KPMG Australien: Parlament fordert schärfere Regulierung der Wirtschaftsprüfer
Nach einem Whistleblower-Skandal befragten australische Parlamentarier KPMG-Führungskräfte und diskutierten strengere Aufsicht über die Big Four.

Australische Parlamentarier haben am Freitag KPMG-Führungskräfte in einer ganztägigen öffentlichen Anhörung ins Kreuzverhör genommen. Hintergrund sind schwerwiegende Vorwürfe des Fehlverhaltens, die bereits zum Rücktritt des australischen KPMG-CEOs Andrew Yates sowie des Leiters der Wirtschaftsprüfung geführt haben. Es ist der zweite große Skandal in der australischen Wirtschaftsprüfungsbranche seit dem aufsehenerregenden PwC-Steuerleaks-Skandal aus dem Jahr 2023.
Ein Whistleblower wirft KPMG vor, vertrauliche Unterlagen des Immobilienunternehmens Lendlease missbraucht zu haben. Diese sollen dazu gedient haben, Angebote für bedeutende Prüfungsausschreibungen der Großbank Westpac und des Immobilienkonzerns Dexus zu unterstützen. KPMG räumte ein, die Whistleblower-Beschwerde falsch gehandhabt zu haben, und leitete eine vierte Untersuchung ein – nachdem vorangegangene Prüfungen kein Fehlverhalten nachweisen konnten.
Zweifel an der Partnerschaftsstruktur der Big Four
Die Grünen-Senatorin Barbara Pocock warf KPMG vor, im Streben nach kommerziellem Gewinn „jegliche ethischen Erwägungen übergangen" zu haben. Sie zog dabei direkte Parallelen zum PwC-Skandal und stellte die grundsätzliche Frage, ob die Partnerschaftsstruktur der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften noch zeitgemäß sei. „Ist die Partnerschaftsstruktur in diesem Zusammenhang nicht mehr funktionsfähig? Wir sitzen hier zum zweiten Mal, erst PwC und jetzt Sie", sagte Pocock.
Der Kern des Problems liegt in der rechtlichen Einordnung der Firmen: Als Partnerschaften – und nicht als Kapitalgesellschaften – unterliegen die Big Four nicht der Aufsicht der Australian Securities and Investments Commission (ASIC), die strenge Berichtspflichten vorschreibt. Stattdessen fallen sie unter einzelstaatliche Gesetze, was die Aufsicht erheblich erschwert.
Deborah O'Neill, Senatorin der regierenden Labor-Partei, schloss sich diesen Bedenken an und fragte provokant, ob es in der Firma lediglich „faule Äpfel" gebe oder ob „das ganze Fass verrottet" sei. Yates wies die schärfste Kritik zurück: „Ich sehe mich selbst nicht als faulen Apfel. Und ich glaube auch nicht, dass die Firma voller fauler Äpfel ist. Wir sind eine große, komplexe Organisation und wir sind fehlbar."
Whistleblower soll schwer unter Druck gelitten haben
Besonders brisant waren die Aussagen zur Behandlung des Whistleblowers. Mitglieder des gemeinsamen parlamentarischen Ausschusses für Unternehmen erfuhren, dass der Computer des Whistleblowers nach dessen Beschwerde bei der Firma wiederholt durchsucht wurde. Zudem sei ihm kein rechtlicher Schutz gewährt worden.
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Zur AktienanalysePaul Scarr, Senator der rechtsgerichteten Liberal Party, erklärte, der Whistleblower habe aufgrund der Behandlung durch KPMG „einen horrenden persönlichen, psychischen und beruflichen Preis gezahlt". Yates gestand Fehler ein: „Wir haben es nicht richtig gemacht. Wir haben dafür gesorgt, dass sie sich nicht wohlfühlten."
Auf die Frage, warum es so lange gedauert habe, die Beschwerde an die Unternehmensführung weiterzuleiten, erklärte Yates, er habe damals gezögert, das Thema mit 680 Partnern zu teilen. O'Neill entgegnete, dass es in einer Kapitalgesellschaftsstruktur eine klar verantwortliche Führungskraft für solche Angelegenheiten gegeben hätte – ein Strukturproblem, das die gesamte Debatte um eine mögliche Regulierungsreform befeuert.
Die Anhörung verdeutlicht, dass Australien nach dem PwC-Skandal von 2023 erneut vor der Frage steht, wie die mächtigsten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt wirksam kontrolliert werden können. Eine konkrete Gesetzesänderung wurde bislang nicht angekündigt, doch der politische Druck auf die Branche wächst spürbar.


