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KI-Recruiting benachteiligt Frauen ab 40 auf dem Arbeitsmarkt

Automatisierte Bewerbungsfilter blockieren erfahrene Frauen – und eine wachsende Gemeinschaft kämpft gegen geschlechtsspezifische Altersdiskriminierung.

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KI-Recruiting benachteiligt Frauen ab 40 auf dem Arbeitsmarkt

Tausende Frauen in der Lebensmitte berichten von massiven Schwierigkeiten bei der Jobsuche – und machen KI-gestützte Rekrutierungstools mitverantwortlich. Die BBC hat mit mehr als 60 Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren gesprochen, die trotz jahrzehntelanger Führungserfahrung unzählige Bewerbungen verschicken, ohne mehr als automatisierte Absagen zu erhalten. Der Fall der 52-jährigen Stacey Duguid aus Nordlondon steht exemplarisch für ein weitverbreitetes Problem: 16 Monate lang verschickte sie „Unmengen" an Lebensläufen – und erhielt kaum Rückmeldungen, obwohl sie zuvor nie Schwierigkeiten hatte, Arbeit zu finden.

Duguid, die eine jahrzehntelange Karriere in der Modebranche hinter sich hat, beschreibt das Erlebnis als „einsam und beschämend". Als sie in den sozialen Medien fragte, ob andere Frauen ähnliche Erfahrungen machten, war die Resonanz überwältigend: Tausende Frauen berichteten von vergleichbaren Kämpfen. Ihre Reaktion war pragmatisch – sie „botoxte" ihren Lebenslauf, indem sie Hinweise auf ihr Alter und ihre langjährige Erfahrung entfernte. „KI hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Sie ist ein Abbild unserer Vorurteile", sagte sie.

Hunderte Bewerbungen, kaum Rückmeldungen

Koeyli Jaluka, 49, mit leitenden Positionen in der Fertigung, in Unternehmen und im Gesundheitswesen, erlebte einen ähnlichen Schock. Vor neun Monaten wurde sie betriebsbedingt gekündigt. Seitdem hat sie sich auf 442 Stellen beworben und nur in wenigen Fällen eine Rückmeldung erhalten. Gelegentlich wurde ihr gesagt, sie sei „zu senior" – was sie als „Code für zu alt" interpretiert. Trotz zwei Jahrzehnten Erfahrung und zwei Studienabschlüssen sagt sie, ihr Selbstvertrauen habe „einen Schlag erlitten".

Anna Cowie, 52, blickt auf eine 30-jährige Karriere in der Werbebranche zurück, ist aber seit fast vier Jahren arbeitslos. Sie hat aufgehört zu zählen, wie viele Lebensläufe sie verschickt hat. Nach Jahrzehnten der Arbeit für große Marken – zuletzt half sie beim Start der neuen Battersea Power Station – bezieht sie nun Arbeitslosengeld. Sie hat sich ehrenamtlichen Tätigkeiten für Gemeindefestivals zugewandt und festgestellt, dass das Networking mit echten Menschen vielversprechender ist: „Man wird als Mensch gesehen und nicht nur als Zeilen auf dem Papier."

Viele der betroffenen Frauen berichten zudem, dass ihnen Karriere-Coaches geraten haben, die ersten zehn Jahre ihrer Berufstätigkeit im Lebenslauf zu streichen – nur um nicht den Eindruck zu erwecken, schon zu lange zu arbeiten.

Experten warnen vor systemischen Risiken

Die „City of London Women Pivoting to Digital Taskforce" hat konkrete Zahlen vorgelegt. Ihre Vorsitzende Caroline Haines erklärte, Untersuchungen hätten eine erhebliche Besorgnis ergeben, dass KI beim Screening von Bewerbungen die Fähigkeiten erfahrener Frauen nicht erkennt. Besonders problematisch: Frauen, die wegen der Kinderbetreuung eine Auszeit genommen haben, weisen Lücken im Lebenslauf auf, die einige KI-Systeme negativ interpretieren könnten.

