Krebspatient wartet zwei Stunden auf zehnminütige CT-Untersuchung
Ein Erfahrungsbericht aus einem führenden US-Krebszentrum zeigt systemische Probleme bei der Terminplanung für schwerkranke Patienten.

Ein bewegender Leserbrief in MarketWatch schildert die frustrierende Realität vieler Krebspatienten in amerikanischen Gesundheitseinrichtungen. Die Autorin berichtet, wie sie gemeinsam mit ihrem an Krebs erkrankten Mann in einem führenden Krebszentrum – dem sogenannten PCCC – auf einen Routinetermin wartete. Obwohl das Paar bereits zehn Minuten vor dem angesetzten Termin um 7:20 Uhr erschien, mussten sie zwei volle Stunden ohne jegliche Erklärung warten.
Das eigentliche CT-Scan-Verfahren dauerte lediglich zehn Minuten. Dennoch zog sich der Aufenthalt derart in die Länge, dass der Radiologe keinen schriftlichen Befund mehr rechtzeitig erstellen konnte. Als der Onkologe des Mannes um 10:00 Uhr seinen Termin hatte, musste er die Bilder daher per Sichtdiagnose selbst interpretieren – ohne einen formellen radiologischen Bericht.
Kein Einzelfall – ein systemisches Problem
Die Autorin betont ausdrücklich, dass dieser Ablauf kein Ausnahmefall war. Nach ihren Angaben verliefen rund 90 Prozent der Arzttermine in den vergangenen sechs Jahren auf ähnliche Weise. Diese Zeitspanne verdeutlicht, wie lange das Paar bereits mit dem Gesundheitssystem in Berührung steht und wie chronisch das Problem der langen Wartezeiten offenbar ist.
Ihren Brief widmet die Autorin ausdrücklich dem Gedenken an all jene Patienten, die starben, während sie auf den Beginn ihrer Arzttermine warteten. Diese eindringliche Widmung unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Themas: Für Krebspatienten ist Zeit oft ein entscheidender Faktor – lange Wartezeiten sind nicht nur eine Frage des Komforts, sondern können im schlimmsten Fall lebensrelevante Konsequenzen haben.
Wartezeiten im Gesundheitswesen – ein globales Thema
Das geschilderte Problem ist keineswegs auf die USA beschränkt. Auch in Deutschland kennen viele Patienten lange Wartezeiten auf Facharzttermine oder diagnostische Untersuchungen. Besonders für onkologische Patienten, bei denen eine schnelle Diagnose und Behandlung entscheidend sein kann, stellen solche Verzögerungen eine erhebliche Belastung dar – körperlich wie psychisch.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer Bericht wirft grundlegende Fragen über die Organisation und Effizienz von Gesundheitseinrichtungen auf. Wenn ein zehnminütiger Scan zu einem zweistündigen Aufenthalt führt und am Ende kein vollständiger radiologischer Befund vorliegt, deutet dies auf strukturelle Schwächen in der Terminplanung und Kommunikation zwischen den beteiligten Fachabteilungen hin.
Der Leserbrief, erschienen bei MarketWatch, ist ein persönliches Zeugnis, das stellvertretend für viele Betroffene spricht. Er erinnert daran, dass hinter jedem Termin, jeder Wartenummer und jedem Scan ein Mensch steht – oft in einer der verletzlichsten Phasen seines Lebens.


