KI-Labore greifen den 6-Billionen-Dollar-Bildungsmarkt an
OpenAI, Anthropic und Google drängen mit kostenlosen und kostenpflichtigen Tools in Schulen und Universitäten weltweit.

Die weltweit führenden KI-Unternehmen haben den globalen Bildungsmarkt als strategisches Ziel ausgemacht. Laut einem Bericht von Morgan Stanley umfasst dieser Markt ein Volumen von 6 Billionen US-Dollar. OpenAI, Anthropic und Google bringen gezielt neue Produkte für Lehrkräfte und Schüler auf den Markt – und verfolgen dabei sowohl gesellschaftliche als auch kommerzielle Ziele.
Seit dem Start von ChatGPT im Jahr 2022 stehen Schulen und Universitäten unter Druck. Viele Pädagogen verboten KI-Tools zunächst vollständig, erkannten jedoch schnell, dass große Sprachmodelle (Large Language Models) nicht mehr wegzudenken sind. Nun geht es darum, Schüler und Studenten auf eine durch KI transformierte Arbeitswelt vorzubereiten.
Die Angebote der KI-Labore im Überblick
Anthropic hat „Claude for Teachers" eingeführt – ein kostenloses Tool für K-12-Lehrkräfte in den USA (Kindergarten bis 18 Jahre), das bei der Unterrichtsplanung, der Erstellung von Aufgaben und automatisierten Schülerberichten helfen soll. Zusätzlich gibt es „Claude for Education" für Hochschullehrer und Studenten, das einen sogenannten Lernmodus enthält: Statt sofort Antworten zu liefern, fragt der Chatbot: „Wie würdest du dieses Problem angehen?"
OpenAI bietet „ChatGPT for Teachers" als kostenloses Self-Service-Angebot für verifizierte US-Lehrkräfte an sowie „ChatGPT Edu", ein rabattiertes Enterprise-Abonnement für Universitäten. Google integriert seine Gemini-Modelle in bestehende Cloud-Lösungen für Bildungseinrichtungen und richtet sich damit an Lehrer und Schüler gleichermaßen.
Beide Unternehmen – OpenAI wie Anthropic – setzen auf einen „sokratischen" Lernansatz, bei dem Chatbots als Tutoren fungieren und kritisches Denken fördern sollen, anstatt einfach Antworten zu liefern.
OpenAI arbeitet mit Regierungen zusammen
OpenAI geht noch einen Schritt weiter und kooperiert direkt mit Regierungen. Im Rahmen des „Education for Countries"-Programms arbeitet das Unternehmen mit Estland, Griechenland, Jordanien, Kasachstan, der Slowakei, Trinidad und Tobago, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Italien zusammen. Eine Partnerschaft mit Estland, die im vergangenen Jahr startete, führte bereits dazu, dass über 30.000 Universitäts- und Sekundarschüler, Lehrer und Forscher Tools wie ChatGPT Edu nutzen.
„Jeder Schüler von heute wird mit KI aufwachsen – es ist unsere Aufgabe, mitzugestalten, wie Schüler die Technologie nutzen", sagt Leah Belsky, Vice President of Education bei OpenAI und ehemalige Chief Revenue Officer der Online-Lernplattform Coursera. Laut Belsky plant OpenAI in jedem Partnerland maßgeschneiderte Versionen seines Chatbots einzuführen, die auf den lokalen pädagogischen Stil zugeschnitten sind.
Dass hinter diesen Bemühungen auch handfeste Geschäftsinteressen stehen, macht Simon Buckingham Shum, Professor für Lerninformatik an der University of Technology Sydney, deutlich: „Seien wir nicht naiv, KI ist für diese Unternehmen absolut ein Marktplatz." In den Studenten von heute sehen die KI-Unternehmen die Führungskräfte und Arbeitnehmer von morgen – und damit künftige zahlende Nutzer.
Etablierte Edtech-Unternehmen unter Druck
Am besten positioniert, KI im Bildungsbereich zu monetarisieren, sind wohl Microsoft und Google. Beide Unternehmen pflegen durch ihre Cloud-Dienste langjährige Beziehungen zu Universitäten und haben ihre KI-Tools – Copilot beziehungsweise Gemini – bereits in ihre Bildungsangebote integriert.
Für die etablierten digitalen Bildungsunternehmen, die sogenannten Edtechs, stellt diese Entwicklung eine potenzielle Bedrohung dar. Bisher suchen viele jedoch eher die Partnerschaft als den Konflikt. Coursera kooperiert mit OpenAI, um Lerninhalte in ChatGPT zu integrieren. Instructure, ein Anbieter von Learning-Management-Systemen, ist Partner sowohl von OpenAI als auch von Anthropics „Claude for Education"-Initiative.
Michael Feldstein, Chief Strategy Officer des Bildungskonsortiums 1EdTech, beschreibt die Stimmung in der Branche so: Edtechs seien „nervös und haben Angst, dass die Labore sie obsolet machen". Er betont jedoch, dass die Edtechs über wertvolle Daten zu Nutzungsmustern im Bildungsbereich verfügen, die den KI-Laboren fehlen.
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Zur AktienanalyseEinführung verläuft schleppend – Wirtschaftlichkeit fraglich
Trotz aller Bemühungen zeigt eine aktuelle Studie des Digital Education Council (DEC), einem globalen Konsortium von Universitäten und Schulen, dass mehr als 40 Prozent der Hochschulstudenten angeben, KI sei in keinen ihrer Kurse integriert worden. Von jenen, in deren Kursen KI eingesetzt wurde, bewerteten 42 Prozent den Einsatz als nur „einigermaßen hilfreich", während 24 Prozent von einem „begrenzten Lernerfolg" berichteten.
Langfristig bleibt auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Enterprise-KI im Bildungsbereich offen. Feldstein formuliert die zentrale Frage so: „Es ist eine offene Frage, ob Schulen für Top-Chatbots bezahlen wollen, wenn adäquate Modelle kostenlos auf ihren Geräten laufen." Er verweist dabei auf die wachsende Beliebtheit sogenannter Open-Weight-KI-Modelle, deren Parameter öffentlich zugänglich sind und die leicht für spezifische Zwecke angepasst werden können.
An der University of Technology Sydney entwickeln Dozenten laut Buckingham Shum bereits eigene KI-Produkte, ergänzt durch interne Qualitätssicherungsprozesse. Sein Fazit: „Es ist gut, dass die großen Tech-Unternehmen auf die durch KI verursachten Umbrüche reagieren. Aber meiner Meinung nach leisten die Universitäten dann gute Arbeit, wenn sie den Pädagogen Gestaltungswerkzeuge an die Hand geben."


