KI steigert Gewinne: Morgan Stanley analysiert 17.000 Unternehmensberichte
Immer mehr US-Konzerne berichten von messbaren KI-Erträgen – und zerstreuen damit Anlegersorgen über ausbleibende Renditen der massiven Technologieinvestitionen.

Künstliche Intelligenz liefert in US-Unternehmen zunehmend konkrete Ergebnisse. Das zeigt eine umfangreiche Analyse von Morgan Stanley, die mehr als 17.000 Gewinnmitteilungen und Konferenzpräsentationen ausgewertet hat. Die Investmentbank stellt fest, dass Unternehmen immer häufiger über messbare finanzielle Gewinne und Produktivitätssteigerungen durch KI berichten – und nicht mehr nur über Versprechen und Pläne.
Die Zahlen belegen den Trend deutlich: 40 Prozent der von Morgan Stanley als KI-Anwender klassifizierten Unternehmen nannten im zweiten Quartal mindestens einen messbaren Vorteil durch den KI-Einsatz. Im Vorquartal lag dieser Wert bei 37 Prozent, vor einem Jahr waren es lediglich 21 Prozent – also fast die Hälfte des aktuellen Wertes. Auch im breiteren S&P 500 wächst die Zahl der Unternehmen, die quantifizierbare KI-Vorteile diskutieren: von 14 Prozent vor einem Jahr auf rund 25 Prozent im zweiten Quartal.
Für deutsche Privatanleger ist diese Entwicklung besonders relevant, da viele der betroffenen Unternehmen auch in hiesigen Depots und ETFs stark vertreten sind. Die Sorge, dass die milliardenschweren KI-Investitionen der vergangenen Jahre keine nennenswerten Renditen abwerfen, verliert damit zunehmend an Substanz.
Finanzielle Vorteile dominieren die KI-Diskussion
Statt experimenteller Anwendungsfälle rücken Führungskräfte nun konkrete Geschäftsergebnisse in den Vordergrund. Finanzielle Vorteile – darunter Umsatzgenerierung, niedrigere Betriebskosten und höhere Kapitaleffizienz – machten den größten Anteil der KI-bezogenen Kommentare aus. Produktivitätsverbesserungen folgen auf dem zweiten Platz.
Technologieunternehmen führen das Feld an: 51 Prozent von ihnen nannten quantifizierbare KI-Vorteile. Kommunikationsdienstleister folgen mit 44 Prozent, Finanzunternehmen mit 37 Prozent. Diese Verteilung zeigt, dass die KI-Adoption längst nicht mehr auf den klassischen Tech-Sektor beschränkt ist, sondern sich branchenübergreifend ausbreitet.
Konkrete Beispiele aus dem Morgan-Stanley-Bericht verdeutlichen die Bandbreite der Anwendungen:
Airbnb
senkte die Kosten im Kundenservice durch den gezielten Einsatz von KI
HP Inc
strebt jährliche Einsparungen von 1 Milliarde US-Dollar durch KI-gestützte Abläufe an
Verizon Communications
meldete Energieeinsparungen von mehr als 200 Millionen US-Dollar
Exxon Mobil
nutzt KI, um Bohrdaten in Wochen statt in Jahren zu analysieren
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Zur AktienanalyseKI verändert den Arbeitsmarkt – aber anders als befürchtet
Ein weiteres Thema gewinnt in den Unternehmensberichten an Gewicht: die Auswirkungen von KI auf die Beschäftigung. Rund 10 Prozent der S&P-500-Unternehmen diskutierten im zweiten Quartal die Folgen für den Arbeitsmarkt – gegenüber etwa 6 Prozent im Vorjahr. Bei den KI-Anwendern stieg dieser Wert sogar auf 18 Prozent.
Dabei zeichnet sich ein differenziertes Bild ab: Statt flächendeckender Stellenstreichungen beschreiben Unternehmen KI vor allem als Werkzeug, um Neueinstellungen zu verlangsamen, Routinearbeiten zu automatisieren und den Umsatz zu steigern, ohne zusätzliches Personal einzustellen. Morgan Stanley bezeichnet das am schnellsten wachsende Thema in diesem Zusammenhang als „Entkopplung von Umsatz und Mitarbeiterzahl" – Unternehmen steigern Produktion und Absatz, während das Mitarbeiterwachstum relativ flach bleibt.
Diese Entwicklung dürfte die Debatte über KI und Beschäftigung in den kommenden Quartalen weiter prägen. Für Anleger bedeutet die Morgan-Stanley-Analyse insgesamt ein positives Signal: Die KI-Investitionswelle beginnt, greifbare wirtschaftliche Früchte zu tragen.


