Kupfer-Spread wird zum Echtzeit-Indikator für US-Zollrisiken
Der Preisunterschied zwischen COMEX und LME verrät, was Märkte über Trumps nächste Zollschritte bei Kupfer erwarten.

Der Preisaufschlag zwischen US-Kupfer-Futures an der COMEX und den Preisen an der London Metal Exchange (LME) hat sich zu einem ungewöhnlichen Frühwarnsystem entwickelt. Händler und Analysten nutzen diesen Spread zunehmend, um die Wahrscheinlichkeit neuer US-Zölle auf raffiniertes Kupfer abzuschätzen. Die Societe Generale hat diesen Zusammenhang nun erstmals in konkrete Prozentzahlen übersetzt.
Laut den SocGen-Analysten unter der Leitung von Mike Haigh impliziert der aktuelle COMEX-Aufschlag gegenüber vollständig geliefertem LME-Metall eine Wahrscheinlichkeit von 14,6 % für einen gestuften universellen Zoll von 15 % – wirksam ab dem 1. Januar 2027. Für einen Zoll von 30 % ab Januar 2028 steigt die implizierte Wahrscheinlichkeit auf 37 %. Das Handelsministerium hatte genau dieses Stufenmodell bereits empfohlen.
Kupfer gilt als eines der wichtigsten Konjunkturbarometer der Weltwirtschaft. Das Industriemetall ist eine Schlüsselkomponente in der Bauwirtschaft, der Elektronik und im Transportwesen. In der vergangenen Woche erreichten die Futures ein Rekordhoch von fast 6,90 US-Dollar pro Pfund – ein Niveau, das die anhaltende Nachfragedynamik und die Zollunsicherheit widerspiegelt.
Arbitrage-Handel unter neuen Vorzeichen
Historisch gesehen wurde der COMEX-LME-Spread von physischen Händlern, Banken, Hedgefonds sowie Produzenten und Konsumenten genutzt, um von vorübergehenden Preisdifferenzen zu profitieren. Frühere Treiber waren etwa chinesische Nachfrageschocks oder Versorgungsunterbrechungen in Südamerika. Nun hat die Aussicht auf neue Zölle nach Section 232 die Logik dieses Handels grundlegend verändert.
„Der COMEX-LME-Spread hat sich zunehmend zu einem Indikator für US-Zollerwartungen entwickelt, wobei ein größerer Aufschlag ein höheres wahrgenommenes Zollrisiko signalisiert und weiterhin Metall in die USA zieht", erklärte Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei ING, gegenüber CNBC. Die Folge ist sichtbar: Im Juli importierten die USA mehr als 200.000 Tonnen Kupfer – der höchste Stand seit zwölf Jahren.
Um den Spread methodisch in Zollwahrscheinlichkeiten zu übersetzen, modellierte die SocGen die Kosten für den Transport von LME-Kupfer aus europäischen Lagern an die US-Ostküste. Dieser All-in-Lieferpreis wurde anschließend mit den aktuellen COMEX-Futures verglichen. Die Differenz liefert die Grundlage für die Wahrscheinlichkeitsberechnungen.
Nationale Sicherheit als Treiber der US-Kupferpolitik
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Zur AktienanalyseDie SocGen-Analysten betonen, dass die US-Politik zunehmend besorgt über die Abhängigkeit des Landes von importiertem raffiniertem Kupfer sei. KI-Infrastruktur, Netzmodernisierung und steigende Verteidigungsausgaben kurbeln die weltweite Nachfrage massiv an. Die laufende Untersuchung nach Section 232 spiegele das Ziel wider, „den Zugang zu einem Material zu sichern, das sowohl für das Wirtschaftswachstum als auch für die nationale Sicherheit als kritisch angesehen wird", so Haigh.
Bereits heute erhebt die USA eine Abgabe von 50 % auf Importe von Kupferhalbzeugen und bestimmten anderen kupferbasierten Produkten. Die ausstehende Entscheidung zu raffiniertem Kupfer gilt laut Natalie Scott-Gray, Senior-Strategin bei StoneX, als der „einzelne größte Katalysator" für den gesamten Kupfermarkt. Umfassende Zölle würden das Angebot außerhalb der USA verknappen, während ausbleibende Zölle die COMEX-LME-Arbitrage auflösen würden.
Manthey von ING sieht den größeren Spread als kurzfristige Stütze für die Kupferpreise – „insbesondere da das Minenangebot knapp bleibt und sich der Wettbewerb um verfügbares Metall zwischen den USA und China intensiviert". Ihr Fazit: „Wir bleiben für Kupfer optimistisch gestimmt, obwohl die Zollunsicherheit bedeutet, dass die Volatilität wahrscheinlich erhöht bleiben wird."


