Mine Los Pelambres wurden vollständig eingestellt.
Barrick Gold:
Mitarbeiter mussten aufgrund der extremen Wetterbedingungen evakuiert werden.
Obwohl Analysten die wetterbedingten Ausfälle als vorübergehend einschätzen, verschärfen sie einen bereits bestehenden Rückgang der chilenischen Produktion. Chile hat seine Jahresprognose offiziell um 2 % auf 5,3 Millionen Tonnen gesenkt – das zweite Jahr in Folge mit rückläufiger Förderung. Analysten warnen, dass anhaltende Störungen die Preise auf neue Rekordniveaus treiben könnten.
Codelco gibt Produktionsziele auf
Besonders schwer wiegt die strategische Kehrtwende beim weltgrößten Kupferproduzenten Codelco. Verwaltungsratschef Bernardo Fontaine erklärte ausdrücklich, es gebe „keine Möglichkeit", das frühere Produktionsziel von 1,7 Millionen Tonnen innerhalb der nächsten fünf Jahre zu erreichen. Der staatliche chilenische Konzern hatte seine Prognose für 2026 bereits auf konservative 1,357 Millionen Tonnen zurückgenommen. Der Markt wertet dieses strukturelle Aufgeben von Produktionszielen als wesentlichen Treiber für die langfristige Angebotsknappheit.
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Zur AktienanalyseAuf der Nachfrageseite bleibt das Bild ausgesprochen stark. Kupfer gilt als Schlüsselrohstoff für die Energiewende und die digitale Wirtschaft – mit wachsendem Bedarf für KI-Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und den Ausbau von Stromnetzen. Gleichzeitig verzerren geopolitische Faktoren die Handelsströme: US-Zollunsicherheiten im Rahmen von Section 232 sowie Chinas Einschränkungen beim Schrottkupfer belasten den Markt. Derzeit befinden sich rund 64 % der weltweit sichtbaren Kupfervorräte in den USA – eine ungleiche Verteilung, die andere Regionen anfällig für Engpässe macht.
Bergbaukonzerne mit starken Ergebnissen
Die Minenbetreiber profitieren von den hohen Preisen und melden robuste Finanzergebnisse. Anglo American verzeichnete einen EBITDA-Anstieg von 35 % auf 4 Milliarden US-Dollar und führt dies auf die günstigen Kupferpreise zurück. Glencore meldete einen Anstieg der Kupferproduktion im ersten Halbjahr um 15 %, und Rio Tinto erzielte den besten Halbjahresgewinn seit vier Jahren. Diese Ergebnisse haben eine Rallye bei Bergbauaktien ausgelöst, da Investoren auf eine Fortsetzung des günstigen Preisumfelds setzen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat unterdessen gewarnt, dass Schwefelsäuremangel mehr als ein Siebtel der weltweiten Kupferproduktion gefährden könnte. Einige Marktteilnehmer bleiben daher vorsichtig, was die Nachhaltigkeit des aktuellen Preisanstiegs betrifft. Analysten weisen darauf hin, dass neben der realen physischen Knappheit auch spekulative Netto-Long-Positionen an den großen Börsen zur Preisvolatilität beitragen. Als entscheidende Variablen für den weiteren Jahresverlauf gelten die Dauer der chilenischen Wetterstörungen, mögliche Änderungen der US-Handelspolitik sowie die Fähigkeit der großen Produzenten, strukturelle Förderprobleme zu überwinden.


