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KPMG Australien: CEO und Prüfungschef treten nach Whistleblower-Skandal zurück

Mängel bei der Aufarbeitung von Whistleblower-Beschwerden über unangemessene Kundendatenweitergabe kosten zwei Führungskräfte ihre Posten.

KPMG Australien: CEO und Prüfungschef treten nach Whistleblower-Skandal zurück

Die australische Niederlassung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG steht vor einem schweren Vertrauensverlust: CEO Andrew Yates und der Managing Partner für Wirtschaftsprüfung und Assurance, Julian McPherson, sind zurückgetreten. Auslöser ist der mangelhafte Umgang des Unternehmens mit Beschwerden eines Whistleblowers über die unangemessene Weitergabe von Kundendokumenten.

Yates, der 1990 in das Unternehmen eintrat und seit 2021 als CEO fungierte, erklärte in einer offiziellen Mitteilung: „Es ist offensichtlich, dass wir uns in diesem Fall selbst enttäuscht haben, und ich übernehme die Verantwortung." McPherson schloss sich dieser Einschätzung an: „Es sind Angelegenheiten aufgetreten, für die ich verantwortlich bin, und ich übernehme die Verantwortung." McPherson wird das Unternehmen nach einer geordneten Übergangsphase verlassen.

Interne Untersuchungen als unzureichend eingestuft

Laut KPMG hatte ein Whistleblower insgesamt drei Beschwerden über die unangemessene Weitergabe von Kundendokumenten eingereicht. Frühere interne Untersuchungen hatten diese Vorwürfe zunächst als unbegründet eingestuft. Das Unternehmen räumt nun jedoch ein, dass diese Prozesse „unzureichend waren" und hinter den Erwartungen des Unternehmens, des Whistleblowers und der breiteren Öffentlichkeit zurückgeblieben sind.

Als Reaktion hat KPMG eine Anwaltskanzlei sowie einen Berater für Unternehmensethik beauftragt, die internen Whistleblower-Richtlinien und -Prozesse zu überprüfen. Chairman Martin Sheppard betonte in der Mitteilung: „Wir sind uns bewusst, dass wir Arbeit vor uns haben, um Vertrauen zurückzugewinnen. Deshalb verlangen wir von niemandem, uns beim Wort zu nehmen. Wir laden dazu ein, unsere Korrekturmaßnahmen kritisch zu prüfen und zu hinterfragen."

Regulierungsbehörde ASIC leitet Untersuchung ein

Parallel zu den internen Konsequenzen hat die australische Finanzmarktaufsicht ASIC (Australian Securities and Investments Commission) eine vorläufige Untersuchung eingeleitet. Kommissarin Kate O'Rourke erklärte vor einer parlamentarischen Anhörung, dass die Behörde das Verhalten von drei bei KPMG registrierten Wirtschaftsprüfern untersuche – ohne die Namen der betroffenen Personen zu nennen. ASIC-Vorsitzender Joe Longo, der sein Amt am 31. Mai niederlegt, stellte klar, dass die Aufsichtsbehörde nicht an den Rücktritten beteiligt war.

Der Skandal trifft KPMG zu einem besonders heiklen Zeitpunkt. Das Unternehmen prüft einige der größten Konzerne Australiens, darunter die Großbanken Westpac und ANZ sowie die Investmentbank Macquarie Group. ANZ lehnte eine Stellungnahme ab, während Westpac und Macquarie zunächst nicht für einen Kommentar erreichbar waren. Welche Kunden konkret von der mutmaßlich unangemessenen Datenweitergabe betroffen sind, ließ KPMG offen.

Erinnerungen an den PwC-Skandal von 2023

Die Vorgänge bei KPMG rücken die gesamte australische Wirtschaftsprüfungsbranche erneut in den Fokus. Bereits 2023 erschütterte ein schwerwiegender Skandal den Sektor: Der Konkurrent PwC soll vertrauliche Informationen der australischen Regierung an potenzielle Kunden weitergegeben haben. Die Folgen waren gravierend – die Regierungsberatungssparte von PwC wurde abgespalten, und zahlreiche Mitarbeiter verließen das Unternehmen.

Der aktuelle Fall bei KPMG zeigt, dass die Branche weiterhin mit strukturellen Problemen im Umgang mit internen Hinweisgebern kämpft. Für deutsche Anleger und institutionelle Investoren, die auf die Verlässlichkeit internationaler Wirtschaftsprüfer angewiesen sind, unterstreicht der Vorfall die Bedeutung robuster Compliance- und Whistleblower-Systeme in der Branche.

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