Die Taskforce schätzt, dass KI und Automatisierung bis 2035 Hunderttausende von Arbeitsplätzen für Frauen verdrängen könnten. Ohne signifikante Investitionen in Umschulungen könnten Unternehmen mit Abfindungskosten von mehr als 750 Millionen Britischen Pfund konfrontiert sein. In einer Umfrage der Taskforce unter mehr als 1.000 Frauen gaben 68 Prozent an, dass ihnen von ihrem Arbeitgeber keine Möglichkeit zur Umschulung oder zum Wechsel in digitale Rollen gegeben wurde.

„In einer Zeit, in der das Land dringend Wirtschaftswachstum benötigt, müssen wir jede Ressource nutzen, die wir haben – auch die Ressource der Frauen in der Mitte ihrer Karriere", sagte Haines. „Wenn sie aus dem Markt ausscheiden, hat das enorme Auswirkungen."

Regulierungslücken und fehlerhafte Logik

Laura Holden, eine auf KI spezialisierte Anwältin und Gründerin der Beratungsfirma Bonsai AI, warnt vor erheblichem Schaden durch mangelnde Transparenz. Sie argumentiert, es sei schwierig festzustellen, ob eine Voreingenommenheit vorliege, da es „weltweit an Regulierungen mangelt, die Anbieter verpflichten, die Funktionsweise ihrer Tools offenzulegen". Als konkrete Beispiele nennt sie Tools, die Lebensläufe von A bis D einstufen, oder Systeme, die eine siebenjährige Karrierepause als „beachtenswert" markieren – was Entscheidungen unfair beeinflussen könne. Holden fordert obligatorische Tests und eine strengere Regulierung, bevor KI-Rekrutierungstools eingesetzt werden.

Dr. Eleanor Drage, leitende Forscherin an der University of Cambridge, hält die Besorgnis für „sehr berechtigt". Sie argumentiert, dass die Logik, nach der KI-Rekrutierungstools arbeiten, „völlig fehlerhaft" sei, da sie den inneren Wert oder die Persönlichkeit eines Menschen nicht so beurteilen können wie ein menschlicher Recruiter. Menschliche Personalverantwortliche seien besser in der Lage, den Wert von Kandidatinnen zu erkennen, die nach einer Karrierepause zurückkehren, sowie deren übertragbare Fähigkeiten. Drage empfiehlt, KI solle genutzt werden, um die eigenen Einstellungspraktiken eines Unternehmens zu bewerten – nicht um „vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Frauen" zu beurteilen.

Workday und die Reaktion der Politik

Der Softwareanbieter Workday, dessen KI-gestützte Personalsoftware weit verbreitet ist, sieht sich in den USA Vorwürfen gegenüber, tausendfach gegen kalifornisches Recht verstoßen zu haben, indem Bewerber bei vielen großen Unternehmen aus diskriminierenden Gründen aussortiert worden seien. Das Verfahren ist im Gange, ein Urteil wird für Ende dieses Jahres erwartet. Workday erklärte gegenüber der BBC, die Behauptungen in der Klage seien falsch, und betonte, seine KI werde durch ein „Responsible AI"-Programm „streng getestet" und berücksichtige „keine Merkmale wie Alter oder Geschlecht".

Ein britischer Regierungssprecher erklärte, bestehende rechtliche Schutzmechanismen – einschließlich des Gleichstellungs- und Datenschutzrechts – gälten bereits für KI-Systeme. Man werde handeln, „wo zusätzlicher Schutz erforderlich ist". Der Sprecher des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan verwies darauf, dass Frauen eher in Berufen arbeiten, die KI-Anwendungen ausgesetzt sind, und betonte die Unterstützung für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI im Arbeitsmarkt.

Stacey Duguid hat inzwischen einen Community-Chat und eine Plattform eingerichtet, um betroffenen Frauen zu helfen und Unternehmen für das Problem zu sensibilisieren. Ihr Appell ist klar: „Ich möchte, dass wir als Gruppe gehört und gesehen werden. Und dass geschlechtsspezifische Altersdiskriminierung der Vergangenheit angehört. Denn wenn wir Glück haben, werden wir alle alt."

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