Křetínský zieht sich zurück – Jindal rückt in den Fokus
Thyssenkrupp steht ohne Partner unter Druck, während die Inder ihre Verhandlungsmacht ausspielen

Der Rückzug von Daniel Křetínský markiert einen tiefen Einschnitt für Thyssenkrupp und verschiebt die Kräfteverhältnisse bei der Neuordnung der Stahlsparte grundlegend. Noch vor zwei Jahren hatte Konzernchef Miguel López den Einstieg des tschechischen Milliardärs als strategischen Wendepunkt gefeiert. Die Verbindung von Stahlproduktion und Energiewirtschaft galt als Hoffnungsträger für eine Branche, die vor einem milliardenschweren Umbau steht. Křetínský, der sich in der europäischen Energielandschaft als geschickter Investor positioniert hatte, sollte mit 20 Prozent an Thyssenkrupp Steel Europe den Weg zu einem 50:50-Joint-Venture ebnen. Doch das Vorhaben entwickelte sich zäh, und konkrete Ergebnisse ließen lange auf sich warten. Erst im Sommer 2024 war der Einstieg offiziell vollzogen, Details zu Kaufpreis und Geldfluss blieben allerdings vage.
Hinter den Kulissen war López dem Investor weit entgegengekommen. Mehrere Berichte deuteten darauf hin, dass Křetínský für sein Engagement Zinsen erhielt. Zudem verfügte er über eine Rücktrittsklausel, die er nun gezogen hat. Offiziell begründete seine Holding EPG den Rückzug damit, dass man Thyssenkrupps Wunsch respektiere, sich auf Gespräche mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel International zu konzentrieren. Das Unternehmen aus Mauritius, das der Industriellenfamilie Jindal zugerechnet wird, hatte ein nicht bindendes Angebot für die Stahlsparte vorgelegt. Křetínský erhält den Kaufpreis für seine Beteiligung zurück, die Zusammenarbeit wird beendet.
Größere Investitionen hatte Křetínský ohnehin nie geplant. Die Zukunft der Sparte erfordert hohe Summen, allein die Pensionsverpflichtungen belaufen sich auf über 2,5 Milliarden Euro. Sein Geschäftsmodell, mit antizyklischen Käufen auf eine Trendwende zu setzen, passte nicht zur komplizierten Gemengelage im Stahlmarkt. Für Thyssenkrupp war sein Einstieg dennoch wertvoll: Durch die Transaktion wurde der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen Konzernmutter und Stahlsparte automatisch aufgehoben, was die interne finanzielle Verflechtung lockerte. Eine Finanzierungsvereinbarung bis Ende 2026 ersetzt seither die frühere Quersubventionierung, entbindet Thyssenkrupp aber nicht von langfristigen Verpflichtungen.
Nach dem Rückzug des Tschechen konzentriert sich alles auf die Verhandlungen mit den Jindals. Das indische Unternehmen signalisiert Bereitschaft zu Investitionen in Duisburg, darunter eine Direktreduktionsanlage und einen Elektrolichtbogenofen, unterstützt durch Milliarden an Subventionen. Gleichzeitig verschärft sich die finanzielle Diskussion um die sogenannte Mitgift, die Thyssenkrupp einer eigenständigen Stahlsparte mitgeben müsste. Während frühere Berechnungen einen Bedarf von mindestens 3,6 Milliarden Euro ansetzen, bietet López deutlich weniger. Die Jindals gelten als erfahrene Stahlproduzenten und wissen um ihre starke Verhandlungsposition.
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Zur AktienanalyseZusätzliche Komplexität bringt die Zukunft der Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Verkaufsgespräche für die Beteiligung sind gescheitert, eine Einigung mit den Partnern Salzgitter und Vallourec steht aus. Theoretisch könnten die Inder direkt dort einsteigen, was López weiter unter Druck setzen würde. Sollte der Deal scheitern, plant der Konzern nach internen Berichten keine großen Investitionen mehr in den Stahl – ein langsamer Rückzug aus einer traditionsreichen Industriesparte wäre die Folge.


