Knorr-Bremse auf Renditekurs unter Marc Llistosella
Effizienzsteigerung und Portfolio-Bereinigung stoßen auf geteilte Reaktionen im Unternehmen

Marc Llistosella hat als Vorstandsvorsitzender von Knorr-Bremse seit Anfang 2023 erhebliche Veränderungen im Unternehmen initiiert. Unter seiner Leitung konnte der weltweit führende Anbieter von Brems- und Bremssystemen für Lkw und Züge seine operative Rendite steigern, was in der aktuellen, angespannten geopolitischen Lage bemerkenswert ist. Mit einer Renditesteigerung von 10,9 auf 12,3 Prozent seit Jahresbeginn zeigt sich Knorr-Bremse stabiler als viele Konkurrenten, die Werke schließen und Stellen abbauen müssen. Der Umsatz in der Trucksparte ist zwar rückläufig, doch das Geschäft im Zugsegment wächst durch die hohe Nachfrage nach neuen Zügen und deren notwendiger Ausstattung mit Bremssystemen in Europa und den USA.
Llistosella verfolgt eine klare Strategie zur Effizienzsteigerung. Teil dieser Strategie ist eine tiefgreifende Portfoliobereinigung, bei der Geschäftsbereiche im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro überprüft werden; etwa die Hälfte davon soll veräußert werden. Zudem will der Vorstand das profitable Geschäft mit Ersatzteilen, Wartung und Dienstleistungen weiter ausbauen. Ziel ist es, die operative Rendite bis 2026 auf 14 Prozent zu erhöhen.
Unterstützt wird Llistosella von Reinhard Ploss, dem Aufsichtsratschef, der ihn gegen interne Bedenken durchsetzte. Ploss erkannte, dass viele Vorgänger an der Machtstruktur innerhalb des Unternehmens gescheitert waren. Anders als seine Vorgänger setzt Llistosella auf eine strukturierte Vorgehensweise, während der vormalige Vorstand Heinz Hermann Thiele häufig aus dem Bauch heraus agierte. Diese systematische Herangehensweise spiegelt sich in seinem „Housekeeping“-Programm wider, bei dem zahlreiche Geschäftsbereiche auf den Prüfstand gestellt werden.
Einige dieser Maßnahmen, wie der Verkauf des Düsseldorfer Traditionsunternehmens Kiepe und anderer margenschwacher Geschäftsfelder, sollen die Effizienz des Unternehmens steigern. Zusätzlich hat Knorr-Bremse im vergangenen Sommer die Signaltechnik von Alstom in den USA übernommen, um das Servicegeschäft auszubauen. Dies reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit von China und bringt das Unternehmen seinem Ziel, sich verstärkt im Servicebereich zu etablieren, einen Schritt näher.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDennoch stoßen Llistosellas Veränderungen im Unternehmen nicht überall auf Zustimmung. Die Anwesenheit von Beratern und seine durchsetzungsstarke Art sorgen teilweise für Unmut in der Führungsriege. Auch gibt es Kritik an der vermeintlich kurzfristigen Portfoliooptimierung, die manchen als Gefahr für die technologische Führerschaft erscheint. Llistosella bleibt jedoch entschlossen, das Unternehmen zu einem schlankeren und profitableren Akteur im Markt zu formen.

