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Kleinunternehmen klagen gegen Trumps neue Zollwelle gegen 60 Länder

Weniger als einen Tag nach Inkrafttreten der neuen US-Zölle reichten Kleinunternehmen Klage gegen die Trump-Regierung ein.

Kleinunternehmen klagen gegen Trumps neue Zollwelle gegen 60 Länder

Eine Gruppe von Kleinunternehmen hat am Freitag Klage gegen die Trump-Regierung eingereicht – und das weniger als 24 Stunden nach Inkrafttreten der jüngsten Zollwelle gegen 60 US-Handelspartner. Die Klage wurde vom Liberty Justice Center beim Court of International Trade in New York eingereicht. Dabei handelt es sich um dieselbe Organisation, die bereits im vergangenen Jahr Trumps Zölle auf Basis des International Emergency Economic Powers Act angefochten und ein wegweisendes Urteil gegen die Regierung vor dem Obersten Gerichtshof erwirkt hatte.

Das Liberty Justice Center klagt im Namen zweier Kleinunternehmen: dem in New York ansässigen Online-Gewürzhändler Burlap & Barrel sowie Collective Horology aus Kalifornien, einem Einzelhändler, der laut Liberty Justice unabhängige Uhrmacher unterstützt. Beide Unternehmen sind direkt von den neuen Abgaben betroffen und sehen ihre wirtschaftliche Existenz durch die pauschalen Zölle gefährdet.

Kernvorwurf: Willkürliches und launenhaftes Handeln

Die Klageschrift wirft dem US-Handelsbeauftragten (USTR) vor, „willkürlich und launenhaft gehandelt" zu haben, indem er „nahezu einheitliche Zölle gegen 60 materiell unterschiedliche Volkswirtschaften verhängte, ohne eine begründete, auf Fakten basierende Erklärung dafür zu liefern, wie die Zölle die vom USTR identifizierten Praktiken adressieren würden". Der Antrag fordert das Handelsgericht zudem auf, alle unrechtmäßig im Rahmen der Section-301-Maßnahme erhobenen Zölle zurückzuerstatten.

Jeffrey Schwab, Leiter der Rechtsabteilung beim Liberty Justice Center, machte in einer Erklärung deutlich, worum es im Kern geht: „Dies ist das dritte Mal, dass die Regierung versucht hat, ihre globale Zollpolitik durchzusetzen, ohne die gesetzlichen Grenzen einzuhalten." Schwab betonte zudem, dass Section 301 „keine freistehende Ermächtigung ist, im Wesentlichen alle Importe aus im Wesentlichen allen Ländern mit vorab festgelegten Sätzen zu besteuern". Die Klage bestreite dabei nicht das Recht der Regierung, Zwangsarbeit zu bekämpfen – sie fechte jedoch die Befugnis des USTR an, pauschale Zölle zu verhängen, ohne die länderspezifischen Anforderungen von Section 301 zu erfüllen.

Die neuen Zölle: Was sich geändert hat

Pünktlich um Mitternacht lief Trumps vorübergehender globaler Zoll von 10 Prozent aus. An dessen Stelle kündigte die Regierung neue Zölle gegen 60 Volkswirtschaften weltweit an. Diese Abgaben reichen von 10 bis 12,5 Prozent, wobei es eine Reihe von Ausnahmen gibt – unter anderem für bestimmte Lebensmittel und Kraftstoffe sowie für Automobile und einige Metalle.

Die Regierung verhängte die neuen Abgaben unter Section 301 des Trade Act von 1974, die Anfang des Jahres vom Obersten Gerichtshof nicht gekippt worden war. Als Begründung führte der USTR monatelange Untersuchungen bei Dutzenden von Handelspartnern an. Diese hätten ergeben, dass die 60 Volkswirtschaften es versäumt hätten, „ein Verbot der Einfuhr von Waren, die mit Zwangsarbeit hergestellt wurden, einzuführen und wirksam durchzusetzen".

Internationale Reaktionen: Scharfe Kritik aus aller Welt

Wichtige Handelspartner der USA wiesen die Vorwürfe der Trump-Regierung umgehend zurück. Die Chefsprecherin der Europäischen Kommission, Paula Pinho, erklärte am Freitag vor Journalisten: „Wir stimmen der Prämisse dieser Section-301-Untersuchung zu Zwangsarbeit nicht zu und haben dies auch unseren US-Gesprächspartnern mitgeteilt." Sie fügte hinzu: „Wir weisen die Vorstellung, dass die EU als Mitverursacher des globalen Problems der Zwangsarbeit betrachtet werden könnte, vollumfänglich zurück."

Auch Brasilien reagierte mit deutlichen Worten. In einer Pressemitteilung der brasilianischen Regierung hieß es, der USTR habe sich dazu entschieden, „ein Thema von großer Bedeutung für die Menschenrechte und den Kampf der Arbeitnehmer weltweit zu manipulieren, um 59 Länder und die Europäische Union unlauterer Praktiken zu bezichtigen". Ein Sprecher der japanischen Regierung bezeichnete die neuen Abgaben als „bedauerlich" und betonte, dass Japans Wirtschaft „im Einklang mit internationalen Regeln" agiere. Auch China, Kanada und Großbritannien wiesen die Vorwürfe zurück.

Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme zu der eingereichten Klage. Für deutsche Anleger und Unternehmen mit US-Geschäft bleibt die Lage damit weiterhin unübersichtlich – der Ausgang des Verfahrens vor dem Court of International Trade könnte jedoch weitreichende Konsequenzen für die gesamte US-Zollpolitik haben.

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