KI könnte Pharmagewinne um mehr als 10 Prozent steigern
Bernstein-Analysten sehen KI als Gamechanger für die Arzneimittelentwicklung – mit messbaren Auswirkungen auf Kosten und Profitabilität.

Künstliche Intelligenz verändert die Pharmaindustrie grundlegend. Das Analysehaus Bernstein prognostiziert, dass der KI-Einsatz das operative Ergebnis großer Pharmaunternehmen um mehr als 10 Prozent steigern könnte. Grundlage dieser Einschätzung ist die zunehmende Integration von KI-Tools in den gesamten klinischen Entwicklungsprozess.
Konkret helfen KI-Systeme dabei, klinische Studien effizienter zu konzipieren, Patienten schneller zu rekrutieren und Zulassungsanträge zu automatisieren. Bernstein geht davon aus, dass diese Verbesserungen die Entwicklungszeiten für neue Medikamente um rund 18 Monate verkürzen können. Gleichzeitig könnten die Forschungs- und Entwicklungsausgaben in den kommenden Jahren um etwa 5 Prozent sinken.
Die Bedeutung dieser Zahlen erschließt sich vor dem Hintergrund der traditionell enormen Kosten in der Branche. Ein neues Medikament benötigt oft mehr als ein Jahrzehnt von der Entwicklung bis zur Marktreife und verschlingt Milliarden an Investitionen. Ein Großteil davon entfällt auf klinische Studien und das aufwendige Zulassungsverfahren bei Behörden wie der EMA oder FDA.
Wie KI die Effizienz steigert
KI-Systeme analysieren historische Studiendaten, optimieren das Design klinischer Prüfungen und verbessern die Auswahl geeigneter Prüfzentren. Auch die laufende Patientenüberwachung während Studien profitiert von automatisierten Prozessen. Das reduziert kostspielige Protokolländerungen und beschleunigt die Erstellung behördlicher Unterlagen erheblich.
Ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil liegt im sogenannten Patent-Cliff-Effekt. Schnellere Entwicklungszeiten verlängern den Zeitraum, in dem ein Medikament exklusiv auf dem Markt ist, bevor Patente auslaufen und Generikahersteller mit günstigeren Konkurrenzprodukten einsteigen. Früherer Markteintritt kombiniert mit niedrigeren F&E-Kosten ergibt damit einen doppelten Rentabilitätsschub.
Japanische Pharmariesen besonders gut positioniert
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Zur AktienanalyseBernstein sieht vor allem große Pharmaunternehmen mit globalen klinischen Entwicklungskapazitäten als Hauptprofiteure. Sie verfügen über die notwendige Datenmenge, Infrastruktur und Skalierbarkeit, um KI effektiv einzusetzen. Explizit hervorgehoben werden die japanischen Konzerne Daiichi Sankyo, Takeda und Astellas als gut positionierte Kandidaten.
Gleichzeitig dämpft Bernstein übertriebene Erwartungen: KI werde das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie nicht grundlegend umwälzen. Die Arzneimittelentwicklung bleibe weiterhin kapitalintensiv und streng reguliert. Der Technologieeinsatz optimiert bestehende Prozesse – er ersetzt sie nicht.


