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KI-Reichtum spaltet Luxusaktien: Schmuck schlägt Handtaschen

Künstliche Intelligenz schafft enormen Wohlstand – doch nicht alle Luxusgüterhersteller profitieren gleichermaßen davon.

KI-Reichtum spaltet Luxusaktien: Schmuck schlägt Handtaschen

Die KI-Revolution verändert nicht nur die Technologiebranche, sondern auch die Dynamik im globalen Luxusgütermarkt. Wer von dem neu entstehenden Wohlstand profitiert, hängt stark davon ab, welche Produkte ein Unternehmen verkauft – und an wen. Diese Frage beschäftigt derzeit Investoren und Analysten gleichermaßen.

Im Mittelpunkt der Debatte stehen zwei europäische Luxusriesen: der französische Konzern LVMH, Muttergesellschaft von Louis Vuitton und Christian Dior, sowie der Schweizer Schmuckspezialist Richemont. Beide haben zuletzt Quartalszahlen vorgelegt – mit aufschlussreichen Unterschieden.

LVMH profitiert, aber Schmuck wächst schneller

LVMH-Finanzvorständin Cécile Cabanis hob bei der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal ausdrücklich die positiven Auswirkungen der Vermögensbildung in den USA und Korea hervor. Die Sparte für Mode und Lederwaren – die im vergangenen Jahr drei Viertel des operativen Gewinns ausmachte – kehrte endlich wieder zu einem Umsatzwachstum zurück. Bereinigt um Währungseffekte sowie Akquisitionen und Veräußerungen wuchs das Geschäft mit Kleidung und Taschen jedoch nur um 1 Prozent im Jahresvergleich.

Die Uhren- und Schmucksparte von LVMH legte dagegen um 11 Prozent zu. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei Richemont aus: Das Kerngeschäft mit Schmuck wuchs dort währungsbereinigt um fast ein Viertel. Konsumenten aus den USA und Asien trugen in den drei Monaten bis Ende Juni zu dieser außergewöhnlich starken Performance bei.

Der Grund für die Outperformance von Schmuck gegenüber Handtaschen liegt in der Preisstruktur. Edelsteine und Luxusschmuck können astronomische Preise erreichen. Das teuerste Produkt der Richemont-Marke Van Cleef & Arpels kostet laut Analysten von Bernstein fast eine Million Euro – das 1.200-fache des günstigsten Schmuckstücks der Marke. Selbst die exklusivsten Taschen wirken dagegen erschwinglich: Die Capucines von Louis Vuitton sind mit 6.500 Euro ein relatives Schnäppchen im Vergleich.

K-förmige Wirtschaft als Schlüsselfrage für Investoren

Hinter diesen Zahlen steckt eine grundlegende wirtschaftliche Frage: Führt der durch KI geschaffene Wohlstand zu einer sogenannten K-förmigen Wirtschaft? In diesem viel diskutierten Modell wächst der Anteil der Superreichen an den Gesamtausgaben immer weiter, während die Mittelschicht zurückbleibt. In einem solchen Szenario wäre Richemont klar im Vorteil – wer Schmuck für eine Million Euro kauft, gehört zweifellos zur obersten Vermögensschicht.

Im Alternativszenario hingegen, in dem der technologische Wohlstand auch die Mittelschicht bereichert, könnte LVMH das bessere Investment sein. Das Unternehmen bedient mit seinen Marken eine breitere Käuferschicht wohlhabender, aber nicht superreicher Konsumenten.

Irgendwo dazwischen positioniert sich Brunello Cucinelli: Der italienische Kaschmirspezialist liegt preislich weit außerhalb der Reichweite des Durchschnittsverbrauchers und verzeichnet ebenfalls starkes Umsatzwachstum.

Bewertung: LVMH günstiger als Richemont

Trotz der schwächeren Wachstumsdynamik hat LVMH die jüngsten mageren Zeiten genutzt, um sein Angebot zu verbessern. Christian Dior schneidet unter dem neuen Kreativdirektor Jonathan Anderson besser ab als die übrigen Modemarken des Konzerns. Zudem verschafft die schiere Größe des Konzerns erstklassigen Zugang zu den begehrtesten Einkaufsstandorten weltweit.

An der Börse spiegelt sich die unterschiedliche Einschätzung der Investoren deutlich wider. Laut S&P Capital IQ wird die LVMH-Aktie derzeit mit dem 20-fachen des erwarteten Gewinns bewertet – zu Jahresbeginn lag dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis noch bei etwa dem 27-fachen. Richemont wird weiterhin auf diesem höheren Niveau gehandelt. Dies deutet darauf hin, dass der Markt davon ausgeht, der globale Wohlstandszuwachs werde vor allem den bereits Reichen zugutekommen. Wer diese Annahme für falsch hält, findet in LVMH eine vergleichsweise günstig bewertete Alternative.

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