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Konflikt-Coltan aus dem Kongo in Lieferketten von Sony, Microsoft und Nvidia

Ein neuer Bericht von Global Witness enthüllt, wie geschmuggeltes Coltan aus dem Kongo in Lieferketten großer Technologiekonzerne gelangt.

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Konflikt-Coltan aus dem Kongo in Lieferketten von Sony, Microsoft und Nvidia

Aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo geschmuggeltes Coltan ist offenbar in die Lieferketten einiger der weltweit größten Technologie- und Automobilunternehmen gelangt. Das zeigt ein neuer Bericht der Londoner Investigativorganisation Global Witness. Betroffen sind demnach Konzerne wie Sony, Microsoft, Amazon, Nvidia, LG Display, Ericsson, Toyota und Vodafone.

Die Minen im Bergbaugebiet Rubaya in der Provinz Nord-Kivu stehen seit rund zwei Jahren unter der Kontrolle der bewaffneten Gruppe M23. Global Witness stellte fest, dass fünf der sieben größten Coltan-Exporteure Ruandas Material aus genau diesem Konfliktgebiet bezogen haben. Das geschmuggelte Mineral gelangte so über Ruanda in internationale Lieferketten.

Coltan – kurz für Columbit-Tantalit – ist ein strategisch bedeutsames Mineral, das in Smartphones, Computern, Spielkonsolen und anderer Elektronik eingesetzt wird. Auf das Bergbaugebiet Rubaya entfallen laut dem Bericht rund 15 Prozent der weltweiten Coltan-Produktion, was die Region für die globale Elektronikindustrie von erheblicher Bedeutung macht.

Untersuchung über zwei Jahre

Die Untersuchung deckte den Zeitraum von 2023 bis September 2025 ab. Für den Bericht stützte sich Global Witness auf Handelsdaten, Feldforschung sowie Interviews mit mehr als 70 Quellen. Die Ergebnisse zeichnen ein beunruhigendes Bild über die Wirksamkeit bestehender Kontrollmechanismen in der Mineralienlieferkette.

„Hinter unserer Alltagstechnik verbirgt sich eine Lieferkette, die von Gewalt, Ausbeutung und menschlichem Leid geprägt ist", sagte Alex Kopp, Senior Policy and Advocacy Advisor bei Global Witness. „Die Unternehmen hinter unseren Telefonen, Computern und Autos waren nicht in der Lage oder nicht willens, ihre Lieferketten zu bereinigen."

Der Bericht stellt auch die Verlässlichkeit etablierter Zertifizierungssysteme infrage. Global Witness behauptet, dass das ITSCI-Rückverfolgungssystem dazu benutzt wurde, erhebliche Mengen an geschmuggeltem Coltan zu „waschen". Darüber hinaus soll konfliktbehaftetes Material auch in das „Better Mining"-System gelangt sein. Zudem hätten Audits im Rahmen der Responsible Minerals Initiative (RMI) beträchtliche Mengen an Konflikt-Coltan in den Lieferketten der Schmelzhütten nicht identifiziert.

Unternehmen widersprechen den Vorwürfen

Mehrere der genannten Unternehmen und Organisationen bestritten die Ergebnisse oder fochten Teile davon an. Toyota erklärte, das Ziel sei die Beschaffung konfliktfreier Mineralien durch Sorgfaltsprüfungen bei Lieferanten. Sony gab an, von seinen Zulieferern die Einhaltung seiner Beschaffungsstandards zu erwarten.

Ericsson erklärte, dass die von Global Witness identifizierten Schmelzhütten die Anforderungen der Responsible Minerals Initiative erfüllten, und kündigte an, die genannten Fälle zu prüfen. Der Rohstoffhändler Traxys bestritt den Bezug von Konfliktmineralien. Better Mining dementierte, Coltan aus Konfliktgebieten zertifiziert zu haben, und ITSCI betonte, sein System sei weiterhin aktiv und funktionsfähig.

Nvidia, Amazon, Microsoft, Vodafone und LG Display reagierten laut Global Witness hingegen nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.

Wachsender Druck auf Industrie und Politik

Die Untersuchung fällt in eine Zeit, in der Regierungen und Hersteller weltweit unter zunehmendem Druck stehen, die Lieferketten für kritische Mineralien transparenter und sicherer zu gestalten. Für deutsche Verbraucher und Anleger ist das Thema besonders relevant, da zahlreiche der genannten Konzerne auch hierzulande stark vertreten sind.

Der Bericht schließt mit der Forderung nach strengerer Durchsetzung bestehender Regeln, mehr unternehmerischer Rechenschaftspflicht sowie Sanktionen gegen diejenigen, die den Konflikt finanzieren oder von ihm profitieren. Nur so könne verhindert werden, dass Mineralien, die mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen, weiterhin auf die internationalen Märkte gelangen.

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