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Klimawandel als Geschäftsrisiko: Wie Unternehmen hitzefest werden

Extremhitze kostet Europa Milliarden – Uniqlo, Eurostar, BASF und Deutsche Bahn rüsten ihre Geschäftsmodelle grundlegend um.

Klimawandel als Geschäftsrisiko: Wie Unternehmen hitzefest werden

Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent. Was früher als seltener Ausnahmesommer galt, ist längst zur neuen Normalität geworden – mit gravierenden Folgen für Unternehmen aller Branchen. Zwischen 2021 und 2024 verursachten Extremwetterereignisse in Europa Schäden von 40 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr. Seit 1980 summieren sich die Schäden auf rund 822 Milliarden Euro.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind messbar: Laut OECD-Daten sinkt die jährliche Arbeitsproduktivität bereits um 0,3 Prozent, wenn es lediglich zehn zusätzliche Hitzetage gibt. Der Klimawandel ist damit längst kein abstraktes Zukunftsproblem mehr – er ist ein handfestes operatives Geschäftsrisiko.

Uniqlo: Wenn der Sommer zum Problem wird

Für den japanischen Modehändler Uniqlo sind die Sommermonate eigentlich die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Leinenhemden, atmungsaktive Oberteile und Shorts laufen dann besonders gut. Doch zuletzt musste das Unternehmen in Europa einzelne Filialen zeitweise schließen oder die Öffnungszeiten verkürzen. Finanzchef Takeshi Okazaki sprach bei der Vorlage der Quartalszahlen von teilweise gefährlichen Bedingungen, weil die Gebäude für extreme Temperaturen schlicht nicht ausgelegt seien.

Der Mutterkonzern Fast Retailing reagiert mit einem ganzen Maßnahmenpaket: Klimaanlagen in europäischen Filialen werden überprüft, Abläufe für schnellere Wiedereröffnungen nach hitzebedingten Schließungen entwickelt und Lieferketten widerstandsfähiger gestaltet. Gleichzeitig verändert die Hitze auch die Nachfrage: Die ursprünglich für Japans feucht-heißes Klima entwickelte AIRism-Kollektion sowie UV-Schutzkleidung gewinnen auch in Europa stark an Bedeutung. Uniqlo plant nun mit einer längeren Sommersaison und hält größere Bestände an Sommerware vor – der Klimawandel wird so zugleich zum Absatzrisiko und zur Geschäftschance.

Eurostar und Deutsche Bahn: Infrastruktur für eine heißere Zukunft

Kaum eine Branche spürt die Folgen extremer Hitze so unmittelbar wie der Schienenverkehr. Der internationale Hochgeschwindigkeitsbahnbetreiber Eurostar, der London mit Paris, Brüssel und Amsterdam verbindet, hat die technischen Anforderungen an seine neue Zugflotte kurzfristig angehoben: Statt bisher 45 Grad müssen die neuen Züge künftig 55 Grad Celsius aushalten. Der Auftrag umfasst bis zu 50 neue Alstom-Züge im Wert von rund zwei Milliarden Euro, die bis in die 2060er-Jahre im Einsatz sein sollen.

Darüber hinaus werden an heißen Tagen Klimaanlagen täglich überprüft, zusätzliche Wartungsteams bereitgehalten und mehr Trinkwasserreserven an Bord geladen. Auch die Deutsche Bahn investiert massiv in Klimaresilienz. Mithilfe regionaler Klimamodelle identifiziert sie Schwachstellen im Netz und passt die Infrastruktur gezielt an. Jährlich fließen 125 Millionen Euro in das sogenannte Vegetationsmanagement. Seit 2018 sind Sturmschäden durch umgestürzte Bäume dadurch um 25 Prozent zurückgegangen. Der ICE 4 ist bereits für Außentemperaturen von 45 Grad ausgelegt, ältere Züge werden schrittweise nachgerüstet.

DHL und Baubranche: Schutz für Beschäftigte im Freien

Für viele Unternehmen geht es zunächst darum, ihre Mitarbeiter vor der zunehmenden Hitze zu schützen. Bei DHL betrifft das allein in Deutschland mehr als 111.000 Brief- und Paketzusteller. Während der Hitzewelle Ende Juni stattete der Konzern seine Zusteller mit sogenannten Cool-Boxen aus – darin: wiederverwendbare Kühltücher, wasseraktivierte Handgelenkkühler und UV-schützende Nackentücher sowie leichte UV-Schutzkleidung.

Besonders stark betroffen ist auch die Baubranche. Viele Unternehmen verlagern die Arbeitszeiten, um die heißesten Stunden des Tages zu meiden, schaffen zusätzliche Schattenplätze und ordnen mehr Trinkpausen an. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft empfiehlt, Arbeiten in die frühen Morgenstunden zu verlegen und technische Schutzmaßnahmen wie Wetterschutzzelte einzusetzen.

Covestro und BASF: Klimarisiken in der Investitionsplanung

Großkonzerne integrieren den Klimawandel inzwischen systematisch in ihre Investitionsplanung. Der Chemiekonzern Covestro bewertet regelmäßig, wie sich Hitze, Wasserknappheit, Starkregen oder Überschwemmungen auf seine 47 Produktionsstandorte bis 2030, 2040 und 2050 auswirken könnten. Bislang hat Covestro drei Standorte in Asien identifiziert, die zusätzlich gegen den steigenden Meeresspiegel und Überschwemmungen geschützt werden müssen.

Beim Ludwigshafener Chemiekonzern BASF ist dieser Prozess noch enger mit dem operativen Geschäft verknüpft. Wird an einem Standort ein Klimarisiko mit einem möglichen Schaden von mehr als zehn Millionen Euro identifiziert, muss zwingend ein Anpassungsplan entwickelt werden. Zu den größten Risiken zählt Niedrigwasser im Rhein, über den das Stammwerk Ludwigshafen mit Rohstoffen versorgt wird. Um auch bei niedrigen Pegelständen lieferfähig zu bleiben, setzt BASF auf spezielle Niedrigwasser-Binnenschiffe, alternative Transporte per Schiene und Straße sowie Frühwarnsysteme für Wasserstände.

Die Beispiele zeigen: Klimaresilienz ist für Unternehmen keine freiwillige Kür mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Für Privatanleger bedeutet das, bei der Aktienauswahl zunehmend auch darauf zu achten, wie gut ein Unternehmen auf die physischen Risiken des Klimawandels vorbereitet ist.

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