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Kreditklemme im Mittelstand: Rekordwert bei restriktiver Kreditvergabe

40 Prozent der Unternehmen beklagen laut KfW-Studie eine restriktive Kreditvergabe – so viele wie nie zuvor.

Kreditklemme im Mittelstand: Rekordwert bei restriktiver Kreditvergabe

Laura Lang ist Geschäftsführerin eines Orthopädie-Unternehmens in Neuwied, Rheinland-Pfalz. Das Familienunternehmen – bereits in der fünften Generation – fertigt und handelt mit orthopädischen Vorprodukten wie Prothesen, Einlagen und Maßschuhen. Als kürzlich eine Investition in eine neue Fertigungsanlage im sechsstelligen Bereich anstand, erlebte Lang eine böse Überraschung: Die langjährige Hausbank verlangte trotz stabiler Ertragslage, gesicherter Aufträge und guter Eigenkapitalquote eine zusätzliche Bürgschaft in halber Kredithöhe. Hinzu kamen Zinsen von über vier Prozent. Lang zog die Anfrage zurück.

„Die Entscheidung unserer Hausbank hat mich verwundert – und auch enttäuscht", sagt die 36-Jährige. Am Ende finanzierte das Unternehmen die neue Anlage aus eigenen Mitteln – ein erheblicher Kraftakt. Lang stellt klar: Auf Dauer sei das kein tragfähiges Modell. Künftige Investitionen, darunter möglicherweise eine neue Produktionshalle, werden eine Bankfinanzierung erfordern.

Rekordwert: 40 Prozent der Betriebe klagen über Kreditrestriktionen

Der Fall Lang ist kein Einzelfall. Eine aktuelle Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), erarbeitet gemeinsam mit dem Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut ifo, belegt das Ausmaß des Problems. Demnach beklagen so viele Unternehmen wie nie zuvor eine restriktive Haltung der Banken bei der Kreditvergabe: 40 Prozent der befragten Betriebe teilen diese Einschätzung – ein historischer Rekordwert.

KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher erklärt die Entwicklung: „Die schwache Konjunktur hinterlässt Spuren in den Bilanzen der Unternehmen. Die Eigenkapitalquoten und die Ratings haben sich zuletzt verschlechtert. Darauf reagieren die Banken mit höheren Risikoaufschlägen und härteren Finanzierungskonditionen." Gleichzeitig sinkt auch die Nachfrage: Immer weniger Unternehmen suchen überhaupt noch nach Fremdkapital. Selbst bei Großunternehmen ist das Interesse gering – laut KfW führten im zweiten Quartal nur gut 27 Prozent von ihnen Kreditgespräche.

Hans-Jürgen Völz, Chefvolkswirt beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), beobachtet die Lage seit Längerem mit Sorge. „Unsere Mitglieder haben wegen der restriktiven Kreditvergabe der Banken zunehmend Schwierigkeiten, überhaupt noch Investitionen zu tätigen", sagt er. Als Hauptursache sieht Völz nicht externe Faktoren wie weltwirtschaftliche Krisen, sondern hausgemachte Probleme: sehr hohe Energiekosten, wachsende Bürokratie sowie steigende Lohn- und Arbeitskosten.

Investitionsstau gefährdet Deutschlands Wirtschaftswachstum

Die Konsequenzen sind gravierend. „Banken analysieren genau die Ertragssituation von Unternehmen. Fällt diese schlechter aus, gibt es auch ungünstige Kreditkonditionen oder gar kein Kreditangebot", so Völz. Die Wirtschaftskrise sei damit auch im Bankensektor und bei der Kreditvergabe angekommen. Immer weniger Unternehmen investierten überhaupt noch in Deutschland – und wer investiere, betreibe lediglich Ersatz- oder Erhaltungsinvestitionen.

Die langfristigen Folgen für den Wirtschaftsstandort sind laut Völz besorgniserregend. Ohne echte Investitionsschübe entstünden kaum neue Produktionskapazitäten. „Wir haben seit sieben Jahren kein echtes Wachstum mehr in Deutschland. Wir dümpeln um die Null-Linie herum", stellt der BVMW-Chefvolkswirt fest. Auch viele ausländische Konzerne mieden den Standort Deutschland zunehmend.

Völz übt zudem scharfe Kritik an der aktuellen Wirtschaftspolitik. Mehr als 99 Prozent aller deutschen Unternehmen gehörten zum Mittelstand – doch die Rahmenbedingungen verschlechterten sich weiter. Die geplante Einkommensteuerreform belaste Personengesellschaften besonders hart, da deren Unternehmenssteuer die Einkommensteuer sei und der höhere Spitzensteuersatz sie direkt treffe. Auch die geplante Rentenreform erhöhe durch steigende Beitragssätze die Arbeitskosten zusätzlich.

„Langfristig wird all das zu deutlichen Wohlstandsverlusten führen. Derzeit suche ich händeringend nach einem Hoffnungsschimmer, dass es doch nicht so kommt", sagt Völz resigniert. Für Privatanleger, die in deutsche Mittelstandsunternehmen oder entsprechende Fonds investieren, sind diese strukturellen Warnsignale ein wichtiger Faktor bei der Risikoeinschätzung.

Laura Lang aus Neuwied lässt sich dennoch nicht entmutigen. Ihr Unternehmen plane trotz der schwierigen Lage weitere Expansionsschritte. „Die technische Entwicklung geht weiter und da müssen wir dranbleiben", sagt sie. Und: „Wir wollen in unser Unternehmen und in die Arbeitsplätze investieren. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber unserer Belegschaft." Den Weg zur Hausbank will sie dafür erneut gehen – trotz aller bisherigen Enttäuschungen.

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