Klage wirft Trump illegale Krypto-Profite aus dem Ausland vor
Eine Klage in Washington wirft Präsident Trump und World Liberty Financial vor, sich an mehr als zwei Milliarden Dollar ausländischer Krypto-Transaktionen bereichert zu haben.

Eine am Donnerstag vor dem US-Bezirksgericht in Washington eingereichte Klage wirft Präsident Donald Trump und dessen Kryptounternehmen vor, sich „korrupt“ an mehr als 2 Milliarden Dollar aus Transaktionen mit digitalen Währungen bereichert und dabei verfassungsrechtliche Beschränkungen für die Annahme ausländischer Gelder verletzt zu haben.
Kläger ist der Aktionär und frühere Circle-Mitarbeiter J. Benjamin Greenberg. Laut Klageschrift reicht er die derivative Klage im Namen des Kryptounternehmens Circle ein. Circle erklärte jedoch gegenüber CNBC, das Unternehmen stehe nicht hinter der Klage und kommentiere anhängige Rechtsstreitigkeiten grundsätzlich nicht. „Circle hat die Einreichung nicht initiiert, angeordnet, genehmigt oder daran teilgenommen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.
Als Beklagte nennt die Klage Trump, das von der Familie mitgegründete Unternehmen World Liberty Financial sowie den US-Sonderbeauftragten für den Nahen Osten, Steve Witkoff, und vier damit verbundene Limited-Liability-Gesellschaften. Das Weiße Haus und ein Sprecher Witkoffs reagierten zunächst nicht auf Anfragen von CNBC nach einer Stellungnahme. Greenberg verlangt neben einer gerichtlichen Feststellung, dass Trumps Gewinne gegen die Verfassung verstoßen, auch, dass der Präsident alle weiteren ausländischen Krypto-Emolumente offenlegt und als illegal eingestufte Gewinne zurückzahlt.
Die Details
Im Zentrum der Klage stehen zwei angebliche Fälle „illegaler ausländischer Emolumente“, die mit World Liberty und Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan zusammenhängen, dem Berater für nationale Sicherheit der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Tahnoon gilt der Klage zufolge als „Spion-Scheich“, eine Anspielung auf seine einflussreiche Rolle in den Geheimdiensten. Wenige Tage vor Trumps Amtseinführung im Januar 2025 einigte sich eine von Tahnoon unterstützte Einheit darauf, einen 49-prozentigen Anteil an World Liberty für 500 Millionen Dollar zu erwerben.
Das Wall Street Journal, das die Transaktion im Januar 2026 offenlegte, berief sich auf die Angabe des Unternehmens, Trump habe keine Beteiligung an der Vereinbarung gehabt. Trumps eigene finanzielle Offenlegungen legen der Klage zufolge jedoch nahe, dass er nach seinem Amtsantritt Millionen von Dollar aus diesem Kauf erhalten würde. Der zweite Vorwurf betrifft ein „Schema“ eines in Abu Dhabi ansässigen Investmentfonds, der von Tahnoon geleitet wird. Dieser Fonds soll den Wert von Trumps Krypto-Beständen künstlich in die Höhe getrieben haben, indem er im vergangenen Jahr Stablecoins des Typs USD1 von World Liberty für 2 Milliarden Dollar kaufte.
Die Klage argumentiert, dass beide Vorgänge gegen die Foreign Emoluments Clause der US-Verfassung verstoßen. Diese Klausel verbietet Bundesbeamten, Geld oder andere Geschenke von ausländischen Beamten ohne Zustimmung des Kongresses anzunehmen. Matt Pelikan, Anwalt bei Evergreen Legal, der Greenberg vertritt, sagte gegenüber CNBC: „Was Präsident Trump getan hat, ist frech korrupt. Er hat Millionen aus diesen Geschäften gemacht, indem er das amerikanische Volk verkauft hat.“
World Liberty Financial war 2024 gemeinsam mit Mitgliedern der Familien Trump und Witkoff gestartet worden und betreibt den Stablecoin USD1. Eine mit Trump und seiner Familie verbundene Einheit hält rund 38 Prozent des Unternehmens. Das Geschäft erwies sich für Trump auch dann als hochprofitabel, als Investoren in den Governance-Token WLFI erhebliche Verluste erlitten. In seiner jährlichen Finanzoffenlegung für 2025 meldete Trump mehr als 1,4 Milliarden Dollar an Krypto-Einkünften, darunter nahezu 800 Millionen Dollar im Zusammenhang mit World Liberty. Der WLFI-Token fiel dagegen von etwa 45 Cent im August 2025 bis Ende Juni 2026 auf rund 5 Cent.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Vorhaben wegen seiner Verbindungen zu den VAE. Monate nach Tahnoons Investition im Jahr 2025 erweiterte die US-Regierung den Zugang der Emirate zu fortschrittlichen US-KI-Chips, darunter für G42, ein staatlich unterstütztes KI-Unternehmen der VAE, das von Tahnoon kontrolliert wird. US-Abgeordnete haben Informationen zu diesen Geschäften angefordert und signalisiert, dass Transaktionen der Trump-Familie weiteren Untersuchungen unterzogen werden könnten, falls die Demokraten nach den Zwischenwahlen 2026 im Kongress die Befugnis zur Herausgabe von Beweismitteln erlangen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 02.02.2026 berichtete aktien.news, dass Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan über sein Unternehmen Aryam Investment eine 49-Prozent-Beteiligung an World Liberty Financial erworben hatte. Die Investition belief sich auf 500 Millionen Dollar und machte Aryam zum größten Anteilseigner. Tahnoon war damit der einzige bekannte externe Investor neben den Gründern.
