KI setzt das Partnerschaftsmodell in Anwaltskanzleien unter Druck
Freshfields und andere Top-Kanzleien reformieren ihre Partnerstrukturen – KI beschleunigt den Wandel hin zu ergebnisorientierter Vergütung.

Das Partnerschaftsmodell, das seit Jahrhunderten das Rückgrat von Anwaltskanzleien und Professional-Services-Firmen bildet, gerät zunehmend unter Druck. Kanzleien weltweit reduzieren die Anzahl und Privilegien ihrer Partner – und die Künstliche Intelligenz verschärft diesen Trend erheblich. Die britische „Magic Circle"-Kanzlei Freshfields ist die jüngste, die ihre Partnerschaftsstruktur anpasst.
Das klassische „Lockstep"-Modell, bei dem Vergütung an die Betriebszugehörigkeit gekoppelt ist, hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits an Bedeutung verloren. Als britische Großkanzleien ihre Geschäftstätigkeit weltweit ausweiteten – auch durch Fusionen und Übernahmen –, kollidierte dieses Modell mit dem leistungsorientierten Ansatz amerikanischer Kanzleien. Führende britische Kanzleien setzen heute auf eine Mischung aus Leistungsvergütung und der Anerkennung von Beiträgen, die nicht unmittelbar in Umsatz messbar sind – etwa die Leitung von Teams, das Mentoring von Nachwuchskräften oder die Überwachung der Entwicklung von KI-Tools.
Dennoch tragen Kanzleien auf beiden Seiten des Atlantiks weiterhin Partner mit, die weniger Wert schöpfen, als ihr Gehalt vermuten ließe. Einstige „Rainmaker" – also Partner, die einst viele lukrative Mandate an Land zogen – kassieren weiterhin ab, selbst wenn ihre Beziehung zu Mandanten sich auf eine jährliche Weihnachtskarte beschränkt. Anwälte, die in einer ehemals kleinen City-Kanzlei glänzten, können nach einer Fusion in den Hintergrund treten.
KI als Katalysator für strukturellen Wandel
Die Künstliche Intelligenz setzt dieses System nun unter erheblichen Druck. Die Technologie ist vergleichsweise günstig zu haben – selbst für Branchenriesen. Der US-amerikanische Kanzleigigant Kirkland & Ellis gibt 500 Millionen US-Dollar für seine KI-Bemühungen aus. Verteilt man diesen Betrag auf fünf Jahre, entspricht die jährliche Summe dem, was im vergangenen Jahr gerade einmal neun Partner einstrichen. Das verdeutlicht, wie kosteneffizient KI im Vergleich zu hochbezahlten Partnern sein kann.
Die zunehmende Einführung von KI führt bereits zu wachsendem Druck auf die Honorare. Mandanten sind versierter geworden und prüfen Zeiterfassungsbögen auf Anzeichen von künstlich aufgeblähten abrechenbaren Stunden. Laut einer Umfrage von PwC-Beratern schätzen führende britische Kanzleien, dass KI bereits 16 von 100 Arbeitsstunden einspart – und Mandanten verlangen, dass sich diese Effizienzgewinne in ihren Rechnungen niederschlagen.
Ergebnisorientierte Vergütung als neues Modell
Der Trend geht klar in Richtung ergebnisorientierter Preisgestaltung. Mandanten wollen für greifbare Ergebnisse bezahlen, nicht für abrechenbare Stunden. Unternehmensberatungen basieren ihre Preisgestaltung bereits teilweise auf erzielten Ergebnissen. Anwälte mit Erfolgshonoraren – im angelsächsischen Raum als „No win, no fee" bekannt – praktizieren dies seit jeher.
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Zur AktienanalyseFür Kanzleien ist dieser Wandel nicht ohne Tücken. Ergebnisse können auch externe Ereignisse widerspiegeln oder Mandanten, die den erteilten Rat nicht vollständig befolgen. Dennoch werden Kanzleien dem Trend zur ergebnisorientierten Preisgestaltung kaum entkommen. Die Anpassungen bei Freshfields und anderen Kanzleien deuten darauf hin, dass man im Rechtswesen zunehmend nur so gut ist wie sein letzter Fall – ähnlich wie im Profisport, wo selbst Leistungsträger ausgesondert werden, wenn sie hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Die Botschaft an erfahrene Partner ist klar: Wer seinen Platz in der Kanzlei der Zukunft sichern will, muss seinen Wert kontinuierlich unter Beweis stellen – und sich mit den Möglichkeiten der KI auseinandersetzen, statt sie zu ignorieren.


