KI-Investitionsbudgets beunruhigen Anleihemärkte bei Tech-Giganten
Steigende Capex-Prognosen von Alphabet, Amazon und Meta treiben Credit Spreads in die Höhe und alarmieren Rentenanleger weltweit.

Die Anleihemärkte geraten zunehmend unter Druck: Nachdem Alphabet seine Prognose für KI-Investitionsausgaben (Capex) angehoben hat, stiegen die Renditen spürbar an. Anleiheinvestoren befürchten nun, dass andere Hyperscaler wie Amazon und Meta dem Beispiel folgen könnten – mit weitreichenden Folgen für die Kreditkosten der gesamten Branche.
Bei Google, Amazon und Meta weiten sich die Credit Spreads aus. Das bedeutet: Rentenanleger verlangen höhere Risikoaufschläge, um diesen Unternehmen Kapital zu leihen. Die Botschaft der Märkte ist eindeutig – das enorme Kapital, das für den Ausbau der KI-Infrastruktur benötigt wird, weckt ernsthafte Zweifel an der finanziellen Belastbarkeit selbst der größten Tech-Konzerne.
Oracle-CDS als Frühindikator für KI-Schuldenängste
Ein besonders aufschlussreicher Indikator ist der fünfjährige Credit Default Swap (CDS) von Oracle, der derzeit auf einem Mehrjahreshoch notiert. Der Barclays-Kreditanalyst Andrew Keches schrieb in einer Kundenmitteilung, dass der Oracle-CDS „wieder als Stellvertreter für die Verschuldungsängste im KI-Sektor wahrgenommen wird". Laut Keches spiegele die Attraktivität des Oracle-CDS „seine Rolle als liquider Hedge für KI-Capex, die Umsetzung bei OpenAI und die allgemeineren Narrative zu Rechenzentrumsausgaben wider".
Oracle steht dabei unter besonderem Beobachtung: Die Ratingagentur S&P Global stufte die Kreditwürdigkeit des Unternehmens zuletzt auf BBB- herab – nur noch eine Stufe über dem sogenannten Junk-Status. Gleichzeitig pflegt Oracle wachsende Partnerschaften mit OpenAI, Meta und Nvidia im Bereich Cloud-Architektur, was die Investitionsanforderungen weiter in die Höhe treibt.
Ein wesentlicher Treiber der explodierenden Investitionsbudgets sind die steigenden Energiekosten. Energie gilt als zentraler Kostenfaktor für alle Hyperscaler, die derzeit in rasantem Tempo große Rechenzentren in den USA errichten. GE-Vernova-CEO Scott Strazik erklärte gegenüber CNBC, dass er mit einem Fortbestehen des aktuellen inflationären Umfelds rechne – unter anderem aufgrund der verschärften geopolitischen Lage. In dieser Woche stieg der Ölpreis auf über 100 US-Dollar pro Barrel.
Hyperscaler geben bald mehr aus als sie einnehmen
Die Investmentbank Mizuho warnte in einer Mitteilung an ihre Kunden, dass die Capex-Erhöhungen „die Belastbarkeit der Investoren testen, da Unternehmen, die einst als finanzielle Festungen galten, nun einen dramatischen Anstieg der KI-bezogenen Kosten verzeichnen". Besonders alarmierend: Die Analysten von Mizuho gehen davon aus, dass die Hyperscaler kollektiv auf dem besten Weg sind, bis zum nächsten Jahr mehr für Investitionen auszugeben, als sie an freiem Cashflow generieren.
„Dies führt zu intensiven Diskussionen zwischen Anleihe- und Aktieninvestoren, die in den größten Tech-Werten engagiert sind", sagte der Portfoliomanager eines Kreditfonds gegenüber CNBC. Der Manager wollte anonym bleiben, um sensible Gespräche erörtern zu können.
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Zur AktienanalyseMetas 12-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum als Lackmustest
Konkret zeigt sich die veränderte Stimmung am Markt beim geplanten Rechenzentrum von Meta in Texas. Das Projekt hat ein Volumen von 12 Milliarden US-Dollar und soll über den Anleihemarkt finanziert werden – die Preisgestaltung soll laut einer mit den Gesprächen vertrauten Quelle Anfang nächster Woche abgeschlossen werden. Die Financial Times berichtete bereits, dass der Deal zu einem höheren Zinssatz als frühere Projekte abgeschlossen wird. Dies gilt als klares Signal: Investoren verlangen nicht nur mehr Rendite, sondern stellen zunehmend auch die Rentabilität solcher Investitionen infrage.
Die Entwicklung der Treasury-Renditen sorgt zusätzlich für Unruhe unter den Anleiheinvestoren. Portfoliomanager warnen, dass steigende Renditen bei Tech-Anleihen die Finanzierung künftiger Deals verteuern und damit das Tempo des KI-Ausbaus bremsen könnten. Der Anleihemarkt sendet damit ein deutliches Warnsignal an die gesamte Technologiebranche.


