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Knauf scheitert mit Rückzug aus Russland

Abbruch der Verkaufsverhandlungen verzögert Ausstieg – Geschäfte laufen weiter unter lokalem Management

Knauf scheitert mit Rückzug aus Russland

Der Rückzug des Baustoffherstellers Knauf aus Russland gestaltet sich deutlich schwieriger als geplant. Trotz intensiver Verhandlungen über mehr als ein Jahr ist es dem Unternehmen bislang nicht gelungen, sein Russland-Geschäft zu veräußern. Der potenzielle Käufer hat die Gespräche nach Angaben des Konzerns aus Iphofen im Landkreis Kitzingen überraschend beendet. Über die Identität des Verhandlungspartners machte Knauf keine Angaben. Damit steht das Vorhaben, die Aktivitäten in Russland vollständig abzugeben, vorerst still.

Knauf hatte im April des vergangenen Jahres angekündigt, sich aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine aus Russland zurückzuziehen. Bislang blieb dieser Schritt jedoch ohne konkretes Ergebnis. Das Unternehmen beschäftigt in Russland rund 4500 Mitarbeiter, was mehr als zehn Prozent der weltweiten Belegschaft ausmacht. Die Geschäfte vor Ort werden weiterhin vom lokalen Management geführt. Nach Konzernangaben fließen aus dem Russland-Geschäft keine Gewinne an die Knauf-Gruppe zurück. Parallel dazu treibt das Unternehmen den Aufbau neuer Aktivitäten in der Ukraine voran.

Der Konzern betont, sich strikt an die geltenden Sanktionen zu halten. Es würden seit Jahren keine Waren mehr aus Russland in die Europäische Union exportiert oder umgekehrt aus der EU nach Russland geliefert. Diese Linie verfolgt Knauf nach eigener Aussage konsequent seit Beginn des Krieges. Trotz des erklärten Rückzugs bleibt das Russland-Geschäft damit ein organisatorischer, rechtlicher und politischer Balanceakt für das Familienunternehmen.

Innerhalb der Unternehmerfamilie Knauf soll es Berichten zufolge unterschiedliche Auffassungen über den richtigen Umgang mit dem Russland-Geschäft geben. Einige Familienmitglieder sollen bereits vor Jahren für einen Verkauf plädiert haben, während andere eine andere Haltung eingenommen hätten. Zudem wurde in den vergangenen Monaten bekannt, dass es geheime Gespräche mit russischen Oligarchen geben soll.

Knauf sah sich außerdem mit Vorwürfen konfrontiert, in Russland nicht vollständig sanktionskonform zu agieren und den dortigen Markt weiterhin mit Baustoffen zu unterstützen. Das Unternehmen wies diese Kritik zurück. Es erklärte, dass Knauf-Produkte in Russland ausschließlich an unabhängige Baustoffhändler verkauft würden und man keinen Einfluss auf deren weitere Verkäufe habe.

Die Knauf-Gruppe gehört zu den größten Baustoffproduzenten weltweit. Das Familienunternehmen betreibt mehr als 320 Produktionsstätten und Vertriebsorganisationen in über 90 Ländern. Im Jahr 2024 erwirtschaftete der Konzern mit rund 43.500 Beschäftigten einen Umsatz von 15,6 Milliarden Euro.

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