ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

KPMG-Skandal verschärft Krise der Big Four in Australien

Neue Verträge der Big Four mit der australischen Bundesregierung brachen auf A$348 Millionen ein – fast die Hälfte des Vorjahreswertes.

KPMG-Skandal verschärft Krise der Big Four in Australien

Der KPMG-Skandal um durchgesickerte Prüfungsinformationen setzt die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Australien weiter unter Druck. Eine Reuters-Analyse von Regierungsausschreibungen zeigt, dass das Volumen neuer Verträge der Big Four – KPMG, PwC, Deloitte und EY – mit der australischen Bundesregierung von A$637 Millionen im Vorjahr auf A$348 Millionen im Jahr 2025 eingebrochen ist. Das entspricht einem Rückgang von fast der Hälfte und verdeutlicht, wie entschlossen die Regierung handelt, um sich von den Branchengrößen des A$1,8-Milliarden-Sektors zu distanzieren.

KPMG steht im Zentrum des aktuellen Skandals: Das Unternehmen soll mutmaßlich vertrauliche Unternehmensinformationen an potenzielle Kunden aus dem Privatsektor weitergegeben haben, um sich um Prüfungsaufträge zu bewerben. Der CEO und der Chefprüfer sind bereits zurückgetreten, nachdem die Kanzlei einräumte, eine Whistleblower-Beschwerde über das mutmaßliche Fehlverhalten falsch gehandhabt zu haben. Zusätzlich hat das Unternehmen einen externen Governance-Berater beauftragt, seine Praktiken zu überprüfen.

Die australische Regierung reagierte umgehend: KPMG darf bis zum 30. September nicht an neuen Bundesausschreibungen teilnehmen. Auch die Reserve Bank of Australia kündigte an, KPMG wahrscheinlich nicht erneut mit dem Betrieb ihrer Whistleblower-Hotline zu beauftragen. Laut einer Reuters-Auswertung hält KPMG derzeit aktive Bundesverträge im Wert von rund A$650 Millionen – von Audits zur modernen Sklaverei in Lieferketten bis hin zu Cybersicherheitsdiensten.

Erinnerungen an den PwC-Skandal von 2023

Der aktuelle Fall weckt Erinnerungen an den PwC-Skandal aus dem Jahr 2023, als vertrauliche Details zur Steuerpolitik geteilt wurden, um Kunden zu gewinnen. PwC musste damals mehr als ein Jahr lang auf neue Regierungsaufträge verzichten und war gezwungen, sein Regierungsberatungsgeschäft – das ein Fünftel seines Umsatzes ausmachte – für den symbolischen Betrag von A$1 zu verkaufen. Der Umsatz von PwC sank im Geschäftsjahr 2024 infolgedessen um 26 Prozent.

Brendan Lyon, ein ehemaliger KPMG-Partner, warnt vor gravierenden finanziellen Folgen. „Es wird zweifellos Auswirkungen haben, und das wurde bereits von Politikern und verschiedenen Regierungsbehörden diskutiert", sagte Lyon. Regierungsaufträge machen einen großen Teil des Umsatzes der Big Four aus, und der jährliche Verlust von Hunderten Millionen könnte die finanzielle Stabilität der Firmen gefährden.

Stephen Bartos, ein ehemaliger stellvertretender Staatssekretär im australischen Finanzministerium, sieht weitreichende Konsequenzen: „Es weckt bei Regierungsbehörden die Befürchtung, dass vertrauliche Materialien der Regierung missbraucht werden könnten. Daher werden Regierungsbehörden zögern, KPMG zu beauftragen." Er ergänzte, dass auch Regierungen der Bundesstaaten ihre Ausgaben kürzen könnten – was in der Summe noch mehr ausmache als die Aufträge der Bundesregierung.

Politischer Druck auf Regulierung wächst

Die Skandale haben in Australien eine breite politische Debatte über die Regulierung der Big Four ausgelöst. Parlamentarische Untersuchungen, die durch den PwC-Skandal angestoßen wurden, führten zu Dutzenden von Empfehlungen – darunter eine Obergrenze für die Anzahl der Partner zur Verbesserung der Rechenschaftspflicht sowie ein Verbot der gleichzeitigen Erbringung von Prüfungs- und Beratungsleistungen zur Vermeidung von Interessenkonflikten. Umgesetzt wurden diese grundlegenden Änderungen bislang jedoch nicht.

Senatorin Barbara Pocock von den Grünen fordert ein entschlossenes Vorgehen: „Es ist an der Zeit, diese unkontrollierten Millionen-Dollar-Partnerschaften dazu zu zwingen, dieselben Disziplinen wie Großunternehmen anzuwenden. Sie haben ihre gesellschaftliche Akzeptanz für eine Sonderbehandlung bei Steuern, Transparenz und dem Umgang mit Whistleblowern verloren." Der konservative Senator Richard Colbeck, der eine Untersuchung über den Einsatz externer Berater leitete, sieht die aufeinanderfolgenden Skandale als Zeichen, dass „in diesem Marktsegment wahrscheinlich eine gewisse Umstrukturierung bevorsteht".

Die Probleme der Big Four beschränken sich nicht auf Australien. In Großbritannien wurden alle vier Unternehmen in den vergangenen Jahren wegen Fehlverhaltens bei Prüfungen sanktioniert. In den USA stimmte EY 2022 der Zahlung von 100 Millionen US-Dollar zu, um Vorwürfe beizulegen, wonach Mitarbeiter bei Prüfungen für Wirtschaftsprüfer geschummelt hatten. Australien, die zwölftgrößte Volkswirtschaft der Welt, hatte jahrelang die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern ausgebaut – angesichts der zunehmenden Skandale könnten diese Schritte nun weiter rückgängig gemacht werden.

Kpmg Skandal AustralienBig Four WirtschaftsprüfungPwc AustralienRegierungsverträge AustralienWirtschaftsprüfung RegulierungKpmg WhistleblowerDeloitte Ey Australien

Disclaimer