Am 09.02.2026 meldete aktien.news, dass seit der Wiederwahl des Präsidenten mindestens 1,4 Milliarden Dollar an die Familien Trump und Witkoff geflossen sind. Herzstück sei ein geheimer Deal über 500 Millionen Dollar gewesen, bei dem fast die Hälfte des Unternehmens an ein Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi und dessen Co-Investoren verkauft wurde.
Am 23.04.2026 folgte der Bericht, dass der Krypto-Unternehmer Justin Sun Klage gegen World Liberty Financial beim Bundesgericht in Kalifornien eingereicht hatte. Sun wirft dem Unternehmen vor, seine Bestände an WLFI-Token illegal eingefroren zu haben, nachdem diese im September 2025 handelbar geworden waren.
Am 01.07.2026 berichtete aktien.news unter Berufung auf Bloomberg, dass Trump im Jahr 2025 mindestens 1,4 Milliarden Dollar aus Krypto- und Memecoin-Geschäften erzielt hat. Laut der Offenlegung nahm er mehr als 594 Millionen Dollar durch Verkäufe des Unternehmens World Liberty Financial ein.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger ist der Fall vor allem ein Risikofaktor für den Governance-Token WLFI. Der Kursverfall von etwa 45 Cent im August 2025 auf rund 5 Cent Ende Juni 2026 zeigt, wie stark die Token von politischen und rechtlichen Entwicklungen abhängen. Die Klage nennt World Liberty Financial als Beklagten und fordert die Rückzahlung von als illegal eingestuften Gewinnen — ein Ausgang, der die finanzielle Lage des Unternehmens und damit auch die Bewertung seiner Token berühren könnte. Ein Urteil liegt bislang nicht vor.
Zu beachten ist zudem die unterschiedliche Interessenlage innerhalb des Unternehmens: Während Trump laut Offenlegung erhebliche Einkünfte verbuchte, erlitten Investoren in den Governance-Token nach Angaben aus dem Quelltext erhebliche Verluste. Ob die Klage überhaupt zugelassen wird, ist offen. Die Eigentumsverhältnisse — rund 38 Prozent über eine mit Trump und seiner Familie verbundene Einheit — machen den Token zu einem politisch stark aufgeladenen Investment. Deutsche Privatanleger sollten dies bei der Risikobewertung berücksichtigen; eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Offen ist auch die politische Dimension. US-Abgeordnete haben bereits Informationen zu den VAE-Geschäften angefordert. Sollten die Demokraten nach den Zwischenwahlen 2026 die Subpoena-Befugnis im Kongress erlangen, könnten die Transaktionen der Trump-Familie nach Einschätzung der Abgeordneten weiter untersucht werden. Das Weiße Haus und ein Sprecher von Steve Witkoff hatten auf Anfragen von CNBC zunächst nicht reagiert. Konkrete Termine für eine gerichtliche Anhörung nennt der Quelltext nicht.
Kurz erklärt
- Stablecoin: Eine Kryptowährung, deren Wert an eine Referenzwährung wie den US-Dollar gekoppelt ist.
- Emoluments Clause: Verfassungsregel, die Bundesbeamten die Annahme von Geld oder Geschenken ausländischer Beamter ohne Zustimmung des Kongresses verbietet.
- Derivative Klage: Klage eines Aktionärs im Namen und zum Nutzen des Unternehmens.
- Governance-Token: Token, der Inhabern Mitspracherechte an einem Krypto-Projekt einräumt.
